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Bis zur Schmerzgrenze

Von Denis Trubetskoy , Kiew

  • Von Denis Trubetskoy
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ukrainische Humoristen und Satiriker haben schon immer lokale Politiker und die Lage im Land bis zur Schmerzgrenze ausgelacht. Seit der Maidan-Revolution ist die Gesellschaft noch politischer geworden - und das gilt auch für den Humor. Oder, wie es Wolodymyr Selenskyj zusammenfasst: »In Zeiten, in denen es nichts zu Lachen gibt, wollen die Menschen genau darüber lachen, warum es so ist.«

Selenskyj gilt als ukrainischer Chef-Humorist. Bereits seit 2005 dominiert seine Show »Wetschernij Kwartal« (»Das Abendquartal«) das ukrainische Fernsehen. Hauptthema der Satiresendung war von Anfang an die Politik. »Wir haben ein Format entwickelt, das die Politik so zeigt, wie die Ukrainer sie sehen«, sagt Selenskyj über sein Erfolgsprojekt. Mittlerweile führt der 38-Jährige das Produktionsstudio »Quartal 95«, das erfolgreiche und teils umstrittene Sendungen für das ukrainische Fernsehen produziert.

Doch »nicht nur der Krieg im Donbass an sich, sondern alles Politische ist für uns zum Minenfeld geworden«, meint der Satiriker. Das gilt für Selenskyj selbst wohl gleich in zwei Ländern, denn vor Beginn der Ukrainekrise waren seine Sendungen auch in Russland äußerst beliebt.

Heute sieht das anders aus: Zwar hat sich Selenskyj so gut wie nie privat zum Verlauf des Donbass-Krieges geäußert, doch er hat freiwillig die ukrainische Armee finanziell unterstützt. Seitdem ist er in Russland eher unerwünscht. Doch auch in der Ukraine steht Selenskyj, einer der größten Stars des Landes, oft in der Kritik. Beim Festival im lettischen Jurmala hat er die Ukraine als einen Bettler und eine Pornodarstellerin dargestellt.

Im politischen Kiew löste der Auftritt großen Ärger aus. Der Humorist habe in Zeiten des Krieges der russischen Propaganda in die Hände gespielt, hieß es. Oleh Ljaschko, Anführer der Radikalen Partei, schlug sogar vor, Auftritte des Satirikers in der Ukraine zu untersagen. Selenskyj reagierte gelassen: »Ich machte einen Scherz über unsere Machthaber, aber nicht über das Land.«

Dass er sich dagegen aussprach, für russische Künstler die Einreise in die Ukraine zu sperren, brachte dem Satiriker ebenfalls wenig Sympathie. Doch er ist sicher: »Es ist generell unsere Aufgabe als Humoristen, in solchen Zeiten die politische Debatte voranzubringen und auch zu polarisieren.« Laut Selenskyj soll der Krieg im Donbass kein Tabuthema für Satire sein: »Klar leiden dort die Menschen, aber es ist ein Thema, das das Leben der Ukraine in den letzten Jahren bestimmt. Aber es gibt gewisse Grenzen, die man allerdings nicht in Worte fassen kann.«

Im Herbst 2015 debütierte Selenskyj mit der beliebtesten Fernsehserie, die die Ukraine jemals produziert hat. Die Serie heißt »Sluga naroda« (»Der Diener des Volkes«). Selenskyj ist nicht nur der Hauptproduzent der Show, sondern stellt auch den Protagonisten dar. Wasyl Goloborodko war früher Geschichtslehrer, bis er für das Amt des Präsidenten kandidierte und dank seiner Glaubwürdigkeit die Wahl gewann. Sein Kampf mit den Problemen der Ukraine wurde zum Hit.

Der Erfolg war so groß, dass »Sluga naroda 2«, die Fortsetzung der Geschichte vom Lehrer Goloborodko, am 24. Dezember in die Kinos kommt.

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