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48 Millionen Euro für Kameras

Verkehrsbetriebe wollen alle U-Bahnhöfe mit modernster Überwachungstechnik ausrüsten

Bis zu 48 Millionen Euro wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) investieren, um bis Ende 2018 alle 173 U-Bahnhöfe mit moderner Videotechnik auszurüsten. Gemeint sind damit Kameras, die schwenken und zoomen können. Momentan verfügen rund 60 Bahnhöfe über diese Technik. Den Anfang machten Kriminalitätsschwerpunkte wie am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Dort wird schon seit 2011 zeitgemäß überwacht. 48 Stunden werden die Videobilder gespeichert. So lange hat die Polizei Zeit, um Aufnahmen anzufordern.

»Neu dazukommen wird in vielen Bahnhöfen die Überwachung von Vorhallen und Zwischengeschossen«, erklärt BVG-Sprecherin Petra Reetz auf nd-Anfrage. Die Ausschreibung für Planung und Installation der Technik ist in diesen Tagen veröffentlicht worden. Bereits im April sollen die Auftragnehmer schließlich ihre Arbeit aufnehmen.

Die Busflotte ist komplett mit Kameratechnik ausgerüstet, bei den Straßenbahnen sind es rund 80 Prozent des Fuhrparks. »Mit jeder neu ausgelieferten Flexity-Bahn steigt die Quote weiter«, sagt Reetz. Videobilder aus den Fahrzeugen können nicht live in die Leitstelle übertragen werden, allerdings können die Mitarbeiter im Notfall mithören, was geschieht.

»Der Vandalismus hat sich von 2008 bis 2015 halbiert«, sagt Reetz. »Das hat natürlich damit zu tun, dass es sich in der Szene herumspricht, dass es Aufzeichnungen gibt.« Allerdings hat sich in gleichem Zeitraum die Zahl der Diebstähle verdoppelt, die der Taschendiebstähle sogar vervierfacht. Der »Sicherheitsbericht 2015« der BVG verzeichnet auch eine sinkende Tendenz bei den sogenannten physischen Delikten. Darunter fallen unter anderem Körperverletzung, Raub, Nötigung und Sexualdelikte. Gerade Affekttaten, so das Ergebnis vieler Studien zur Kameraüberwachung, lassen sich durch Technik nicht verhindern, höchstens einfacher aufklären.

»Ist der Täter allerdings gefasst, ist das eine unglaubliche Genugtuung für das Opfer«, sagt Reetz. Das bestätigten ihr betroffene BVG-Mitarbeiter. »Und das trägt wiederum zum subjektiven Sicherheitsgefühl bei.«

»Die BVG sollte das Geld, was sie in Kameras steckt, lieber in zusätzliche Sicherheitsmitarbeiter investieren«, findet dagegen Hakan Taş, innenpolitischer Sprecher der LINKEN im Abgeordnetenhaus. Eine fachlich fundierte Evaluation habe bis heute nicht stattgefunden. »Nur Personal vor Ort kann verhindern, dass Menschen geschlagen, getreten oder gar angezündet werden.« Im Übrigen sei die Aufklärungsquote von Straftaten höher, wenn Polizei vor Ort sei, anstatt nur Videokameras.

Insofern begrüßt Taş die Ankündigung von Innensenator Andreas Geisel (SPD), wieder mehr Polizei auf gemeinsame Streifen mit BVG-Sicherheitsmitarbeitern schicken zu wollen. Auch die BVG hofft, dass es tatsächlich dazu kommt. Angekündigt wurde so ein Schritt in den letzten Jahren bereits mehrmals. »Unsere Fahrgäste müssen das Gefühl haben, dass es sicher ist. Das ist der Attraktivität des Nahverkehrs geschuldet«, sagt Reetz.

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