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Schattenfrau triumphiert

Die Norwegerin Heidi Weng und der Russe Sergej Ustjugow Gesamtsieger der Tour de Ski

  • Von Gerald Fritsche, Val di Fiemme
  • Lesedauer: 3 Min.

Dreimal hintereinander wurde Weng bei der Tour de Ski auf den Bronzeplatz verwiesen, bei Olympia in Sotschi kam sie als Dritte im Skiathlon ins Ziel, ebenso bei der WM 2013 in Val di Fiemme. Auch im Gesamtweltcup fand sie in den beiden zurückliegenden Saisons jeweils zwei Bezwingerinnen. Nur in Staffelentscheidungen durfte sie sie über Gold bei den Weltmeisterschaften in Val di Fiemme und Falun jubeln. Verständlich, dass sie nun am Sonntag auf der Alpe Cermis in Tränen ausbrach.

Die mittlerweile 25-Jährige ist eine Allrounderin, die sich jeden Erfolg aber hart erarbeiten muss. Das Talent wurde ihr nicht in die Wiege gelegt. Vielmehr ist die Osloerin eine Arbeiterin, die über den Trainingsfleiß Schritt für Schritt ihren überlegenen Teamkolleginnen näher rückt. Anders als die wegen Doping suspendierte Vorjahressiegerin Therese Johaug ist Weng äußerst zurückhaltend. Interviews gibt sie ungern.

Heidi Weng gewann auch das abschließenden 9-km-Verfolgungsrennen im Freistil mit einem Vorsprung von 1:37,0 min auf ihre Landsmännin Krista Parmakoski. Die deutschen Läuferinnen verfehlten einmal mehr die Top-Ten-Plätze. 13. wurde Stefanie Böhler (Ibach) mit einem Rückstand von 6:16,5 min, Rang 15 belegte Nicole Fessel (Oberstdorf) mit 7:04,4 min hinter der Siegerin. Am Vortag waren sie beim 10-km-Massenstartrennen 16. (Böhler) und 17. (Fessel) geworden.

In der Tour-Gesamtwertung setzte sich Weng nach sieben Wettbewerben mit 2:27:39,4 h vor der Finnin Krista Parmakoski (2:29:16,4) und der Schwein Stina Nilsson (2:29:33,8) durch. Stefanie Böhler (2:33:55,9) belegte den 13. und Nicole Fessel (2:34:43,8) den 15. Platz.

Bei den Männern krönte sich der Russe Sergej Ustjugow zum besten Langläufer bei der Tour de Ski. Am Sonntag kam der 24-Jährige als Erster auf der Alpe Cermis an und sicherte sich damit als zweiter Russe nach Alexander Legkow den Gesamtsieg. Ustjugow benötigte für die siebte und letzte Etappe 30:27,7 Minuten und verwies Vorjahresgewinner Martin Johnsrud Sundby (Norwegen) mit 1:02,9 Minuten Vorsprung auf Rang zwei. Dritter wurde der dreimalige Tour-Sieger Dario Cologna (Schweiz) mit 1:19,1 Minuten Rückstand. In dieser Reihenfolge platzierten sich dieses Trio auch im Gesamtklassement. Bester deutscher Läufer war Florian Notz (Römerstein) auf Platz 17. der Gesamtwertung vor Lucas Bögl (Gaißach) als 19.

Wenn von Sergej Ustjugow im internationalen Langlauflager die Rede, schwärmen die Experten. Der Russe wird schon jetzt auf eine Stufe mit den Größen Petter Northug (Norwegen) und Dario Cologna gestellt. Der 24-Jährige gilt als Ausnahmetalent, das eine kontinuierliche Entwicklung vom Nachwuchsbereich bis in die Weltspitze genommen hat und nun mit dem Tour-Sieg den ersten großen Erfolg feierte. Dass er den mit fünf Siegen in sieben Etappenrennen krönte, zeigt seine Vielseitigkeit.

Ustjugow besticht durch Schnellkraft, gepaart mit einer immer besser werdenden Ausdauer. Die Frohnatur, die sich bis zur Erschöpfung verausgaben kann, kommt aus dem Sprintbereich. Acht Junioren- beziehungsweise U23-WM-Titel sprechen von seinem Talent, das er mit enormem Trainingsfleiß weiterentwickelt hat. Man müsse ihn förmlich bremsen, erzählt sein Trainer Markus Cramer.

Von Ustjugow wird erzählt, dass er ein harmonisches Umfeld braucht, um seine Leistungen abzurufen. Das findet er in der Gruppe mit den derzeit wegen Dopingverdachts suspendierten Russen Alexander Legkow und Jewgeni Below. Auch seine Freundin Alisa Schambalowa gehört dazu und ist ein sehr wichtiger Faktor in seinem Leben. Und er soll schnelle Autos lieben. dpa/nd

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