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  • Politik
  • Neonazi-Angriff in Leipzig

Daten von 215 mutmaßlichen Connewitz-Angreifern geleakt

AntifaschistInnen veröffentlichen Namen von Verdächtigen aus der Neonaziszene, die vor einem Jahr Leipziger Stadtteil verwüstet haben sollen / Polizei ermittelt

  • Von Florian Brand
  • Lesedauer: 3 Min.

AntifaschistInnen haben auf der linken Onlineplattform Indymedia die Namen von 215 mutmaßlichen Neonazis veröffentlicht, die am 11. Januar 2016 durch den Leipziger Stadtteil Connewitz gezogen sein und diesen verwüstet haben sollen. Unter den gesammelten Informationen befinden sich neben Klarnamen auch zahlreiche Fotos der Beteiligten sowie persönliche Informationen. Wie die »Leipziger Volkszeitung« (LVZ) berichtet, ermitteln Sicherheitsbehörden unter anderem wegen Datenschutzverstößen.

Bei dem Überfall auf den als politisch links wahrgenommenen Leipziger Stadtteil Anfang 2016 zogen mehr als 200 vermummte und teils bewaffnete Rechtsradikale gegen 19 Uhr durch die Wolfgang-Heinze-Straße und verwüsteten innerhalb von Minuten dutzende Geschäfte, zündeten Autos an und legten mehrere Brände. In einem Imbiss detonierte ein Sprengsatz, woraufhin Teile der Decke einstürzten. Mehrere Menschen wurden bei dem »Sturm auf Leipzig«, wie die Naziszene ihren »Straßenterror« – O-Ton von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) – im Internet feierte, verletzt. Die Polizei ermittelte in den darauffolgenden Monaten offenbar jene 215 Tatverdächtigen, deren Namen nun auf Indymedia veröffentlicht wurden. Juristische Konsequenzen für die mutmaßlichen Randalierer blieben bislang aus. Laut LVZ dauerten die Ermittlungen zu dem Angriff auf Connewitz noch an. Allen 215 Beschuldigten müsse eine Tatbeteiligung nachgewiesen werden, heißt es.

Unklar ist bislang, wie viele weitere Rechtsradikale an dem Angriff beteiligt waren. Bereits im Dezember vergangenen Jahres verbreiteten AntifaschistInnen auf Flugblättern im Leipziger Süden die Namen der 215 mutmaßlich Beteiligten. Die nun veröffentlichten Informationen auf dem Onlineportal dürften in ihrem Umfang selbst die ErmittlerInnen in Staunen versetzen, wobei es sich offenbar bei einem Großteil der Informationen um frei zugängliche Daten, etwa auf Facebook oder in Telefonbüchern wie »den Gelben Seiten« handelt. Gelistet sind demnach teilweise auch Social-Media-Aktivitäten. Auffällig ist hier, dass es sich bei einem Großteil der Beteiligten um Kampfsportler handelt mit Verbindungen zur Fußball-Hooligan- und/oder Bikerszene.

Eine Sprecherin des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) sagte gegenüber der LVZ: »Diese aktuelle Veröffentlichung wird in die laufenden Ermittlungen einfließen.« Gegenstand der Ermittlungen von OAZ und Staatsanwaltschaft seien derzeit, wie die Informationen in die Hände der AntifaschistInnen gelangen konnten. Aufgrund der im Dezember aufgetauchten Plakate mit den Namen, würden Ermittlungen bereits laufen, so die OAZ-Sprecherin.

Vor der Flugblattaktion hatte es bereits eine Vergeltungsaktion gegeben. Unbekannte stürmten im November die Wohnung eines bekannten Rechtsextremen und NPD-Politikers, der offenbar an dem Überfall am 11. Januar beteiligt gewesen war. In einem Video, das die Tat dokumentiert, sind mehrere Vermummte zu sehen, die die Wohnung des NPD-Kaders in einem Leipziger Randbezirk verwüsten. Das Video endet mit den Worten »Das war für den 11.01.« In einem Bekennerschreiben auf Indymedia hieß es dazu, dies werde »nicht das letzte Nazischwein sein, das für faschistische Organisation und Angriffe, wie den am 11.1. zur Rechenschaft gezogen wird«.

Die UrheberInnen des Leaks werben unterdessen für Unterstützung ihrer Arbeit und bitten die Öffentlichkeit um Ergänzungen und Hinweise zu den Veröffentlichungen. »Antifaschistische Arbeit kostet Zeit und Geld. Besonders vorliegendes Projekt gestaltete sich sehr ressourcenintensiv«, so die VerfasserInnen.

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