Von Elsa Koester

Sexistischer Shitstorm wütet auf Twitter

Unter dem Hashtag #RasenmäherGegenSexismus wird gegen Gender-Mainstreaming und das Gesetz zu Lohngerechtigkeit gehetzt

Twitter ist eine komische Sache. Plötzlich ist der da, auf Platz zwei: Der Hashtag #RasenmähergegenSexismus. Worum es geht, wird nach einem ersten Blick auf die vielen Tweets nicht so richtig klar. OK, man merkt: Hier tummeln sich irgendwie Sexisten und Maskulinisten, um sich über Antisexismus, Feminismus, über transgeschlechtliche Menschen und über Genderpolitik im Allgemeinen lustig zu machen. »#Rasenmähergegensexismus ist erst der Anfang. Intersektional müssen wir auch #TRANSMÄHER* mitnehmen: die zum Mopped umgebauten Rasenmäher!«, steht da zum Beispiel. Das Sternchen ist ein Seitenhieb auf eine bestimmte Form des Genderns, das neben Männern und Frauen auch Transgeschlechtliche einbeziehen will, etwa bei Rasenmäher*innen.

Viele der Tweets richten sich außerdem gegen das feministische Online-Magazin »editionf« und gegen dessen Redaktionsleiterin Teresa Bücker. »Aufruf an die #Rasenmäherarmy!!! Belästigt diese Frau mit dem Hashtag #RasenmähergegenSexismus«, dieser Tweet scheint ganz am Anfang der Hasswelle zu stehen. Geschickt wurde er von dem Account »Diplomrasenmäher«. Was aber ist der Anlass für diese Hetze?

Auch die Redakteurin Bücker kann sich keinen Reim darauf machen, was der Hashtag genau aussagen soll. Sie habe den Ursprung der Hasswelle nicht gefunden, sagt die Feministin gegenüber »nd« – vermutet dahinter aber gut vernetzte sexistische Trolle, die das am Mittwoch verabschiedete Gesetz zur Lohngerechtigkeit zum Anlass nehmen, das feministische Magazin und Feministinnen ins Visier zu nehmen.

»Maskulinisten sind in den sozialen Medien sehr gut vernetzt. Da sind einzelne gut in der Lage, von sich aus einen Shitstorm loszutreten«, erklärt Bücker. Maskulinisten sind reaktionär-konservative Männerrechtler. Eine so große Twitterflut wie heute habe sie jedoch noch nicht erlebt. Gut und gerne 500 Hass-Trolle habe sie an einem Tag blockieren müssen. Auf Twitter schickt sie eine Kritik an der langsamen Löschpolitik des Unternehmens hinterher: »Spätestens dann, wenn ein Hass-Troll-Hashtag auf der 1 trendet, merkt man, dass Twitter in Deutschland kein Team mehr hat.«

Die Trolle nutzen als Aufhänger für ihre Tweets ein Foto, das »editionf« vergangene Woche zur Bewerbung eines freien Praktikumsplatzes gepostet hat. Das Bild zeigt die Redaktion. Darauf sind viele Frauen zu sehen – und nur eine Person, die als männlich zu identifizieren ist. Das scheint Maskulinisten ordentlich provoziert zu haben. Auf Twitter geht dieses Foto nun mit angeblichen Löhnen versehen herum, die die einzelnen Redakteur*innen verdienen sollen. Teresa Bücker werden 4000 Euro im Monat zugeschrieben, ihren weiblichen Kolleginnen jeweils 3000 Euro, dem männlichen Kollegen gerade einmal 450 Euro.

Anlass für diese Fotomontage ist vermutlich das am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Gesetz zur Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Es sieht vor, dass Frauen in Firmen ab 200 Mitarbeitern Auskunft darüber einfordern können, was ihre männlichen Kollegen in gleichwertiger Position verdienen. Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sollen zudem verpflichtet werden, betriebliche Maßnahmen zur Herstellung von Lohngleichheit einzuführen.

Die LINKE hatte das Gesetz als unzureichend kritisiert. »Transparenz alleine reicht nicht, um die verkrusteten sexistischen Strukturen in der Arbeitswelt aufzubrechen«, sagte die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Cornelia Möhring, dem »nd«. Den Maskulinisten scheint aber selbst dieses Informationsrecht zu weit zu gehen.

Teresa Bücker nimmt den Aufruhr gelassen. Twitter erlaube es schließlich, Hashtags zu blockieren. So ist es auch für Feminist*innen möglich, einen ruhigen Tag in den sozialen Medien zu verbringen.

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