Der Exzess weist den Weg in den Abgrund

Bürgerlich werden oder sterben: Das Berliner Ensemble zeigt Ferdinand Bruckners »Krankheit der Jugend«

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Alle glücklichen Generationen gleichen einander, jede unglückliche Generation ist auf ihre eigene Weise unglücklich. Die heutige mitteleuropäische Jugend ist eindeutig: unglücklich. Das muss sie ja auch sein, denn sonst gälte sie als künstlerisch belanglos. Auch würde Ferdinand Bruckners 1926 uraufgeführtes Stück »Krankheit der Jugend« dann nicht, wie derzeit im Pavillon des Berliner Ensembles, neu gespielt. Bruckner - ein Pseudonym, hinter dem Theodor Tagger steckt, der Gründer des Berliner Renaissance-Theaters - traf in den zwanziger Jahren einen Nerv. In seinem Text dilettieren mehrere Studenten bei dem Versuch, erwachsen zu werden und sich trotzdem nicht um soziale Konventionen zu scheren.

Damals löste das Werk wegen demonstrativ ausgestellter sexueller Ausschweifung und aufgrund eines als sympathisch dargebotenen Weltfluchtankers namens Drogenkonsum einen Skandal aus. Heute gilt es als moderner Klassiker. Was sollte man da no...


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