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Dämme für den Fortschritt

Laos bereitet dritten Staudamm am Mekong vor / Umweltschützer warnen vor unkalkulierbaren Folgen

  • Von Alfred Michaelis, Vientiane
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Straße von Pakbeng nach Norden ist nagelneu. Pakbeng liegt in der nordlaotischen Provinz Oudomxay, direkt am Mekong. Bisher endete die von der Provinzhauptstadt kommende Straße hier und ließ ganze zwei Optionen für die Weiterreise: mit dem Boot den Mekong aufwärts nach Houaysay oder flussabwärts nach Luang Prabang. Jetzt führt die neue Straße vierzehn Kilometer nach Norden, quert dort den Mekong und geht weiter nach Meuang Ngeun an die Grenze zu Thailand.

Nicht weit von der Mekong-Brücke soll bald wieder gebaggert werden. Diesmal für ein Projekt größeren Ausmaßes: das Pak Beng Wasserkraftwerk. Die Unterlagen für den auf sechs Monate angelegten Konsultationsprozess hat die laotische Regierung schon im November bei der aus den vier Anrainern am Unterlauf (Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam) bestehenden Mekongkommission (MRC) eingereicht. Eigentlich soll Einvernehmen erzielt werden, bevor der Bau beginnt. Doch schon zweimal hat sich die laotische Regierung kaum um die Sorgen der anderen, speziell der weiter flussabwärts gelegenen Länder Kambodscha und Vietnam, gekümmert.

Das bestätigt auch die MRC in ihrer Mitteilung über den neuen Antrag. Da steht zu lesen, dass über beide frühere Anträgen weder auf Kommissionsebene noch im höchsten Gremium der MRC, dem Ministerrat, eine Einigung erzielt wurde. Gebaut werden die Kraftwerke dennoch. Das 1285-Megawatt-Projekt Sayaboury, rund 250 Kilometer südlich von Pakbeng, soll bis Oktober 2019 fertig sein, das 260-Megawatt-Kraftwerk Don Sahong - direkt an der Grenze zu Kambodscha gelegen - fast zeitgleich. Im Fall Sayaboury hat es immerhin Nachbesserungen am Kraftwerksdesign gegeben. Die Sorgen in Kambodscha und Vietnam lindern konnte das allerdings nicht.

Nun also Pak Beng. Wie beim Sayaboury-Projekt ist die Rede von einem Run-of-the-River-Kraftwerk, bei dem das Wasser im Fluss eingebaute Turbinen antreibt, ohne dass ein großer Stausee entsteht. Doch die Umweltorganisation International River Network berichtet, dass neben 25 laotischen auch zwei Dörfer in Thailand vom Damm betroffen sind und umgesiedelt werden müssen. Das würde bedeuten, dass das Wasser sich wenigstens 95 Kilometer weit aufstaut, da der Mekong erst in dieser Entfernung zum Grenzfluss wird.

Die Argumente für und wider Staudämme im Mekong haben sich seit Sayaboury nicht geändert. Pocht die laotische Regierung auf ihren Plan, durch umfassende Nutzung der üppigen Wasserressourcen das Landes die Unterentwicklung zu überwinden, um Laos von der Liste der am wenigstens entwickelten Länder der Erde streichen zu können, weisen Umweltschützer vor allem auf die unkalkulierbaren Risiken für den Fischbestand des noch weitgehend naturbelassenen Flusses hin. Sehen die einen Tausende Arbeitsplätze entstehen, fürchten die anderen um die Ernährungsgrundlage von Millionen Menschen. Im speziellen Fall verweisen die Umweltschützer auf die vielen Riffe und Stromschnellen, die den Fluss in diesem Abschnitt prägen und deren Bedeutung als Laichplätze für viele Fischarten noch gar nicht erforscht ist. Für die Bezwinger der Natur bedeutet ein steigender und konstanter Wasserstand demgegenüber vor allem Erleichterungen für die Schifffahrt.

Gebaut werden soll die eineinhalb Milliarden Euro teure Anlage von der chinesischen Firma Datang, einer der fünf größten staatlichen Energiefirmen der Volksrepublik, bisher überwiegend im Kohlehandel und mit Kraftwerken beschäftigt. Der ab 2024 erzeugte Strom soll hauptsächlich nach Thailand exportiert werden. Am Oberlauf des Mekong hat China, das nicht Mitglied in der MRC ist, bereits sieben Kraftwerke errichtet und plant über ein Dutzend weitere.

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