Von Andreas Fritsche
10.01.2017

Acht böse Wölfe gegen den Hass

Rainer Opolka zeigt seine Freiluftausstellung in der brandenburgischen Landesvertretung

Wölfe

Mit neuartigen LED-Leuchten machte der Taschenlampenfabrikant Rainer Opolka aus Wendisch Rietz (Oder-Spree) gemeinsam mit seinem Bruder ein Vermögen. Mit Dutzenden Wolfsfiguren aus Gusseisen, Messing und Bronze wirft er als Künstler ein Schlaglicht auf die bedrohliche Fratze von Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt. Die verschiedenen Typen Wolf, die Opolka entwarf und teils in zehnfacher Ausführung fertigen ließ, heißen beispielsweise Anführer, Blinder Soldat, Attack oder Mitläufer.

Sieben der Figuren sind am Montagmittag auf dem Hof der brandenburgischen Landesvertretung in den Berliner Ministergärten platziert worden und einer davor, um auf die Ausstellung hinzuweisen. Ein Schild warnt, diese Tiere bitte nicht zu füttern. Es dauerte eine Weile, bis die Mitarbeiter von Opolkas Zweibrüder Kunst- & Kultur GmbH die Stücke an die richtige Stelle bugsiert hatten. Schließlich sind sie jeweils rund 250 Kilogramm schwer. Da ist es nicht so einfach, sie mit einem Hubwagen zentimetergenau zu arrangieren. Für mehr als sieben Wölfe wäre auf der Hofterrasse kein Platz gewesen. Auf den Rasen konnten sie nicht gestellt werden, weil dies vielleicht die Beregnungsanlage beschädigt hätte.

Der Hausherr und Bevollmächtigte Brandenburgs beim Bund, Staatssekretär Martin Gorholt (SPD), dankt Rainer Opolka für die Möglichkeit, wenigstens einige Wölfe hier auszustellen. Die rot-rote Landesregierung unterstütze das Anliegen, »sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt zu positionieren, aus vollem Herzen«, sagt Gorholt.

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Mitarbeiter bringen Rainer Opolkas Wolfsskulpturen in den Berliner Ministergärten in Position.

Knapp 80 Wölfe besitzt Opolka und lässt sie als Freiluftausstellung mit dem Titel »Die Wölfe sind zurück« durch die Republik touren. Vor dem Berliner Hauptbahnhof haben schon welche gestanden, am Landtag in Potsdam und auf dem Märkischen Platz in Rathenow. In Rathenow ist Gorholt dabei gewesen, als die Ausstellung eröffnet wurde. Es seien auch etliche Rechte erschienen, erinnert sich der Staatssekretär. Doch Opolka habe gut reagiert, habe auch diese Leute ans Mikrofon gelassen - unter der Bedingung, dass sie frei sprechen und kein vorbereitetes Manuskript ablesen. Nach Ansicht von Gorholt rufen die Wolfsfiguren »dazu auf, sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie zu engagieren«.

Rainer Opolka, der eine Art Piratenkopftuch trägt, erklärt es selbst so: »Letztlich soll die Kunstaktion auch deutlich machen, dass wir in unserem Land Bedingungen schaffen müssen, unter denen niemand mehr hassen muss. Das Übel an der Wurzel zu fassen heißt: Nicht nur Verbitterung, Hass und Gewalt bekämpfen, sondern die Krise als Aufforderung begreifen, an einer Gesellschaft zu bauen, die der sozialen und politischen Spaltung entgegenwirkt. Aus alledem resultiert dann das Wachstum der Menschen als Brandmauer gegen Hass und Gewalt. Nur dies, und nicht dumpfe Abgrenzung, kann das Ziel einer demokratischen Gesellschaft sein.«

Opolka hatte der Landesvertretung einen Vorschlag gemacht, welche Wolfstypen dort aufgestellt werden könnten. Die Landesvertretung wollte drei Mitläufer dabei haben und dafür keinen Blinden Soldaten, da sie in der Vorstellung verhaftet ist, einen solchen blinden Rekruten könne es in der »Parlamentsarmee« Bundeswehr nicht geben.

Die Wölfe sollen bis zum 19. Februar bleiben und so auch während der Berlinale zu sehen sein, wenn es hier im Haus Fachveranstaltungen zu den Filmfestspielen gibt. Zur Begründung heißt es: »Dem internationalen Publikum soll gezeigt werden: ›Wir sehen die Gefahr.‹« Geld verdient Opolka mit der Ausstellung nicht. Das Land gibt ihm aber einen kleinen Zuschuss für die Transportkosten.

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