Eva Roth und Stephan Kaufmann 27.01.2017 / Politik

Verdiente Armut?

Die Einkommensungleichheit in Deutschland ist kein Zufall - und schon gar nicht unabänderlich

In Deutschland gibt es wenige sehr reiche Menschen und viele arme. Die Einkommen sind sehr ungleich verteilt, die Vermögen sogar krass ungleich. Das alles ist errechnet und bekannt. Inwieweit diese Ungleichheit akzeptiert wird oder nicht, hängt davon ab, ob sie als gerecht angesehen wird. Wir stellen Argumentationsmuster vor, die immer wieder in den Medien auftauchen und denen zufolge die herrschende Ungleichheit in Ordnung geht, also keinen Grund zur Aufregung bietet. Und wir kritisieren diese Argumentationsmuster.

1. »Die Armen sind gar nicht arm«

Manche Medien und Forscher behaupten seit einiger Zeit, die Armen seien eigentlich gar nicht arm. »Ein statistischer Trick macht es möglich, dass die Armut auf dem Papier zunimmt, obwohl sich die Lebensverhältnisse in Wirklichkeit seit Jahren günstig entwickeln«, schreibt zum Beispiel die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«. Das Wochenblatt »Die Zeit« spricht von einem »Armutsschwindel«. Und der Statistikprofessor Walter Krämer erklärt, die Armutsquote habe »mit Armut nichts zu tun«. Ihr Argument: Ob jemand als »armutsgefährdet« gilt oder nicht, bemisst sich am sogenannten mittleren Einkommen. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hat, der gilt als arm oder armutsgefährdet.
Das bedeutet: Wenn das mittlere Einkommen steigt, steigt auch die Armutsschwelle. Konkret: Im Jahr 2008 galt ein Single in Deutschland als arm, wenn er weniger als 917 Euro pro Monat zur Verfügung hatte. 2015 lag die...

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