Von Robert D. Meyer

Reporter reiste undercover mit den Islamfeinden

Journalist schlich sich in Reisegruppe des rechten Internetportals PI-News nach Israel ein

Als Journalist braucht es schon starke Nerven, wenn man sich durch die Beiträge des rechten Infoportals PI-News (Politically Incorrect) klickt. Da wird gegen Geflüchtete und Muslime gehetzt, Pegida in den Himmel gehoben und mit dem auch aus der NPD bekannten Slogan »Maria statt Scharia« Werbung in eigener Sache betrieben. In einem Punkt unterscheidet sich das rechte Paralleluniversum von PI-News allerdings von der rechtsradikalen Partei: Das Portal sagt über sich selbst, es vertrete eine proamerikanische sowie proisraelische Haltung.

Letztere will das Blog auch durch ein spezielles Angebot an seine Leserschaft unterstreichen: Gemeinsam mit PI lässt sich seit Kurzem auch der Nahe Osten bereisen, gerade wirbt die rechte Plattform für eine geplante zweite Tour, denn »Solidarität mit Israel soll nicht nur ein Wort bleiben«.

Ob dies auf der ersten Reise allerdings tatsächlich alle Teilnehmer so sahen, darf bezweifelt werden. Dem Journalisten Marco Maurer gelang es, unter teilweise falscher Identität an einer solchen sechsttätigen PI-News-Leserreise teilzunehmen. Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, wurde aus dem »Neon«-Reporter zwecks investigativer Recherche ein Germanistik-Student mit nationaler Gesinnung.

Doch wer sind die Menschen, die sich mit einem der bekanntesten deutschsprachigen rechten Blogs auf Reisen begeben? »Sie sind Seelsorger, Buchhändler, Lehrer, Gastwirte, Vorstände von Wirtschaftsunternehmen. Sie könnten alle unsere Nachbarn sein. Allerdings fühlen sie sich derart bedroht, dass sie sich – jeder auf seine Art – auf den Kampf gegen ‚die Invasoren‘ vorbereiten«, erzählt Maurer gegenüber Meedia.de.

Ausgestattet mit der für die Reisegruppe »richtigen Gesinnung«, berichtet Maurer Erschreckendes über den Trip. So habe die Tour unter anderem auch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Station gemacht, wo ein Teilnehmer die Zahl der ermordeten Juden infrage gestellt habe.

Teilnehmer der Reise waren laut Maurers Aussage unter anderem Mitglieder der rechten Kleinstpartei »Die Freiheit« sowie der AfD, darunter auch der Thüringer Landtagsabgeordnete Jörg Henke. Dieser soll im Verlauf der Reise gegenüber dem Undercoverreporter einige interessante Details über seine rechte Gesinnung verraten haben. So habe Henke im persönlichen Gespräch eingeräumt, genauso wie sein Fraktionschef Björn Höcke zu denken, sich offiziell aber von dessen Aussagen distanziere.

rechte-tour-final

Interessant ist dies deshalb weil, Henke in der Öffentlichkeit bisher als einer der wenigen klaren Kritiker des völkisch geprägten Fraktionschef galt. So war es der Abgeordnete, der zunächst als Einziger in der Fraktion 2015 vorsichtige Kritik an Höckes rassistischen Äußerungen über die angebliche »Reproduktionsrate« von Afrikaner äußerte.

Laut dem MDR hatte Henke die Aussagen zunächst als »unglücklich« kritisiert. Die umstrittene Rede in Schellroda sei politisch am rechten Rand und von der Wortwahl her völkisch gewesen. Später teilte der MDR allerdings mit, Henke habe seine Kritik zurückgezogen. Die Recherche des »Neon«-Reporters ist deshalb pikant, da der AfD-Abgeordnete auch Mitglieder im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss ist.

Doch auch andere PI-News-Reisende waren den Beschreibungen Maurers zufolge alles andere als zurückhaltend. So seien auf dem Trip Aussagen gefallen wie, »Die SS war quasi eine Antiterrororganisation gegen Sozialisten« und die Forderung, man könne die Al-Aksa-Moschee doch »wegbomben«.

»Das ist wirklich das Unglaublichste, was ich bisher erlebt habe. Mindestens ein, zwei würde ich auch gewaltbereit einschätzen«, fasst Maurer seine Erlebnisse zusammen, die unter anderem auf Twitter unter dem Hashtag #insidepi bereits heftig diskutiert werden.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken