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Eine zweifelhafte Liaison

Der von Investor Klaus-Michael Kühne dominierte Hamburger SV macht Heribert Bruchhagen zum neuen Vorstandsvorsitzenden

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Der Vorstandsvorsitzende schießt keine Tore.« Diese Fußballweisheit stammt von Karl Gernandt und war Anfang November Teil eines Satzes des Aufsichtsratsvorsitzenden vom Hamburger SV - der Rest war Lüge. »Der HSV ist definitiv nicht auf der Suche nach einem Vorstandsvorsitzenden«, sagte Gernhardt damals. Seit Sonntagabend steht fest: Heribert Bruchhagen löst Dietmar Beiersdorfer als Vorstandsvorsitzenden ab.

Jetzt sagt Gernandt Sätze wie diese: »Der Aufsichtsrat hat sich bereits seit längerem mit der Frage beschäftigt, wie die Führungsstruktur der HSV Fußball AG aufgestellt sein muss.« Und, dass die jüngste sportliche Trendwende nicht den Blick auf die unzufrieden stellende Gesamtsituation verstellen dürfe. Seit vier Spielen sind die Hamburger unbesiegt und mit zuletzt zwei Siegen gegen Darmstadt und Augsburg auf den Relegationsrang geklettert. Der Aufschwung konnte Beiersdorfer nicht mehr helfen, entschieden wurde schon vorher.

Dass Treuebekenntnisse nichts wert sind, gehört ebenso zu den Weisheiten des Fußballs. Und oberflächlich betrachtet, ist die Entmachtung von Dietmar Beiersdorfer sogar ein logischer Schritt. Seit Juli 2014 ist der 53-Jährige Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG, seit die Profiabteilung aus dem Gesamtverein ausgegliedert wurde. Dieser Schritt sollte in eine bessere Zukunft führen. Nach zweieinhalb Jahren ist die Bilanz ernüchternd. 2015 entkam der HSV dem Abstieg in die zweite Liga erst in der Relegation. Nach einer erneut schwierigen Saison wurde der Klub im vergangenen Sommer noch Zehnter. In dieser Spielzeit steht er wieder im Tabellenkeller. Insgesamt fünf Trainer hat Beiersdorfer in dieser Zeit verschlissen und rund 100 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben.

Hinter die Kulissen des Klubs zu blicken, ist gar nicht so schwer. Klaus-Michael Kühne gibt sich auch keine Mühe, seine Macht zu verheimlichen. Im Zweifelsfall entscheidet der 80-jährige Investor. Mehr als 70 Millionen Euro hat er schon in den Klub gepumpt. Die Ausgliederung der Profiabteilung war eine seiner wichtigsten Forderungen, er hält elf Prozent an der »HSV Fußball AG«. Über Transferrechte an Spielern oder die Finanzierung des Spielerkaufs griff er immer wieder ins operative Geschäft ein. Oder über Karl Gernandt. Denn der Aufsichtsratschef des HSV ist zugleich Verwaltungsratspräsident von Kühnes Speditionsfirma »Kühne + Nagel«. Ein Beispiel: Im September 2014 ließ der damalige Trainer Mirko Slomka nur widerwillig sieben Neuzugänge auflaufen - weil Gernandt und Beiersdorfer es gefordert hatten.

Entscheidungshoheit hatte Beiersdorfer nicht wirklich. Als er im April 2015 mal wieder einen Trainer suchte, sagte ein gewisser Thomas Tuchel ab. Weil er für seine Arbeit entscheidende Kompetenzen nicht zugesprochen bekam. Diese beansprucht Kühne - schon als »Parallel-Vorstandschef« betitelt - für sich und seine Statthalter. Um seine Interessen durchzusetzen, reicht die Drohung, den Geldhahn zuzudrehen. Wie zuletzt Mitte November. Es sei sehr schwierig, Kühne neu zu motivieren, übermittelte Gernandt und gab das Ziel aus, »dass uns Herr Kühne in seiner generösen Unterstützung für den HSV nicht abhandenkommt.«

»Keine Verantwortung mehr zu haben, ist befreiend.« Der Satz stammt nicht von Beiersdorfer, der »sehr enttäuscht« auf seine Demission reagierte. Diese Worte stammen von Heribert Bruchhagen, als er im Mai nach 13 Jahren als Vorstandschef bei Eintracht Frankfurt aufgehört hatte. Von dort kommt der 68-Jährige mit besten Empfehlungen. »Die Eintracht war wie ausgebombt, eine Lachnummer bei den Kollegen in der Bundesliga, als Heribert Bruchhagen zu uns kam. Er hat den Verein wieder auf seriöse Füße gestellt«, sagt sein Frankfurter Vorstandskollege Axel Hellmann. Seine Zweifel an der neuen Liaison schickte er gleich mit: Bruchhagen habe schon mehrfach sehr scharf gegen das HSV-Modell und seinen Investor Herrn Kühne gewettert.

Machtkämpfe zwischen dem seriösen Funktionär und dem launischen Investor scheinen unausweichlich. Zuletzt gewann beim Hamburger SV immer Kühne - und die Mannschaft verlor meistens.

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