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Wenn Alphatiere angeln gehen

Warum sich Borussia Dortmund und RasenBallsport Leipzig immer ähnlicher werden

  • Von Frank Hellmann, Düsseldorf
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Mappe mit dem Bullenlogo klemmte schon unter dem Arm, Oliver Mintzlaff war eigentlich gerade im Aufbruch begriffen. Kurz zuvor hatte der Vorstandsvorsitzende von RasenBallsport Leipzig einen bemerkenswerten Vortrag auf dem Sportbusinesskongress in Düsseldorf gehalten und keinen Zweifel an den ehrgeizigen Ambitionen in der »Alpha-Branche« gehalten, wie Mintzlaff die Bundesliga nannte, weil dort so viele Alphatiere unterwegs seien. Mit einem, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, gilt das Verhältnis als so schwierig, dass es nicht vorstellbar wäre, sich einträchtig für ein gemeinsames Gespräch auf ein Sofa zu setzen, so wie es Watzke und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge einen Tag zuvor getan hatten.

Wie ist die Beziehung zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig, die sich am Sonnabend im Topspiel duellieren? »Ein respektvolles, normales Verhältnis«, berichtete Mintzlaff artig. Aber dem Fußballchef des Red-Bull-Konzerns war anzusehen, dass er sich gerade in Diplomatie übte. Ein »paar Sätze Smalltalk« kämen mit Watzke zustande. Immerhin. Aber zumeist reden die Rivalen, denen am ehesten zugetraut wird, einmal die Dominanz des FC Bayern zu durchbrechen, über- statt miteinander.

Als die Leipziger Klubführung vor dem allerersten Bundesligaheimspiel der jungen Geschichte eine Einladung zum Essen an die Dortmunder Delegation um Liga- und BVB-Präsident Reinhard Rauball aussprach, sagte die Gegenseite ab. Der Aufsteiger gab die Antwort auf dem Platz: Der 1:0-Sieg vom zweiten Spieltag sollte so etwas wie das Erweckungserlebnis werden. Mittlerweile hecheln die Westfalen den Sachsen elf Punkte hinterher.

Watzke bedient sich längst einer milderen Tonart. Wo er früher flapsig über »das Performen einer Dose« lästerte, klingt das heute differenzierter: »Dass ich grundsätzlich dem System RB Leipzig kritisch gegenüberstehe, ist ja keine neue Erkenntnis. Ich habe gesagt: Die Eingangsidee war nicht das Fußballspielen.« Der 57-Jährige ist inzwischen »zwiegespalten« in der Frage nach der Existenzberechtigung des Emporkömmlings. Tenor: Modell RasenBallsport Leipzig nein, Aushängeschild für diese Region ja.

Die handelnden Personen verdienten allerhöchsten Respekt - Trainer Ralph Hasenhüttl und Sportdirektor Ralf Rangnick zuvorderst. Und: »Sie haben eine Topmannschaft.« Eine, die trotz ihrer geringen Erfahrung viel stabiler, vor allem widerstandsfähiger wirkt. Rangnick konterte vor dem Jahreswechsel den Watzke-Vorwurf rückwirkend, dass Dortmund dann ja »gegen elf Dosen verloren hat«. Und wird nicht am Borsigplatz bei allen Kapitalisierungs- und Kommerzfragen gerne verdrängt, dass der einzige börsennotierte Bundesligist zur Jahrtausendwende einen dreistelligen Millionenbetrag von den Anlegern eingesammelt hat?

Vielleicht beäugen sich zwei Verfolger deswegen so argwöhnisch, weil sie sich zwangsläufig immer ähnlicher werden. Beide beschreiten im Windschatten des europäischen Finanzadels den Weg, sich weltweit lieber um die Toptalente zu kümmern, gerne in der Preisklasse zwischen sieben und 15 Millionen Euro. Beide Vereine angeln also im selben Teich. Nach dem pfeilschnellen BVB-Juwel Ousmane Dembélé hatte sich auch Leipzig erkundigt. Am torhungrigen Jungbullen Timo Werner war auch Dortmund interessiert. Im Umkehrschluss soll RB den 18 Jahre alten Christian Pulisic auf dem Radar gehabt haben, der just bei den Schwarz-Gelben bis 2020 verlängert hat.

Jung, dynamisch, entwicklungsfähig - das ist mehr und mehr das BVB-Beuteschema. »Wir haben keine andere Chance«, betont Sportdirektor Michael Zorc, »zu den fünf, sechs Topklubs in Europa fehlen uns 200 Millionen Euro Umsatz und 100 Millionen mehr Gehaltsbudget.« Kollege Rangnick stellt also nicht zu Unrecht fest, dass Dortmund »transfertechnisch einen ähnlichen Weg« gehe: »Offensichtlich hat sich der BVB auch das Thema ›Jugend forscht‹ aus Überzeugung auf die Fahnen geschrieben.« Ganz sicher sogar: Sonst wäre nicht in diesem Winter der erst 17-jährige Schweder Alexander Isak gekommen.

Beim Scouting der Hochbegabten, beim Buhlen um die Stars von morgen wird es bald zu viel mehr Überschneidungen kommen. Dann, wenn beide Klubs kommende Saison mit dem Lockmittel Champions League an Berater und Spieler herantreten können. Doch die Gemeinsamkeiten bei der Ausrichtung dürften nicht viel daran ändern, dass ein traditionsreicher Verein wie der 1909 gegründete BVB mit seinen mehr als 145 000 Mitgliedern nicht warm wird mit einem 2009 geschaffenen Red-Bull-Gebilde, in dem nur eine Gruppe von 17 Auserwählten mitbestimmen darf. Daher gilt: So nah und doch so fern.

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