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Wunderwelt unter dem Eis

Eine australische Expedition hat eine vielfältige Unterwasserwelt im antarktischen Meer entdeckt. Doch der Klimawandel setzt auch diesem Lebensraum zu. Von Barbara Barkhausen

  • Von Barbara Barkhausen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zehn Monate im Jahr ist die Unterwasserwelt der Antarktis mit eineinhalb Meter dickem Eis bedeckt. Die Wassertemperatur beträgt das gesamte Jahr über minus 1,5 Grad. Kann es unter solchen Bedingungen Leben geben?

Australische Wissenschaftler, die in der O’Brien-Bucht in der Nähe der Forschungsstation Casey in der Ostantarktis ein Gerät bergen wollten, das seit November 2015 Wasserdaten wie Säure-, Sauerstoff- und Salzgehalt sowie Temperatur aufzeichnete, stießen während ihrer Expedition auf eine erstaunlich bunte Unterwasserwelt.

Denn der Unterwasserroboter, der das Gerät bergen sollte, filmte mit seiner Kamera eine unerwartet farbenfrohe und vielfältige Welt. Kokosnussförmige Schwämme, Würmer, die Löwenzahnpflanzen ähneln, rosa Algen und spinnenähnliche Seesterne verbargen sich in der unwirtlichen, vom Eis abgeschnittenen Region.

»Wenn man an die Meeresfauna in der Antarktis denkt, stehlen meist die ikonischen Spezies wie die Pinguine, Seehunde und Wale die Show«, sagte Glenn Johnstone, ein Biologe des australischen Antarktisprogramms. »Dieses Videomaterial enthüllt einen Lebensraum, der produktiv, farbenfroh, dynamisch und voller Biodiversität ist - mit Schwämmen, Asselspinnen, Seeigeln, -gurken und -sternen.«

Auch wenn gelegentlich ein Eisberg mit seiner Bewegung eine unglückliche Ansiedlung dem Meeresboden gleichmache - alles in allem sei das Wasser unter dem Schelfeis ein relativ stabiles Umfeld, in dem sich Biodiversität erfolgreich entwickeln könne, meint der Forscher. Denn: »Das Meereis bietet Schutz vor Stürmen, die darüber hinweg wüten.«

Wie so viele Ökosysteme der Erde sind aber auch die Tiefen des Südpolarmeeres vom Klimawandel betroffen. Laut Projektleiter Johnny Stark wird ein Viertel des Kohlendioxids aus der Atmosphäre vom Meer aufgenommen. Dies wiederum mache das Meerwasser saurer. Dazu komme - so Stark -, dass sich Kohlendioxid in kaltem Wasser noch weit besser auflöse. Deswegen würden die polaren Gewässer doppelt so schnell versauern wie die in den tropischen und gemäßigten Klimazonen. Die roten Kalkkrustenalgen beispielsweise könnten durch saureres Wasser beispielsweise enorm dezimiert werden, da sie Kalzium in ihren Zellen einbauen, ein chemisches Element, das sie schwerer aufnehmen können, wenn der Säuregehalt im Wasser zunimmt. »Die Antarktis könnte einer der ersten Orte sein, an dem wir die schädlichen Auswirkungen einer Übersäuerung des Ozeans an diesen Organismen sehen«, ist Stark überzeugt.

Andere Folgen des Klimawandels sind inzwischen noch deutlicher sichtbar. So wurde im vergangenen August bekannt, dass das Larsen-C-Schelfeis auseinanderbrechen könnte. Vor wenigen Tagen hieß es nun sogar, dieser Abbruch könne kurz bevorstehen. Denn nur noch etwa 20 Kilometer verbinden das vom Abbruch gefährdete Stück mit dem Hauptteil der Eisdecke. Allein in der zweiten Dezemberhälfte ist der Riss um 18 Kilometer gewachsen. Die benachbarten Schelfe Larsen A und B waren bereits 1995 bzw. 2002 auseinandergebrochen. Das ließ damals schon vermuten, dass auch der dritte große Eisschelf dünner und damit brüchiger werden könnte.

Grund dafür ist, dass in den vergangenen 50 Jahren die Temperaturen auf der antarktischen Halbinsel um zweieinhalb Grad angestiegen sind. Diese höheren Lufttemperaturen lassen das Schelf von oben schrumpfen, während wärmere Meeresströmungen das Ihrige von unten dazu tun.

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