15.12.2016
nd-Soliaktion 2016

Kritisches Kaffeetrinken

Woran wir »Fairen Handel« erkennen und was das Zertifikat den Produzenten vor Ort bringt

Fair Trade - für viele, auch kritische Konsumenten, ist es oft nicht nachvollziehbar, worauf es wirklich ankommt. Können benachteiligte Kleinbäuerinnen und Kleinbauern über die Zusammenarbeit mit internationalen Handelsgesellschaften echte Unterstützung erfahren? Patricia Schulte von SODI hat Jannika Froch, Vorstandsmitglied Forum Fairer Handel und Mitarbeiterin der El Puente GmbH, einer der Pioniere des Fairen Handels in Deutschland, dazu befragt.
Kaffee
Der Kaffeeanbau soll den Menschen in der DR Kongo ein sicheres Einkommen ermöglichen.

nd: In einer Definition des internationalen Fairhandelsnetzwerks FINE heißt es: »Es geht um die Verbesserung der Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzenten und Arbeiter«. Was bedeutet das für El Puente konkret?
Froch: El Puente arbeitet mit Produzentenorganisationen in 40 Ländern zusammen und unterstützt sie durch faire Handelspartnerschaften. Wir sehen uns als Partner der Kleinproduzenten und helfen ihnen, ihre Rechte wahrzunehmen. Sei es im Bereich des Handels oder in sozialen Fragen, wie politischer Teilhabe und dem Zugang zu Bildung. Außerdem spielt die Stärkung von Frauenrechten im Fairen Handel eine bedeutende Rolle. Bei unserer Arbeit ist uns eines sehr wichtig: Die konkreten Projekte werden immer von den Produzentenorganisationen oder lokalen Partnern durchgeführt, nicht von uns. Wir denken, dass unsere Partner selbst am besten wissen, was vor Ort akut gebraucht wird. In der DR Kongo arbeiten wir zum Beispiel mit einer Kaffeekooperative, die Frauen besonders fördert. Die Lebensbedingungen sind dort allgemein schon sehr schwierig, Krieg und Konflikte kommen hinzu. Der Faire Handel hat das Ziel, die Position von Kleinproduzenten im lokalen Umfeld zu stärken.

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Jannika Froch
Jannika Froch, Vorstandsmitglied Forum Fairer Handel und Mitarbeiterin der El Puente GmbH

Welche Voraussetzungen müsste die Kaffeekooperative von UGEAFI, unserer Partnerorganisation in der Demokratischen Republik Kongo, erfüllen, um mit El Puente zusammenzuarbeiten?
Eine hilfreiche, aber nicht zwingende Voraussetzung ist eine Fair-Trade-Zertifizierung als ein unabhängiges und anerkanntes Prüfsystem für Fairen Handel. Sie ist für viele Produzentenorganisationen ein geeigneter Weg, um nachzuweisen, dass sie nach den Kriterien des Fairen Handels arbeiten. Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten. Wir arbeiten auch intensiv mit dem Prüfsystem der World Fair Trade Organization (WFTO). Zudem hat El Puente schon seit Jahrzehnten ein eigenes Monitoringsystem. Es besteht aus ausführlichen Fragebögen, Besuchen vor Ort und der Kontrolle durch ein externes Gremium. Heute ergänzen sich die verschiedenen Prüfsysteme. Für die Produzenten ist dies sehr sinnvoll, denn doppelte Arbeit soll vermieden werden. Auch ist es nicht jeder Produzentenorganisation möglich, das Fair-Trade-System anzuwenden. Denn es ist auf die Zertifizierung bestimmter Produkte beschränkt. Kaffee ist eines der wichtigsten.

Woran kann und sollte ich mich als kritische Kaffeetrinkerin orientieren, wenn ich nur Kaffee kaufen möchte, der unter fairen Bedingungen produziert und gehandelt wurde?
Die Zeichen des Fairen Handels, die das Forum Fairer Handel Deutschland empfiehlt, sind ein guter Maßstab. Und es gibt Firmen, die ausschließlich faire Produkte anbieten. Diese gezielt zu unterstützen, ist sicher sinnvoll. Deren Produkte findet man zum Beispiel in Weltläden. Außerdem empfehle ich allen Verbrauchern: Fragen Sie nach und fordern Sie Transparenz ein! Unternehmen, die fair arbeiten, werden kritische Fragen zur Herkunft der Produkte und zur Preisgestaltung offen beantworten.

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