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Punktsieg in der ersten Runde

Oppositionskandidat Akufo-Addo gewinnt die Präsidentschaftswahlen in Ghana

  • Von Martin Ling, Accra
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Humor hat ihm nicht geholfen: Als Mr. Dumsor würden ihn viele Ghanaer bezeichnen, witzelte Präsident John Dramani Mahama, was frei übersetzt so viel heißt wie Mr. Stromausfall. Und die Kombination aus sich häufenden Stromausfällen und einer schwächelnden Wirtschaft hat den Unmut in der Bevölkerung so geschürt, dass sie mal wieder einen Wechsel an der Regierungsspitze präferiert. Laut Wahlkommission erreichte Nana Akufo-Addo bei den Präsidentschaftswahlen vom 7. Dezember nach der Auszählung von 218 der 275 Wahlkreise 52,95 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Mahama kam auf 45,20 Prozent, die anderen fünf Kandidaten einschließlich Nana Konadu Agyemang-Rawlings, die als erste Frau in Ghana für die Präsidentschaft kandidierte, kamen auf Ergebnisse unter ein Prozent.

Dass die noch ausstehenden Wahlkreise das Gesamtergebnis kippen, gilt als ausgeschlossen. Auch bei den Parlamentswahlen ist der NPP der Sieg nur noch theoretisch zu nehmen, von bisher 196 der 275 vergebenen Sitze hat sie 135 errungen, der NDC 73, alle anderen gingen leer aus.

»Wir fahren einen lockeren Sieg ein.« Als Akufo-Addo gegen 17.30 Uhr am Donnerstag eine Rede vor seinen jubilierenden Anhängern hält, hat die Wahlkommission noch kein Endergebnis verkündet, aber die Tendenz ist eindeutig: Der Kandidat der Neuen Patriotischen Partei (NPP) liegt klar vor Amtsinhaber John Dramani Mahama und er liegt deutlich über der 50-Prozent-Marke, die es zu überspringen gilt, um einen zweiten Wahlgang zu vermeiden.

Akufo-Addo ist ein gebranntes Kind: 2008 lag er nach der ersten Runde vorne, verlor aber in der Stichwahl, 2012 schaffte er es nicht mal in die Stichwahl und allen war klar, dass dies die letzte Chance für den rüstigen 68-Jährigen ist, der sich vor den Kameras einem Siegestänzchen hingab. Die Kernaussage von Akufo-Addos Rede nach vielen Dankesbekundungen, angefangen mit dem Allmächtigen, zielt wenig verwunderlich auf die Wirtschaft. Er will wirtschaftspolitisch die Weichen so stellen, dass sie schnell wieder in Schwung kommt. Ein Versprechen Akufo-Addos lautet, in jedem der 216 Distrikte eine Fabrik zu errichten.

Eine Wirtschaftsbelebung ist in der Tat dringlich. Das Wachstum ist in den vergangenen Jahren stark eingebrochen, von 14,9 Prozent 2011 über rund acht Prozent auf nur noch etwa 3,5 Prozent 2016. Und die Weltbank hat in ihrem jüngsten Bericht zu Ghana festgestellt, dass 48 Prozent der 15- bis 24-Jährigen ohne Arbeit sind. Auf Akufo-Addo setzt ein Teil von ihnen diffuse Hoffnungen nach dem Motto »Schlimmer kann es ja nicht mehr werden«.

Doch große Begeisterung ist am Donnerstagabend in Accra nicht auszumachen. Als ein NPP-Lkw mit lauter Musik an der Straßenbar »Areacode«, einem angesagten Treffpunkt junger Ghanaer, vorbeifährt, rafft sich gerade mal eine Person auf zu jubeln, während der Rest weiter musikbeschallt in die Kommunikation mit Smartphone oder Tischnachbarn vertieft bleibt.

Die Unregelmäßigkeiten halten sich bei Wahlen in Ghana allen Einschätzungen zufolge in Grenzen, auch wenn 2016 erstmals ein Hackerangriff auf die Website der Wahlkommission abgewehrt werden musste.

Ghana wird mit der Amtsübergabe von Mahama an Akufo-Addo das erste afrikanische Land sein, dem zum dritten Mal nach 2000 und 2008 eine friedliche Regierungsübergabe gelingt. Den Übergang von der Diktatur zur »Musterdemokratie« eingeleitet hatte Langzeitpräsident Jerry John Rawlings (1981-2000), der 2000 umstandslos nach zwei demokratischen Amtsperioden verfassungsgemäß abtrat. Auch wenn seine Ehefrau Nana Konadu Agyemang-Rawlings mitsamt der Neugründung Nationale Demokratische Partei (NDP) unterging, wird der Name Rawlings nicht von der Bildfläche verschwinden. Die älteste Tochter, die 38-jährige promovierte Ärztin Zanetor Rawlings, eroberte im ersten Anlauf einen Parlamentssitz in Accra. Allerdings für den NDC, dem sie im Gegensatz zu ihren Eltern treu blieb, die ihm 2012 im Streit den Rücken kehrten.

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