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Politischer Flüchtling des Tages

Sigmar Gabriel überlässt Martin Schulz SPD-Vorsitz und Kanzlerkandidatur

Berlin. Die SPD ist immer wieder für eine Überraschung gut. Ihr Vorsitzender Sigmar Gabriel kündigte am Dienstag - früher als erwartet und gegen fast jede Vorhersage - seinen Rückzug von der Parteispitze und den Verzicht auf die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl im September an. Er ergriff damit die Flucht vor den anhaltend schlechten Umfragewerten der SPD; die Sozialdemokraten waren in dieser Wahlperiode, also seit Herbst 2013, kaum einmal über 25 Prozent hinausgekommen.

Der Mann, der innerhalb weniger Monate alles herausreißen soll, heißt Martin Schulz. Der langjährige Präsident des Europäischen Parlaments musste, nachdem seine Amtszeit in Brüssel zu Ende gegangen war, ohnehin anderweitig versorgt werden und galt als Favorit für die Nachfolge des künftigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier als Außenminister. Nun aber soll der wortgewaltige und von der Bundespolitik unbefleckte Schulz frei von Regierungsaufgaben gegen Kanzlerin Merkel antreten.

Umweltministerin Barbara Hendricks glaubt zwar, dass Gabriel »aus einer Position der Stärke« entschied. Die Vorgänge erinnern aber an den September 2008, als ein Jahr vor der Bundestagswahl der damalige SPD-Chef Kurt Beck im Kampf um die Spitzenkandidatur von seinen Genossen weggemobbt wurde. Beck verschwand damals aus der Bundespolitik; für Gabriel, der mehr als sieben Jahre Parteichef war, fällt mit dem Außenministerium immerhin noch ein Trostpreis ab. Seine Nachfolgerin im Wirtschaftsministerium wird die bisherige Staatssekretärin und frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries.

Eine Frage blieb bislang unbeantwortet: SPD-Vize Hannelore Kraft hatte vor Wochen behauptet, sie wisse, wer Kanzlerkandidat wird, verrate es aber noch nicht. War damit die jetzige Rochade gemeint? wh Seite 5

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