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Selbst am City-Tunnel läuft es gut

Das sächsische Leipzig boomt, 2017 könnte die Einwohnerzahl auf 600 000 steigen

  • Von Harald Lachmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) bekam das Lachen gar nicht mehr aus dem Gesicht, als er sich dieser Tage mit Vertretern von Wirtschaftskammern und Unternehmerverbänden zum Jahresausklang traf. Denn die sächsische Stadt boomt derzeit atemberaubend: Seriöse Prognosen sagen ein Wachstum auf 720 000 Einwohner bis 2030 (1989: ca. 530 000) voraus. Leipzig wäre dann Deutschlands sechstgrößte Stadt.

Jung rechnet damit, dass bereits 2017 die 600 000-Einwohner-Marke fällt - weil man die höchste Geburtenrate hat und inzwischen auch den höchsten Zuwachs an Beschäftigung unter allen deutschen Metropolen aufweist. Allein von 2010 bis 2015 schnellte die Zahl der Arbeitsplätze um 17,2 Prozent nach oben.

Damit bekommt auch ein Projekt neues Gewicht, das sich zunächst nicht als ein Erfolgsstory dargestellt hatte: der Bau des City-Tunnels unter der Innenstadt. Diese in den Untergrund gelegte S-Bahnverlängerung, die Leipzigs Hauptbahnhof und den Markplatz - teilweise im 10-Minuten-Takt - mit vier umliegenden Bundesländern verknüpft, machte lange vor allem dadurch Schlagzeilen, dass sich die Baukosten immer wieder immens verteuerten. 2013 eingeweiht verschlang der gerade einmal 1438 Meter lange Schienentunnel am Ende 935 Millionen Euro.

Doch seine strategische Ausrichtung als Herzstück eines 430 Kilometer langen mitteldeutschen Streckennetzes mit insgesamt 104 Stationen scheint zu funktionieren. Drei Jahre nach Inbetriebnahme zweifelt kaum noch jemand an seinem Sinn. Denn seit Jahren stiegen damit immer mehr vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) um, sagt Kai Emanuel, Vorsitzender des Zweckverbandes Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL). Bereits von 2014 und 2015 war die Zahl der täglich Zusteigenden um 4,4 Prozent auf 60 421 geklettert. Für Emanuel, der auch Landrat im nordsächsischen Torgau ist, hat der ÖPNV im Großraum Leipzig/Halle damit schon nach zwei Jahren »das Niveau erreicht, das bei der Planung des neuen Netzes zugrunde gelegt wurde«. So plant der ZVNL inzwischen mehrere neue Haltestellen in Leipzig. Auf einzelnen Abschnitten sollen zudem die Taktzeiten bis auf 3,5 Minuten sinken und überdies einige Städte im Umland - so Eilenburg, Oschatz, Torgau und Markranstädt - dichter angebunden werden.

Selbst über neue Tunnelabschnitte wird nachgedacht - vor allem Richtung Süden, wo eine attraktive Seen- und damit auch Wohnlandschaft Gestalt annimmt. Vom Tisch scheinen auch Finanzierungsdebatten beim chronisch defizitären Nahverkehr. Emanuel sieht den mitteldeutschen S-Bahn-Verkehr inzwischen »bis 2030 als gesichert«. Er beruft sich hierbei auf eine Einigung beim Bund-Länder-Finanzausgleich, der auch eine Fortschreibung der sogenannten Regionalisierungsmittel regelt.

Auch bei Leipzig Straßenbahngesellschaft LVB atmet man durch. Dieser Tage kam aus Dresden der Bescheid, dass das Land 7,3 Millionen Euro für den Kauf neuer Bahnen zuschießt. Eine wachsende Großstadt brauche ein attraktives Angebot im öffentlichen Nahverkehr, so Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Die LVB, die das zweitgrößte deutsche Straßenbahnnetz unterhalten, wollen sich 40 moderne und zugleich behindertengerechte Niederflurfahrzeugen zulegen.

Die Tatsache, dass allein den Leipziger Hauptbahnhof täglich 100 000 Menschen nutzen, war auch für die Bahn ein wichtiger Grund, die neue ICE-Strecke von Leipzig und Halle nach Erfurt zu bauen. Seit sie vor einem Jahr eingeweiht wurde, habe sich die Zahl der Fahrgäste, die damit teils von Dresden Richtung Frankfurt am Main rollen, »um 40 Prozent erhöht«, so eine Bahnsprecherin. Und so passt es für den traditionellen Verkehrsknotenpunkt auch gut zur momentanen Hochstimmung, dass der sächsische Airport Leipzig/Halle in Kürze sogar eine Direktfluglinie nach New York erhält.

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