Die bittere Schokoladenseite der Balkandiplomatie

Die vom Bürgerkrieg geschlagenen Wunden reißen auch bei scheinbar harmlosen Gesten immer wieder auf

  • Von Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Die süße Weihnachtsgabe war gut gemeint, doch sie geriet den Empfängern in den falschen Hals. Die Aufschrift »Gruß aus Kroatien« zierte die Pralinenschachtel, die die kroatische Botschaft in Slowenien rechtzeitig vor den Feiertagen samt Glück- und Friedenswünschen fast allen Würdenträgern ihres Gastlandes in die Amtsstuben schickte. Zunächst kommentarlos sandte Sloweniens Außenministerium den Schokogruß in einem Säckchen mit dem heimischen PR-Slogan »I feel Slovenia« an den Absender zurück. Als »diplomatischen Fauxpas« kommentierte hernach Außenminister Karl Erjavec die »sehr missglückte Geschenkauswahl«.

Der Hinweis des kroatischen Herstellers, dass die Pralinenschachtel bereits seit 20 Jahren produziert und auch in Slowenien verkauft werde, vermochte den Grimm der Beschenkten kaum zu lindern. Es ist eine auf der Innenseite des Pralinenschachteldeckels abgebildete, fein gestrichelte Seegrenze, die Sloweniens Presse gar eine gezielte »P...


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