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Schöne Erinnerungen und böse Vorahnungen

Die Biathlonsaison wird von Doping überschattet. Auch bei der WM in Hochfilzen bleibt es ein Thema

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Es herrscht eine seltsame Stimmung vor dem Start der Biathlonweltmeisterschaften in Hochfilzen: Die Hoffnung auf Medaillen und die Angst vor dem Überthema Doping haben sich vermischt. Die Sportart expandierte über Jahrzehnte hinweg und produzierte immer neue Stars für die international wachsende Fangemeinde. Doch in dieser Saison knirscht es gewaltig, seitdem klar ist, dass der Bericht des Dopingsonderermittlers Richard McLaren gleich 31 verdächtige russische Biathleten auflistet. Der Weltverband IBU wirkte hilflos und zögerlich, was die Athleten auf die Palme brachte. Und Versuche, das Problem in die Zeit nach der Saison zu verschieben oder sie schon vor der WM zu lösen, scheiterten.

Bei der siebten WM in Österreich werden elf Titel vergeben, der erste an diesem Donnerstag in der Mixed-Staffel. Für diesen Wettbewerb nominierten die deutschen Bundestrainer Vanessa Hinz, Laura Dahlmeier, Arnd Peiffer und Simon Schempp. Speziell auf Dahlmeier liegen die größten Hoffnungen des Deutschen Skiverbands (DSV) auf Erfolge, schließlich reist sie als Weltcupführende an. Vier Siege feierte die 23-jährige Partenkirchenerin in dieser Saison schon. Und von den Titelkämpfen im Vorjahr kam sie aus Oslo mit fünf Medaillen nach Hause.

Dahlmeier bleibt trotzdem bescheiden. »Ich will gerne wieder eine Medaille gewinnen«, sagt sie. Doch sei der Druck auf ihr mittlerweile größer geworden. Der will erst einmal bewältigt werden. Mit dem äußeren Druck scheinen aber auch die eigenen Ansprüche gewachsen zu sein, denn zu Sätzen wie »Ich versuche auf Sieg zu laufen«, hatte sich Dahlmeier zuvor selten hinreißen lassen. Mannschaftskameradin Franziska Preuß fällt krankheitsbedingt aus, dafür rückt Ersatzläuferin Nadine Horchler ins Team, die am Freitag auch gleich einen Startplatz im Sprint sicher hat.

Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig würde die Last gern verteilen und sieht gute Ansätze dafür. »Sicherlich setzt sich Laura etwas ab und spendet den anderen auch mal Schatten, wenn es nicht so läuft. Aber wir haben in dieser Saison eine kompakte Mannschaftsleistung gezeigt, das haben auch die drei Staffelsiege deutlich gemacht«, so Hönig. Mit dem WM-Ort verbinden zudem auch andere Athletinnen positive Erinnerungen. Maren Hammerschmidt lief hier vor einem Jahr erstmals in Einzelwettkämpfen aufs Podest, und auch Franziska Hildebrand denkt gern an Hochfilzen zurück: »Das war der erste Weltcuport, an dem mir während eines Sprints die Trainer zuriefen: ›Franzi, du führst!‹. Und im letzten Jahr habe ich dort meinen ersten Weltcupsieg gefeiert.«

Bei den Männern schauen wieder alle auf Dominator Martin Fourcade. Er gewann zehn von 15 Saisonrennen. Dennoch behauptet Simon Schempp: »Er ist in jedem Rennen zu schlagen. Es wird aber sehr schwer, weil er noch einen Tick besser ist als in den vergangenen Jahren.« Mit Schempp beschäftigt sich Fourcade derzeit kaum. Der Franzose ist in diesen unruhigen Monaten zum Sprachrohr jener Athletenmehrheit geworden, die einen härteren Umgang mit Dopingsündern fordert. Die Sportler sprechen sich unter anderem für Acht-Jahres-Sperren für EPO-Doper aus.

Ausgerechnet vor wenigen Wochen lief nun die zweijährige Sperre des Russen Alexander Loginow ab. Der russische Verband RBU nominierte ihn nicht sofort für die WM. Er feierte ihn an seinem 25. Geburtstag auf Instagram auch gleich für all die Medaillen, die er bei Juniorenweltmeisterschaften und Europameisterschaften schon errungen hatte. Fourcade kommentierte dies mit den Worten: »Und er wurde zwei Jahre wegen EPO-Dopings gesperrt. Vergesst also nicht eine seiner prestigeträchtigsten Trophäen!« Der Kommentar wurde später wieder gelöscht.

Womöglich hätte sich auch Gerald Hönig eine dezentere Rückkehr Loginows gewünscht. Doch nun stellte er fest: »Sie haben kein Schuldgefühl. Ich glaube, die sind da relativ schmerzfrei.« Männertrainer Mark Kirchner fügte hinzu: »Loginow hat seine Strafe abgesessen, von daher kann man nichts sagen. Aber ob das in der momentanen Situation clever ist, ist eine andere Frage.«

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