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Nie wieder offline dank Smartphone

Wie der Siegeszug der Erfindung von Apple unser Leben verändert hat

Ob in der Bahn, im Hörsaal oder in der Pause. Smartphones sind zu unseren alltäglichen Begleitern geworden. Sie versüßen die Wartezeiten, lenken bisweilen aber auch vom Wesentlichen ab. Sie können durchaus ein Mittel sein, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen, gelten für manche aber auch als Kommunikationstöter. Fluch und Segen scheinen bei dem kleinen Gerät, das binnen weniger Jahre allgegenwärtig geworden ist, nah beieinander zu liegen. Einigkeit besteht darüber, dass es aus dem Leben kaum mehr wegzudenken ist. Drei von vier Deutschen besitzen mittlerweile ein solches Handy und nehmen es laut einer Studie im Schnitt 88 mal am Tag in die Hand.

Mit dem Smartphone hat die Digitalisierung einen enormen Aufwind bekommen, schließlich ermöglicht es das mobile Internet. Die sozialen Medien profitieren davon in besonderer Weise. Was auf Facebook, Twitter oder Instagram kundgetan wird, findet Beachtung. Das Smartphone fungiert dabei als Lautsprecher. Wenn der deutsche Fußballer Toni Kroos in einem Neujahrsgruß auf Twitter eine Anspielung auf das 1:7 im WM-Halbfinale 2014 gegen Brasilien macht und der einstige Stürmerstar Ronaldo darauf nonchalant antwortet, lesen dieses Getwitter weltweit vermutlich mehr Menschen, als es Abonnenten für Tageszeitungen gibt.

Dabei waren Smartphones nicht immer kleine, leistungsstarke Alleskönner. Als vor 20 Jahren die ersten Geräte präsentiert wurden, taugten sie nur sehr begrenzt fürs Internet. Die Technik musste erst noch weiter ausgereift werden. Den Durchbruch schaffte schließlich der US-Konzern Apple, als er vor zehn Jahren das erste iPhone auf den Markt brachte.

Die rasche Verbreitung der Smartphones in den vergangenen Jahren weckte auch das Interesse der Wissenschaft für die Geräte. Sie will herausfinden, inwieweit das »Internet to go« unser Leben verändert hat. Der Ulmer Psychologe Christian Montag hat hierzu einen Feldversuch gestartet und mit Hilfe einer »Menthal«-App die Smartphone-Kommunikation von rund 50 000 Freiwilligen untersucht. Bei der Untersuchung kam heraus, dass die Leute ständig auf ihr Gerät schauen, um zu prüfen, ob eine Nachricht eingegangen ist, oder um auf die Uhr zu schauen. Für problematisch hält Montag einen übermäßigen Konsum des Digitalen. »Ständige Unterbrechungen führen zu permanenter Ablenkung«, erklärt er.

Dies beklagen längst auch Hochschullehrer. In den Hörsälen ist es nämlich üblich geworden, dass die Studierenden während der Vorlesungen »WhatsApp«-Nachrichten verschicken und in sozialen Netzwerken aktiv sind. Nachdem Joachim Riedel, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hof, schon länger eine sinkende Aufmerksamkeit der Studierenden bemerkt hatte, startete er eine Untersuchung an fünf Universitäten. Er wollte herausfinden, wie sehr die Konzentration unter der Smartphone-Kommunikation leidet. Mit mehreren hundert Studierenden hat er ein Experiment durchgeführt: Während ein Film gezeigt wurde, in dem der Philosoph Karl Popper die Grundzüge des Kritischen Rationalismus beschreibt, bekamen einzelne Studierende eine »Whats-App«-Nachricht geschickt. Anschließend sollten sie Fragen zu dem Thema beantworten. Bei Studierenden mit dieser Störung sei die Leistung um 30 Prozent abgesunken, berichtet er.

Die Untersuchung legt nahe, was auch die Cyberpsychologin Caterina Katzer beobachtet hat: Die Fähigkeit zum Multitasking werde überschätzt. Nur sehr wenige Menschen seien dazu in der Lage, mehrere Informationen gleichzeitig zu verarbeiten. Die meisten seien indes mit der Fülle von Informationen, die sie im Internet erreichen, überfordert - »wir werden ungeduldiger, unkonzentrierter, oberflächlicher«, sagt sie. Aber von Grund auf verteufeln will sie das Internet deshalb nicht. Sie verweist ebenso auf die Chancen der Digitalisierung und auf das Wissen, das über das Internet geteilt werden könne; aber sie wünscht sich einen bewussten Umgang mit den Medien.

In den Chor jener, die sich über die Ablenkung durch das permanente Handy-Geglotze aufregen, will auch die Medienwissenschaftlerin Angela Keppler nicht einstimmen. Die Professorin an der Universität Mannheim hat untersucht, inwieweit sich die Kommunikation durch ein permanentes Springen zwischen der realen und der digitalen Welt verändert. Dass sich Leute mit ihrem Smartphone abschotten, hat sie nicht beobachten können. »Das beiläufige Gespräch, das wir in der Warteschlange, an der Supermarktkasse, in der Kneipe oder beim Warten auf den Bus führen, ist keineswegs ausgestorben«, sagt die Forscherin. Häufig gebe es ein ständiges Wechseln zwischen persönlichem Gespräch und der Kommunikation über WhatsApp. Smartphones würden mitunter in die Situation eingewebt und somit fester Bestandteil des Gegenwärtigen werden.

Keppler scheut vor einer Bewertung der Kommunikation zurück. Für sie kann ein Austausch über die sozialen Medien genauso wertvoll sein wie eine gute Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht. Vielleicht trägt ihre Haltung zu einer gewissen Gelassenheit bei - nach einer anfänglichen Euphorie über die technische Erneuerung und der enormen Skepsis, die bald darauf einsetzte.

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