11.01.2017

Alarm - der Nachwuchs krabbelt

Tipps für einen kindersicheren Haushalt

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Man kann seine Augen nicht überall haben, wenn die jüngsten Familienmitglieder sich aufmachen, die Wohnung zu entdecken – und Schaden nehmen können.

Es ist soweit: Der Nachwuchs ist im Krabbelalter. Das bedeutet Alarm in vielen Familien. Die Wohnung scheint nicht mehr sicher, sondern birgt zahlreiche Gefahrenquellen. Wie wichtig es ist, die eigene Wohnung kindersicher zu machen, zeigt eine traurige Zahl: 200 000 Kinder verletzen sich Jahr für Jahr in deutschen Haushalten. Viele Unfälle könnten vermieden werden, würden Gefahren in der Wohnung vorher erkannt und beseitigt.

Kein Gespür für Gefahr

Kinder nutzen aus natürlicher Neugier und Bewegungsdrang heraus jede Möglichkeit, um zu klettern. Sie ziehen sich an Tischdecken hoch, öffnen und schließen Schubladen und stecken sich alle möglichen Gegenstände in den Mund.

Erste Maßnahme, sobald der Nachwuchs (oder ein anderes Kind, das sich häufig im Haushalt aufhält) ins Krabbelalter kommt: Nehmen Sie die Perspektive des Kindes ein. Erkunden Sie die Wohnung, indem Sie selbst einmal durch sie hindurchkrabbeln. Wo könnte Ihr Kind herankommen, welche Steckdosen, Schubladen und Klettermöglichkeiten sind erreichbar?

Für entsprechende Gegenmaßnahmen gibt es inzwischen eine Vielzahl an Hilfsmitteln, die oft schnell und einfach anzubringen sind - auch in Mietwohnungen.

Fenster und Türen wirken auf den ersten Blick harmlos, durch Zugluft können sie jedoch plötzlich zufallen, und Kinder können sich leicht die Finger klemmen. Neben speziellen Türklemmen, die man ans Türblatt anbringen kann, reicht es auch, ein Handtuch um beide Türgriffe zu knoten. Die Tür kann so nicht mehr zufallen. Ihr Kostenaufwand: minimal.

Die Magie der Steckdose

Steckdosen üben eine große Anziehungskraft auf Kinder aus. Um Stromschläge zu vermeiden, gibt es spezielle Schutzvorrichtungen. Dabei werden Schutzscheiben mit einem Klebestreifen in bereits bestehende Steckdosen eingeklebt. Stecker können dann nur noch mit einer bestimmten Drehbewegung eingesteckt werden, die nur Erwachsene ausüben können.

Generell gilt: Entfernen Sie Elektrogeräte, die Sie nicht ständig brauchen, aus der Reichweite von Kleinkindern und lassen Sie Kabel nie von Schränken oder Tischen herunterbaumeln. Kinder versuchen, sich an ihnen emporzuziehen und reißen Geräte herunter, die ihnen dabei auf den Kopf fallen können. Außerdem besteht Strangulierungsgefahr!

Kaputte Kabel haben in Haushalten mit Kindern nichts zu suchen wie in jedem anderen Haushalt auch nicht. Eine defekte Kabelisolierung kann lebensgefährlich sein. Verlegen Sie offen herumliegende Kabel am besten in einen Kabelkanal, oder fixieren Sie sie mit Kabelclipsen an der Wand.

Gefahrenort Küche

Auch die Küche birgt Gefahren. Sichern Sie Ihre Putzmittel unbedingt in einem hoch liegenden Schrankfach, damit sie unerreichbar sind, oder aber verstauen Sie sie - genau wie Medikamente - in einem abschließbaren Schrank. Die Flaschen, mit ihren meist bunten Inhalten könnten für einen leckeren Saft gehalten werden. Kinder lecken an den Flaschen, versuchen sie zu öffnen und trinken, wenn möglich, daraus. Sollte das passieren, rufen Sie sofort den Notarzt an! Auch der Hausmüll sollte für die Kleinen nicht erreichbar sein.

Schutzgitter am Herd sorgen dafür, dass Kinder sich an heißen Herdplatten nicht verbrennen können, außerdem können sie Töpfe und Pfannen nicht herunterziehen.

Wichtig: Stellen Sie Elektrogeräte nicht in der Nähe der Spüle auf und ziehen Sie nach jedem Gebrauch den Stecker aus der Steckdose, um einen Stromschlag zu vermeiden.

Update im Badezimmer

Sind Kinder im Haushalt, braucht auch das Badezimmer ein Update. Hier gilt ganz besonders: Lassen Sie Säuglinge und Kleinkinder nie unbeaufsichtigt. Aufgrund der vielen glatten Oberflächen können sie ausrutschen und schwer stürzen oder sich den Kopf stoßen. Abhilfe schaffen rutschfeste Badvorleger und Wanneneinlagen.

Entfernen Sie im Bad (wie in allen anderen Räumen) die Türschlüssel, legen Sie sie an einen für die Kinder unerreichbaren Ort. Damit vermeiden Sie, dass Kinder sich versehentlich einschließen, während Sie selbst nicht im Zimmer sind.

Unordnung gleich Gefahr

Insgesamt gilt: Je aufgeräumter eine Wohnung ist, desto weniger Gefahren birgt sie. Plastiktüten haben in der Nähe von spielenden Kindern nichts zu suchen. Kinder könnten sie sich über den Kopf stülpen und daran ersticken.

Schauen Sie sich einmal in Ihrer Wohnung um. Sie sehen Tische, Schränke, Bänke - und alle haben Kanten, an denen sich Kinder den Kopf stoßen können. Sogenannte Kantenschützer schaffen Sicherheit. So werden harte Stöße vermieden und abgefedert. Nehmen Sie Tischdecken von den Tischen. Auch sie werden genutzt, um sich daran hochzuziehen. Gegenstände, die auf dem Tisch liegen, könnten so Ihrem Kind entgegenfallen.

Stellen Sie Pflanzen nach Möglichkeit aufs Fensterbrett und entfernen Sie giftige Exemplare komplett aus Ihrer Wohnung. Babys nehmen Blätter und bunte Blüten gerne in den Mund. Das kann zu Erbrechen und Durchfall führen. Auch Blumenerde - unter Umständen mit Dünger oder Pflanzenschutzmittel aufbereitet - sollte immer abgedeckt werden. Das gilt besonders im Falle von großen Kübelpflanzen, die auf dem Boden stehen und des- halb gut für Krabbelkinder erreichbar sind.

Sicherheit mit Treppengittern

Verfügt Ihre Wohnung über Treppen, dann sichern Sie diese mit einem Treppengitter. Achten Sie darauf, dass das Gitter nicht vom Kind geöffnet werden kann. Auch das scheinbar sicherste Treppengitter verliert seine Funktion, wenn es »kinderleicht« zu öffnen ist.

Sicherlich können Sie nicht jeden Sturz Ihres Kindes vermeiden, das Stürzen gehört einfach zum Laufenlernen und Grö- ßerwerden dazu. Aber Sie können Ihr Zuhause mit wenigen Handgriffen deutlich kindersicherer machen, vor allem dann, wenn Sie sich in die Lage der Kleinen versetzen und versuchen, die Welt aus deren Perspektive betrachten.

Aus: Mieterforum Nr.46/2016

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