Dunkle Flecken in der Kupfer-Lieferkette

NGO-Vertreter aus Peru und Chile führten Gespräche mit Europas größtem Importeur Aurubis

  • Von Klaus Karleweit
  • Lesedauer: 3 Min.

Mehr Transparenz in der Kupfer-Lieferkette wünschen sich zwei Vertreter von Nichtregierungsorganisationen aus Chile und Peru, die gerade in Deutschland unterwegs sind. Der Gedankenaustausch in der Hamburger Zentrale von Aurubis, Europas größtem Kupferproduzenten, war spannend für Felipe Grez Moreno und César Flores Unzaga. Der Chilene Moreno arbeitet seit 2011 für die lateinamerikanische Beobachtungsstelle für Umweltkonflikte (OLCA), Unzaga ist für die peruanische Nichtregierungsorganisation CooperAcción tätig und schreibt regelmäßig Berichte für die Beobachtungsstelle für Bergbaukonflikte in Lima. Beide Länder gehören zu den wichtigsten Kupferlieferanten für den deutschen Markt.

Aurubis macht sich durchaus Gedanken darüber, woher das Kupfererz kommt, welches in seinen Schmelzen in Hamburg sowie in Bulgarien verarbeitet wird. So ist eine Menschenrechtsklausel in mittlerweile 75 Prozent der Lieferverträge fixiert. Ein Screening-Prozess soll dafür sorgen, dass die Partner den Anforderungen entsprechen, und ein Beschwerdemechanismus garantiert, dass Verstöße aus den Lieferländern gemeldet werden können. Das ist in der Branche einigermaßen fortschrittlich, aber in der Praxis fehle es an Transparenz und Expertise, kritisiert César Flores Unzaga. »Aurubis hatte keine Ahnung, dass es in Peru eine staatliche Stelle gibt, bei der auch Bergbaukonflikte registriert werden«, so der Ökonom. Dem Unternehmen fehle es an grundlegenden Informationen zu ihren Lieferanten sowie deren Umgang mit Menschen- und Arbeitsrechten. Auch greife der Beschwerdemechanismus zu kurz, da er nur auf Englisch und Deutsch zur Verfügung stehe. Dabei bezieht das Unternehmen große Mengen seiner Kupfererze aus spanischsprachigen Ländern.

Dies wird auch in der gerade erschienenen Studie »Deutsche Kupferimporte: Menschenrechtsverletzungen, Unternehmensverantwortung und Transparenz« kritisiert. Autorin Melanie Müller vom Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin moniert darin den mangelnden Mut zur Transparenz auch bei Aurubis. So gebe das Unternehmen nicht preis, aus welchen Minen es das Kupfer bezieht, das hier verarbeitet wird. Müller weist darauf hin, dass es in den vergangenen fünf Jahren bei Protesten gegen mindestens zwei große peruanische Minen, Las Bambas und Tintaya/Antapaccay, Tote gab. Daher sei es durchaus relevant für die Aurubis-Kunden, ob Kupfer auch von diesen Minen bezogen wurde und wird. Eine Einschätzung, die César Flores Unzaga, dessen NGO ein Büro nahe der Mine Las Bambas unterhält, teilt: »Wir haben bei dem Treffen bei Aurubis darauf hingewiesen, dass die Minenbetreiber Verträge zum Schutz der Mine mit der lokalen Polizei ausgehandelt haben. Das ist in Peru zwar legal, sorgt aber für Interessensgegensätze.«

Die zu Menschenrechtsverletzungen führen können, wie auch aus der Kupfer-Studie der FU Berlin hervorgeht. Mit internationalen Standards wie den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sei das genauso wenig vereinbar wie mit dem im Dezember 2016 verabschiedeten »Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte« der Bundesregierung, der an die »unternehmerische Sorgfaltspflicht« der Unternehmen appelliert. Susanne Friess vom katholischen Hilfswerk Misereor, die die beiden Experten bei ihrer Reise durch Deutschland begleitet, kritisiert, dass der Aktionsplan auf Freiwilligkeit beruhe. Sie hat den Kontakt zu Aurubis aufgebaut sowie zu Parlamentariern. Ziel ist es, für mehr Transparenz in der Lieferkette und für faire Abbaubedingungen vor Ort zu sorgen.

Davon ist man auch in Chile weit entfernt. »Bergbau hatte in der Vergangenheit immer wieder Vorfahrt vor Umwelt und kollektiven Landrechten«, sagt Felipe Grez Moreno. »Heute werden die Folgen des Bergbaus für die Umwelt und die lokale Bevölkerung aber nicht mehr klaglos hingenommen. Die Unternehmen haben eine Verantwortung, der sie endlich gerecht werden müssen«, fordert der Wissenschaftler. Das betreffe die Bergbauunternehmen, aber eben auch Importeure wie Aurubis und die weiterverarbeitende Industrie.

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