Abgesang auf eine Revolution

Mirko Borschts Inszenierung von Heiner Müllers »Der Auftrag« am Gorki-Theater ist vor allem: ein Missverständnis

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Wann erinnert man sich an eine Revolution? Vermutlich nicht dann, wenn sie einen ganz und gar nichts mehr angeht. Jede Erinnerung trägt ein Bild in sich, mit dem sie vorangeht - oder stirbt, was im Grunde das Gleiche ist.

Heiner Müllers »Der Auftrag« beginnt wie ein Roman von Dostojewski: Jemand schreibt einen Brief. Als Antoine ihn bekommt, ist der Briefschreiber Galloudec längst tot, gestorben in einem Hospital auf Kuba. In diesem Brief, den er auf seinem Totenbett schrieb, gibt er einen Auftrag zurück. Er und der Bürger Sasportas (der in Port Royal gehängt wurde), ebenso wie Debuisson (von dem man nichts mehr hören werde), sollten im Namen des Konvents die Revolution exportieren: nach Haiti oder Jamaika. So wie Che Guevara die kubanische Revolution nach Bolivien tragen sollte. Die drei revolutionären Emissäre des Konvents sind so etwas wie Ausgesetzte im Niemandsland der Geschichte. Müller findet dazu das Bild vom Mann im Fahrstuhl....


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