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Soll das ein Witz sein?

Die Linke und DIE LINKE sollten sich ein Beispiel an Eddie the Eagle nehmen. Von Kathrin Gerlof

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Dieser Text könnte Twitterlänge haben. Höchstens 140 Zeichen. Linke haben keinen Humor. Punkt. Noch nie gehabt, ließe sich anfügen. Immer noch Twitterlänge.

Humor kann haben, wer die Welt in Ordnung findet. Das tun Linke ja nun mal per se nicht. Kein vernünftiger Mensch sollte die Welt in Ordnung finden. Wer es doch tut, ist kein Linker und auch keine Linke. Das ist vertrackt. Seit jeher ist Linken die Rolle der Schwarzmaler und -innen zugedacht. Des wandelnden Gespenstes, das umgeht und die herrschenden Verhältnisse zertrümmern will. Verhältnisse, die herrschen, sind natürlich kein Anlass zum Lustigsein. Wo geherrscht wird, fallen Späne, und in die nur noch etwas ferne Zukunft gedacht, kann es diesmal sogar einen ganzen Planeten treffen bzw. seine übelste Spezies: den Menschen. Gerade wurde bestätigt, dass wir nun endgültig im Anthropozän leben. Heißt, die ganze Erdkugel ist nach unserem Willen umgestaltet und hingerichtet worden. Das ist nicht lustig. Aber natürlich könnte man sich trotzdem darüber amüsieren. Amüsement wiederum ist so gar nicht Sache der Linken. Nicht mal Galgenhumor können sie. Oder doch? Die Bundestagsfraktion der Linken hat eine Kleine Anfrage mit dem Titel »Entsorgung von Feuchttüchern über die Toilette« gestellt. Sieben Stufen der Spülbarkeit prüfen, ob ein Produkt spülbar ist oder nicht. Feuchttücher sind es nicht. Die Anfrage könnte ein kleiner Beweis für die Humorfähigkeit der Linken sein. Allerdings sind verstopfte Pumpwerke auch nicht lustig. Immer noch vertrackt.

Linke sind Zerstörer und wollen andauernd die Schere zwischen Arm und Reich schließen. Die Schere zwischen Arm und Reich ist ein Beispiel von vielen, wie penetrant Linke sein können, wenn sie einmal ein brauchbares Sprachbild gefunden haben. Sie reiten es zu Tode und schminken die Leiche ein ums andere Mal, auf dass ihr die Wangen rosig blühen. So bringt man niemanden zum Lachen, nicht mal ein Schmunzeln ist damit hervorzulocken.

»Fröhlich sein und singen« war immer nur als Rhetorik für den Nachwuchs gedacht, nie als Maxime der eigenen Verfasstheit. Wobei fröhlich ja nicht gleich humorvoll ist. Wie man an Claudia Roth merkt.

Aber der Teufel steckt wie immer im Detail. Denn es wäre einfach, die These aufzustellen, dass Parteien an sich keinen Humor haben. Alle bis auf eine, die auch noch »Die Partei« heißt und mal versprochen hatte, die hundert reichsten Deutschen zu erschießen, würde sie nur an die Macht gewählt. Und schon sind die Linken aus dem Schneider, denn immerhin, es gibt doch welche, die uns zum Lachen bringen. Das Kabarett zum Beispiel ist eine Erfindung von Linken - nein, nicht von Genossinnen und Genossen - stattdessen eben von Linken. Genosse und links ist kein synonymer Begriff. Im Kabarett wird viel gelacht. Vielleicht ist es doch nicht links. Oder die Linke hat Humor. Ja, was denn nun?

Natürlich stritte ein richtiger Linker ab, dass »Die Partei« wirklich links ist. Hartz IV ist Armut per Gesetz (noch ein totgerittener Gaul, für den die Linken verantwortlich sind) und dieser Sonneborn rührt andauernd die Spaßtrommel, das ist unlinks.

Die Verständigung darüber, dass Parteien an sich keinen Humor haben, ist jedenfalls hilfreich und öffnet den Blick. Parteien sind wandelnde Reiseprospekte für Ochsentouren. Horte der Mittelmäßigkeit und des sexuellen Notstands (wegen der Ochsentouren, die sind kräfteraubend). Parteien müssen es immer ernst meinen, weil deren Mitglieder glauben, sonst würde man nicht ernst genommen. Der Witz ist, dass sie gleichzeitig fast nie ernst machen. Das sieht man an der CDU, die nicht christlich ist, an der CSU, die sozial nicht buchstabieren kann, an den Grünen, die farbenblind geworden sind, an der SPD, der die Gerechtigkeit abhandenkam und an der DIE LINKE (schon diese Namensgebung zeugt von Humorlosigkeit: Ich bin Mitglied in der DIE LINKE - das klingt schlecht, und dann auch noch Versalien. Ein Hoch auf die Hochstelltaste!), die mehr Zeit damit verbringt, Strömungskämpfe auszufechten und Abweichler zu identifizieren, als sich dem Lümmel und der Lümmelin von der Straße und am Stammtisch anzunähern. Aber Straße und Stammtisch sind ja AfD und da nähert man sich nicht an, da grenzt man sich ab. Wie, ist noch nicht ganz klar.

Humorlos ist, sich nicht auf Spitzenkandidaten und -innen einigen zu können, stattdessen auf getrennten Pressekonferenzen irgendwas von Pluralität zu erzählen. Lustig wäre nun allerdings, aus einem Quartett vier Kanzlerkandidaten und -innen zu machen. Eddie the Eagle, bürgerlicher Name Michael Edwards, ist Brite und früher bei den Olympischen Winterspielen als Skispringer angetreten. Er war der schlechteste Skispringer aller Zeiten, aber mutig. Und humorvoll. Die Menschen haben ihn geliebt. Das ist ein bisschen weit hergeholt, aber vier linke Kanzlerkandidaten und -innen, das hätte wirklich Witz. »Alles ist möglich« lautet der Titel des Films über das Leben von Eddie the Eagle - man kann berühmt werden, wenn man seine Schwächen mit Humor nimmt und daraus etwas macht.

Stattdessen hat DIE LINKE in Versalien ein Abonnement auf Sofortprogramme. Sofortprogramme sind oft Schnellschüsse, die dem Wähler und der Wählerin suggerieren, die Welt sei eine Lesekiepe und alles ist ganz einfach zu lösen. »25-Milliarden-Sofortprogramm für soziale Offensive«, mit der »dieses Land eine Zukunft für alle einleiten kann«. Je fünf Milliarden für Bildung, Sicherheit, Stärkung des Öffentlichen Dienstes, öffentliche Beschäftigung und Integration und Bekämpfung der Fluchtursachen. 25 Milliarden für eine ganze Zukunft und die dann auch noch für alle. Also sieben Milliarden Menschen bekommen je 3,5 Euro oder so. Das ist der Gipfel des Humors. Man kann es jedenfalls so sehen. DIE LINKE hat es eine radikal solidarische Zeitenwende genannt. Da wird einem sofort warm ums Herz. Waschmaschinen und Spülmaschinen können Schnellprogramme besser. Und die Wäsche wird sofort sauber. Aber das führt jetzt wirklich zu weit.

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