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Emigriert, onduliert

Zsa Zsa Gabor gestorben

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Wo die Sauberkeit zur Religion wird, wächst Sehnsucht nach Pfützen. Wo der Feminismus zur gerechten Schlacht ruft, denkt der Nostalgiker an das, was Bildhauer Alfred Hrdlicka als die schätzenswerteste Eigenschaft einer Frau bezeichnete: High Heels. Über Zsa Zsa Gabor zu reden, ist also wie Erholung vom antisexistischen Tageskampf. Die 1917 Geborene war eine Hollywood-Diva alten Stils, sie warb die Kerle vom sogenannten rechten Weg ab, frei nach der unbestreitbaren Wahrheit: Am Irrweg, dem ein Mensch verfällt, ist das schöne Gelände schuld. Oder die schöne Frau - wobei die Gabor wohl meinte: Jede richtige Frau ist im richtigen Alter. Eine Karriere, deren Erfolge weniger nach Filmen als vielmehr nach Ehemännern und Nebennutzern zu zählen sind. Irgendwann hörte sie selber zu zählen auf.

Mit 19 Jahren wurde sie Miss Ungarn, die Familie handelte mit Schmuck, und als junges Geschmeide schmiegte sich Zsa Zsa eng und zielbewusst an den Hals der neuen Welt Amerika. Emigriert, onduliert - Exil in viele Ehen. Hotelbesitzer, Schauspieler, Fabrikant, Diplomat, auch Jack Ryan, der Erfinder der Barbiepuppe. Die sie selber war. Sie kurtisahnte ab. Die Idee, die sie von sich hatte, entstand in den Augen derer, die sie bestaunten und, scheinbar, besaßen. Einmal bezeichnete sie sich als gute Haushälterin: »Immer, wenn ich geschieden werde, behalte ich das Haus.«

Doch, doch, Filme drehte sie auch. Jahr für Jahr. Nichts wirklich Nennenswertes. Aber sehenswert war an ihr, wie ein kleines Talent immer wieder groß herauskam. Zsa Zsa Gabor lebte die Vorform unserer derzeitigen Medien-Moderne: Präsenz ist eine Währung geworden, mit der man sich einkauft. Und so ins Licht einer Bedeutsamkeit rückt, die nicht wirklich etwas voraussetzt. Beschau auf Dauer - ohne Leistungsnachweis. Kapitalismus der Aufmerksamkeit, so nennen das die Politologen. Man wird medial belohnt, wenn man denn grell genug ist. Und bleibt! Aufmerksamkeit wurde somit ein kapitalbildender Wert an sich, und es gibt beim Veröffentlichen keine ethisch begründeten Ausgleiche mehr zwischen Exzess und Vorsicht.

Zsa Zsa Gabor mitbegründete diese Phalanx jener wahrlich Entgeisterten, die sich auf fortwährenden Fluchten in ein immerwährendes Erlebnis aus Nichts bewegen. Sie war eine Veronika Feldbusch der B-Movie Hall of Fame, eine souverän komische Ingrid Steeger des Glamour-Klimbims. Am Ende blieb ihr Frédéric Prinz von Anhalt, die dünnsinnigste Ausformung deutschen Adels. Dazu Erbkriege, Privatinsolvenzen, Autounfall, Schlaganfall, Beinamputation, die Einsamkeit des hohen Alters. Nun ist Zsa Zsa Gabor wenige Wochen vor ihrem 100.Geburtstag in Los Angeles gestorben. hds

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