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Weiße Weihnacht - nur im Traum?

Klimawandel entpuppt sich zunehmend als Stimmungstöter an den Feiertagen

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»Früher gab es viel öfter weiße Weihnachten.« Dieser Satz fällt häufig, wenn es in der Weihnachtszeit Nieselregen statt Schnee gibt. In diesem Jahr waren die Temperaturen zu Winterbeginn zwar mal unter null Grad gefallen, doch an den Feiertagen arbeiten sie sich zu ungemütlichen zehn Grad hoch und versprechen ein Grau-in-Grau - und ein Adé, verzauberte Winterlandschaft!

Bei diesem trüben Anblick kommt das »Früher war es besser« schnell über die Lippen. Aber stimmt es auch? Die Wissenschaft ist vorsichtig mit solchen »gefühlten Wahrheiten«. Will man wissen, ob es früher mehr Winterzauber über die Feiertage gab, können die Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) weiterhelfen. Um die Messreihen richtig zu »lesen«, braucht es allerdings eine präzise Definition, gibt die Bundesbehörde mit Sitz in Offenbach zu bedenken. »Für uns ist weiße Weihnachten, wenn an allen drei Feiertagen mindestens ein Zentimeter Schnee liegt«, meint der DWD-Meteorologe Andreas Friedrich. »Schaut man dann in die Messergebnisse, zeigt sich, dass wir rein statistisch nur alle zehn Jahre weiße Weihnachten haben und derzeit voll im Trend liegen.«

Geht es jedoch nicht um die weiße, sondern um die »frostige« Weihnacht, ergibt sich ein anderes Bild. Laut den Wettermessungen der Klimaforscher vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) gab es noch in den 1970er Jahren alle drei bis vier Jahre zu den Feiertagen winterliche Temperaturen. »Seither hat sich die Durchschnittstemperatur im deutschen Raum um mehr als ein Grad erhöht«, sagt Peter Hoffmann von dem Institut, das seinen Sitz auf dem Telegrafenberg nahe der Potsdamer Innenstadt hat. Ein Weihnachten mit Ski und Schlitten sei heute zwar nicht unmöglich, aber seltener. »Die Wahrscheinlichkeit für Schnee während der Weihnachtsfeiertage hat sich aufgrund der globalen Erwärmung auf alle fünf bis acht Jahre verringert«, so der Klimaforscher. Schuld sei auch die Verschiebung der Jahreszeiten. Wurde es vor fünfzig Jahren schon im November und Dezember richtig kalt, geht es damit in vielen Regionen mittlerweile erst im Januar los.

Während der sechs vergangenen Jahre hat Deutschland nicht nur den Schnee vermisst, sondern auch viel über die Folgen des globalen Klimawandels diskutiert. Ist der Klimawandel denn auch schuld am trüben Weihnachtsfest? Die Antwort auch hier: Jein. »Wir beobachten allgemein, dass sich durch den Klimawandel die Schneegrenzen nach oben verschieben und die Anzahl der Schneetage sinkt«, sagt Wetterexperte Friedrich vom DWD. Allerdings müsse trotzdem zwischen natürlichen und vom Klimawandel verursachten Wetterphänomenen unterschieden werden. »Das Weihnachtstauwetter gibt es seit jeher, das hängt damit zusammen, dass wir oft warme Westwetterlagen über die Feiertage haben«, meint Friedrich. Obwohl der Deutsche Wetterdienst bisher noch keine statistischen Abweichungen beim Weihnachtswetter feststellt, fällt die Prognose eindeutig aus: »Auf längere Sicht werden weiße Weihnachten aufgrund der steigenden Temperaturen statistisch unwahrscheinlicher.«

Dass sich Deutschlands Wetter in den kommenden Jahrzehnten stark verändern wird, hängt vor allem mit einer Region zusammen, die eigentlich nie ein Problem mit weißen Weihnachten hatte: der Arktis. Laut der US-amerikanischen Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Region rund um den Nordpol doppelt so schnell erwärmt wie der Rest der Welt. »Eine wärmere Arktis sorgt für eine veränderte Windzirkulation in der nördlichen Hemisphäre und das kann zu länger andauernden Wetterlagen führen«, erläutert Klimaforscher Hoffmann. »Dadurch können im Sommer längere Hitzewellen und im Winter mildere Perioden oder extreme Wintereinbrüche entstehen.«

Groß ist die Chance jedoch nicht, dass ein solcher »stabiler Wintereinbruch« genau auf die Weihnachtsfeiertage fällt - und vielleicht auch gar nicht wünschenswert. Denkt man an das Verkehrschaos und die Unfallzahlen, wenn innerhalb von ein paar Stunden ein Meter Schnee fällt, ist ein wenig Wind und Regen nicht das Schlechteste.

Wann der Schnee das nächste Mal in Deutschland das Weihnachtsfest »verzaubert«, vermag natürlich auch der kundigste Meteorologe nicht vorauszusagen. Das gilt auch für die Frage, ob früher alles besser war: Erst langfristige Beobachtungen über mindestens 30 Jahre werden zeigen, ob das diesjährige »grüne« Weihnachten natürliche Ursachen hat oder das Ausbleiben des Schnees schon die Folge des vom Menschen gemachten Klimawandel ist.

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