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Mit »Pussy-Mützen« gegen Trump

Überall in den USA und weltweit sind zahlreiche Demonstrationen zur Amtseinführung geplant / Proteste auch in Berlin

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 3 Min.

In den USA haben die Proteste gegen die Amtseinführung von Donald Trump begonnen. In Washington wurde rund 30 Gruppen Demonstrationen genehmigt, um vor, während und nach der Amtseinführung ihren Unmut gegen den zukünftigen Präsidenten auszudrücken. Landesweit gibt es zahlreiche weitere Aufrufe, gegen den Republikaner Stellung zu beziehen. Allein 300 Demonstrationen wird es allein zum Thema Frauenrechte geben.

Für den Tag der Vereidigung erwarten die Sicherheitsbehören bis zu 900 000 Menschen in Washington, darunter zahlreiche Demonstranten. Ein Anti-Trump-Marsch wird über die National Mall ziehen, der von Museen und Monumenten gesäumten Grünanlage Mitten in der Hauptstadt. Das Bündnis DisruptJ20 hat mehrere Proteste angekündigt. Dabei sollen an den zwölf Eingängen zu der Vereidigung jeweils auf ein dringendes Thema aufmerksam gemacht werden, darunter Rechte von Migranten und LGBTQ-Menschen, den Klimawandel, Krieg oder Rassismus. Für die gesamte Präsidentschaft Trumps will das DisruptJ20 aktiv bleiben. Das Bündnis hat auch militante Protestformen angekündigt.

Die größte Veranstaltung dürfte der Frauenmarsch am Tag nach der Inauguration werden. Die Organisatoren rechnen mir 200 000 Teilnehmern. Die drei Kilometer lange Wegstrecke zwischen dem Parlamentsgebäude und dem Lincoln-Denkmal soll ganz in Rosa getaucht werden. Zumindest nach dem Willen der Aktivistinnen Krista Suh und Jayna Zweiman, die schon seit der Wahl Trumps per Twitter dazu aufrufen, rosafarbene »Pussy-Mützen« zu stricken und beim Marsch aufzusetzen. Die Mützen sind an das im Wahlkampf aufgetauchte Video Trumps angelehnt, auf dem der künftige Präsident zu hören ist, wie er Frauen verunglimpfte: »Wenn du ein Star bist, lassen sie dich machen«, hatte Trump 2005 gegenüber einem TV-Moderator geprahlt. »Pack sie an der Pussy. Du kannst alles machen.«

Bereits am vergangenen Samstag fanden die ersten großen Demonstration statt. Tausende Menschen waren nach Washington gekommen, um ihre Zweifel an der neuen Regierung auszudrücken. Zu dem Protestmarsch am Martin-Luther-King-Tag in Washington hatten Bürgerrechtsgruppen aufgerufen. Auch einige Abgeordnete der Demokratischen Partei waren anwesend, vor allem, um gegen Äußerungen Trumps gegen Muslime und Mexikaner zu protestieren und für Minderheitenrechte einzustehen.

Über 30 Demokraten haben derweil ihre Teilnahme an der Vereidigung abgesagt. Besonders die Ankündigung des Bürgerrechtlers und Parlamentsabgeordneten John Lewis der Vereidigung fernzubleiben, sorgte für Aufsehen. Er sehe Trump nicht als legitim gewählten Präsidenten an, hatte Lewis dem Sender NBC in einer Talk-Show gesagt. »Die Russen haben dazu beigetragen, dass dieser Mann gewählt wurde.«

Donald Trump reagierte auf Twitter gewohnt dünnhäutig: Lewis solle sich lieber um seinen Wahlkreis im Bundesstaat Georgia kümmern, der in einem »furchtbaren Zustand« und »kriminalitätsverseucht« sei, empfahl Trump dem 76-jährigen Abgeordneten, der seit 30 Jahren im Parlament sitzt. Lewis erhielt Solidaritätsbekundungen von zahlreichen Parteifreunden und auch von Republikanern. So twitterte die demokratische Minderheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, dass schon viele versucht hätten, Lewis zum Schweigen zu bringen. »Alle sind gescheitert.« Senator Chris Coons schrieb, Lewis sei wegen seines Bürgerrechts-Engagements mehr als 40 Male geschlagen und festgenommen worden. »Er ist ein wahrer amerikanischer Held und steht für das Beste von uns.« Der republikanische Senator Ben Sasse twitterte: »John Lewis und sein ›Gerede‹ haben die Welt verändert.«

Darüber hinaus finden weltweit Proteste während der Amtseinführung statt. Unter dem Motto »Nein zum weltweiten Trumpismus« finden in mehreren Städten, darunter Berlin, Paris, London, Kopenhagen und Amsterdam, Demonstration statt. In Berlin zieht ein Protestmarsch von der AfD-Zentrale in der Schillerstraße bis vor das Brandenburger Tor, wo auch die US-amerikanische Botschaft steht. Beginn der Demonstration ist 17 Uhr. Die Veranstaltung wird von der Initiative »The Coalition« organisiert, einem Zusammenschluss aus in Berlin lebenden Deutschen, US-Amerikanern und Amerikanerinnen, internationalen Gruppierungen und Einzelpersonen, die gemeinsam den Trumpismus und andere von Hass getriebene politische Strömungen bekämpfen wollen, bevor sie weltweit irreparable Schäden anrichten.

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