Werbung

Feste Wälle gegen die Sachsen

Die Slawenburg Raddusch in der Niederlausitz. Von Ronald Sprafke

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Schon von weitem ist sie sichtbar, wenn man auf der Autobahn in Richtung Cottbus unterwegs ist. Zwischen Lübbenau und Vetschau erhebt sich ein imposanter runder Bau aus der Niederlausitz Ebene empor: die weitgehend originalgetreue Nachbildung der Slawenburg Raddusch, einer ehemaligen Fluchtburg vor sächsischen Eroberern. Rudolf Virchow erwähnte sie bereits 1880.

Die heutige Rekonstruktion verdankt sich dem Braunkohleabbau der 1980er Jahre. Bevor sich die Riesenbagger bei Seese-Ost durch die Landschaft fraßen, unternahmen Archäologen der Akademie der Wissenschaften der DDR eine Rettungsgrabung. Als dann nach 1990 die Kraftwerke Lübbenau und Vetschau runtergefahren und stillgelegt wurden, beschloss man, die inzwischen fast vollständig untersuchte Anlage am historischen Ort wieder aufzubauen.

Raddusch ist um 880 nebst rund 40 kleineren Wallburgen des 9. und 10. Jahrhunderts von den slawischen Lusizi angelegt worden. Die Stabilität des zehn Meter breiten Walls sicherten lange Eichenbalken, die abwechselnd in Längs- und Querrichtung übereinandergelegt wurden; die Zwischenräume waren mit Erde und Steinen verfüllt. Vorgelagert war dem Wall ein 5,5 Meter breiter Sohlgraben sowie eine Siedlung. Zwei Tortunnel führten durch den Wall hindurch. Die fast kreisrunde Innenfläche war mit Häusern bebaut, darunter einige mit Lehmfußböden, andere verfügten gar über Kuppelöfen.

Um 930 wurde die Burg grundlegend erneuert, der Wall verbreitert und erhöht. Wegen der Vergänglichkeit des Holzes musste er alle vierzig bis fünfzig Jahre erneuert werden, um der Bedrohung durch das Ostfrankenreich zu trotzen. Im Verlauf seiner Slawenfeldzüge machte Heinrich I. die Lusizi 932 tributpflichtig. Noch vor 950 wurde der Wall auf eine Stärke von zwanzig Metern verbreitert. Das Ende der Burg wird mit dem Feldzug des sächsischen Markgrafen Gero 963 gegen die Lusizi in Verbindung gebracht. . Zerstörungsspuren fehlen jedoch, die Burg wurde aufgegeben und verfiel allmählich.

Im Burginneren konnten vier Brunnen nachgewiesen werden; der älteste wurde in die Zeit um 880 datiert, der jüngste stammt aus der letzten Burgphase und erreicht eine Tiefe von rund zwölf Metern - einmalig im westslawischen Gebiet. In den Brunnen konnten reichlich Funde geborgen werden: Keramik, Messer, Lanzenspitzen, Wetzsteine, Knochenschlittschuhe, hölzerne Schlägel und Spaten sowie eine seltene, wertvolle »Hanseschale« (nach 950) aus Messing. Im jüngsten Brunnen machte man die spektakulärste Entdeckung: der eicherne »Götze von Raddusch«. Das offenkundige Kultobjekt wurde auf das Jahr 926 terminiert, zur Zeit der Errichtung der zweiten Burg. Wo dieses Objekt aufgestellt war, ist ungewiss. Es wurde jedenfalls, von wem auch immer, als »heidnisch« empfunden, wie Beilhiebe und Feuerspuren sowie seine Versenkung im Brunnen belegen. Die Holzfigur ähnelt den 63 in der heute ebenfalls wiederaufgebauten Slawenburg Groß Raden in Mecklenburg gefundenen Kopfbohlen, die dort die Wand einer Kulthalle zierten. In Ralswiek auf Rügen entdeckte man ebenfalls eine Eichenplanke mit eingeritztem Gesicht. In Raddusch fand man des weiteren im Tunnel des Osttores einen halbkreisförmigen Silberohrring sowie Kettchen mit Anhängern.

Eine Besonderheit von Raddusch ist das begehbare Wallinnere. Dort befinden sich heute ein Museum und das Burgrestaurant. Die ständige Ausstellung »Archäologie in der Niederlausitz« lädt zu einer Zeitreise durch 12 000 Jahre Siedlungsgeschichte, von der Steinzeit bis zum Mittelalter, ein. Hier wird deutlich, dass die Erbauer der Burg nicht die ersten Siedler an diesem Ort waren. Unter dem Wall wurden Überreste aus der Völkerwanderungszeit freigelegt: Miniaturgefäße, Fibeln und Perlen. Die frühesten Funde verweisen auf eine Siedlung der Lausitzer Kultur nach 700 v. Chr.

Die neue Sonderausstellung »Archäologische Landschaften« (bis 23. April 2017) widmet sich der Veränderung und Nutzung der Landschaft im Spiegel der Archäologie. Sie fragt unter anderem: Wie prägte die Eiszeit Natur und Menschen? Was sagen kleinste Funde - Pollenkörner, Samen, Kerne - über die Landschaft und ihre Bewohner aus? War die frühe Eisengewinnung Raubbau an der Landwirtschaft? Welchen Einfluss hatte der Bau von mittelalterlichen Burgen, Städten und Klöstern auf die Natur? Menschen prägten seit frühen Zeiten ihre jeweilige Umgebung und wurden von ihr geprägt. Die Archäologie macht diese wechselseitige Beeinflussung sichtbar.

Die Slawenburg Raddusch ist jedenfalls auch in dieser Jahreszeit eine Reise wert, ob mit Auto, Bahn oder Fahrrad. Überdies lockt auch der nahe Spreewald zu einem Ausflug.

Slawenburg Raddusch, Zur Slawenburg 1, 03226 Vetschau, Öffnungszeiten: April bis Oktober 10 bis 18 Uhr, November bis März 10 bis 16 Uhr, Eintritt: 6 €, erm. 4,50 € bzw. 3,50 €, Familienkarte 15 €. www.slawenburg-raddusch.de

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen