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Mehrere Kontinente im Kopf

Tendai Huchu zeichnet in seinem neuen Roman ein lebendiges Panorama des multikulturellen Alltags in Großbritannien

  • Von Manfred Loimeier
  • Lesedauer: 2 Min.

Nein, sagt der simbabwische Schriftsteller Tendai Huchu, sein neues Buch sei kein Roman über Einwanderer in Großbritannien. Dort, in Edinburgh, lebt Huchu seit etlichen Jahren und ist als Autor des vergnüglich-politischen Debütromans »Der Friseur von Harare« (2010) bekannt. Politisch und leicht zu lesen ist auch sein Buch »Maestro, Magistrat und Mathematiker«, das darüber hinaus von einer beachtlichen literarischen Entwicklung des Autors zeugt. Vornehmlich geht es um drei, eigentlich vier Männer aus Simbabwe, die in Edinburgh ein neues Leben leben: Maestro, der in einem Supermarkt Regale füllt und sich sonst in der Lektüre von Büchern verliert; der Magistrat, ein früherer Richter, der sich als Krankenpfleger durchschlägt und Erinnerungen nachhängt; der Mathematiker, der sich weniger seiner Doktorarbeit als vielmehr dem Nachtleben widmet; und nicht zu vergessen Alfonso, der der Handlung zuletzt eine abrupte Wende geben wird.

Mit »Maestro, Magistrat und Mathematiker« verknüpft Huchu den Alltag in Harare mit dem in Edinburgh. Er vermischt die Musik der Kontinente und zeigt die Isolation von Einwanderern ebenso wie Kulturschockerfahrungen und gelingende Integration. Weil der Magistrat eine Familie, der Mathematiker Freunde und der Maestro eine Freundin hat, kommen auch Protagonistinnen vor, die das Geschehen um ihre Sicht ergänzen. So entsteht ein lebendiges Panorama des multikulturellen Alltags, das vor allem durch seine stilistische Gestaltung überzeugt. Fast melancholisch wird der Magistrat porträtiert, nahezu hektisch der Mathematiker. Und dass sich Maestro in Büchern - und damit den Bezug zur Wirklichkeit - verliert, gehört wohl zu den zahlreichen literarischen Anspielungen, von denen der Roman durchdrungen ist.

Der Autor überzeugt durch sprachliche Leichtfüßigkeit, stilistische Vielfalt und eine psychologisch differenzierte Charakterisierung der Figuren. Dass es in seiner Erzählung auch noch um die Politik in Simbabwe und das Zusammenleben im Vereinigten Königreich geht, ist kein Nachteil, um den Alltag der Menschen authentisch und sympathisch zu schildern.

Tendai Huchu: Maestro, Magistrat und Mathematiker. Aus dem Englischen von Jutta Himmelreich. Peter Hammer Verlag. 384 S., geb., 26 €.

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