Werbung

Von der Schuhpappe bis zur Kabelisolierung

Können Spezialpapiere der Branche aus der Krise helfen? Ein Kongress in Bamberg befasst sich mit neuen Ideen

  • Von Sophie Rohrmeier, Bamberg
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Stau im Drucker, Holzverbrauch - und vielleicht noch die gedruckte Zeitung. Das verbinden viele Menschen heute mit dem alten Werkstoff Papier. Die Digitalisierung hat auch dieser Industrie Probleme gebracht. Der Markt für Papier, auf dem man schreibt oder druckt, ist eher auf dem absteigenden Ast. Verpackung dagegen läuft dank des Online-Handels sehr gut. Die Branche ist im Umbruch. Experten berieten deshalb am Donnerstag auf einem Kongress in Bamberg (Bayern) über neue Hightech-Ideen.

Viele Hersteller sind ohnehin schon Spezialisten - mit Produkten, die kaum etwas zu tun haben mit der herkömmlichen DIN-A4-Seite. Denn Papier kann mehr sein, zum Beispiel wenn es flammfest ist. Solches Spezialpapier kann sich zwar entzünden, darf aber nicht flammend weiterbrennen, sondern muss sofort wieder erlöschen und verkohlen. Es besteht nur zu einem geringen Teil aus Zellstoff und enthält meist Mineralfasern.

Flammhemmende Papiere halten dagegen eine bestimmte Zeit lang Feuer aus. Sie sind meist mit Salzen imprägniert, die bei Hitze feuererstickende Gase entwickeln - zum Beispiel genutzt für Theaterkulissen und Dekorationen wie Lampions. Zum Basteln sind sie gleichfalls gut verwendbar.

Papier eignet sich auch als Elektroisolation. Solches Material gehört zu den teuersten Papieren und ist fest, meist mit Kunstharzen imprägniert und ohne Poren. Es darf weder Füllstoffe noch stromleitende Verunreinigungen wie Metall oder Kohle, Salze und Säuren enthalten. Diese Art von Papier kommt etwa als Kabelpapier zum Einsatz, das spiralförmig um Leitungsdrähte gewickelt wird.

Für die Krankheitserkennung kann Papier ebenfalls genutzt werden: Es handelt sich dabei um auf Fasern basierendes Trägermaterial für die Diagnostik und für Schnelltests - einfach zu handhaben an der Hautoberfläche, in Atem oder Urin für eine verbesserte Früherkennung und rechtzeitige Therapie. Preiswert soll das auch sein - eine Idee von Chemikern der TU Darmstadt in Hessen. Auch Luftfilter im Auto, Flugzeug oder Zug können aus Papier sein. Sie können Abgase, schädlichen Rauch oder schlechte Gerüche aus den Kabinen fernhalten.

Papier eignet sich darüber hinaus etwa für Terrassen-Paneele. Dazu werden etwa Etikettenabfälle recycelt und zusammen mit anderen Materialien zu sehr wetterbeständigen Paneelen verarbeitet.

Oder die Schuhpappe: Gemeint sind nicht etwa Schuhkartons, sondern feste und biegsame Hartpappen für Brandsohlen - also die Innensohle - oder auch für die Kappen und Gelenke in eher billigen Schuhen. Diese Pappe ist sehr biege- und spaltfest und hat eine hohe Oberflächenhärte. Mit Kunststoff-Emulsionen wird sie fester und wasserdichter gemacht.

Für solche technischen und speziellen Zwecke wie diese wurde 2015 allerdings noch der geringste Teil (5,9 Prozent) des Papiers in Deutschland genutzt. Insgesamt verbrauchten die Menschen bundesweit rechnerisch 20,8 Millionen Tonnen Papier, so die aktuellsten Zahlen des Verbands Deutscher Papierfabriken (VDP). Der Verbrauch stieg damit im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent.

Fast die Hälfte (49,5 Prozent) und damit den größten Anteil machten Papier, Karton und Pappe für Verpackungen aus. Immerhin 38,1 Prozent der Menge waren noch grafische Papiere, also zum Beispiel Druckerpapier. Für Hygienepapiere - Taschentücher etwa - gingen 6,5 Prozent des verbrauchten Materials drauf. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen