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Hin zur »kritischen Größe«

Geteiltes Echo in Frankreich auf Übernahmepläne

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Pläne des Autokonzerns PSA Peugeot Citroën, Opel und Vauxhall zu übernehmen, werden in Frankreich mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Die Gewerkschaften warten noch ab, welche Konsequenzen drohen, und äußern sich vorläufig nicht. Aus dem Wirtschaftsministerium verlautete, man stehe hinter dem PSA-Management, werde aber aufmerksam prüfen, welche Folgen die Übernahme für die Arbeitsplätze und die Industrie in Frankreich habe. Der Staat ist seit 2014 Aktionär mit Sperrminorität bei PSA.

Konzernchef Carlos Tavares erklärte sich zu Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel und den deutschen Gewerkschaften bereit, da die Ankündigung im Nachbarland Unruhe ausgelöst hat. Die französischen Politiker, die mit dem Präsidentschaftswahlkampf vollauf beschäftigt sind, halten sich bisher zurück. Anders die Medien: Die Zeitung »Le Monde« mutmaßt, PSA wolle offenbar nicht die Chance für ein externes Wachstum verpassen, die sich so schnell nicht wieder ergeben dürfte. Die Übernahme würde es erlauben, die »kritische Größe« zu erreichen, um ins Spitzenfeld auf dem Weltmarkt aufzurücken. 2016 baute PSA 3,15 Millionen Autos, davon 1,9 Millionen in Europa. Von den 10,3 Millionen von Volkswagen oder den 9,6 Millionen von Renault/Nissan war man noch weit entfernt.

»Le Figaro« wirft die Frage auf, was der Deal kosten und wie er finanziert werden soll. Immerhin war PSA vor drei Jahren fast schon pleite und konnte nur durch ein Engagement des Staates und den Einstieg des chinesischen Konzerns Dongfeng gerettet werden. In diesem Zusammenhang war auch der neue PSA-Chef Tavares von Renault abgeworben worden, der die Gruppe mit eiserner Hand restrukturiert. Anschaulich wird das am Rande der Autobahn zwischen Paris und dem Flughafen Roissy, wo sich auf Höhe von Aulnay-sous-Bois ein riesiges leeres Gelände befindet - früher eines der größten PSA-Werke. Tausende Beschäftigte mussten die Schließung mit dem Transfer in ein anderes Werk, mit Umschulung oder Vorruhestand bezahlen. »Inzwischen haben die Verkaufszahlen angezogen, die Gruppe ist wieder rentabel und hat sogar Mittel und die Unterstützung der Banken für eine vielversprechende, aber trotzdem riskante Übernahme«, meint die Wirtschaftszeitung »Les Echos«. »Vom Status eines potenziellen Übernahmeopfers ist PSA in den eines Jägers übergegangen«, so der Rundfunksender France-Inter.

Geteilt sind die Meinungen, ob es vernünftig ist, sich mit einem »Problemfall« wie Opel zu belasten. »Das chronisch defizitäre Unternehmen könnte PSA in die Tiefe ziehen«, warnt die Zeitung »20minutes«. Das Wirtschaftsblatt »La Tribune« ist da optimistischer und verweist auf die japanische Nissan-Gruppe, die vor der Übernahme durch Renault ebenfalls tiefrote Zahlen schrieb und mittlerweile finanziell besser dasteht als der französische Mutterkonzern. Ein vergleichbarer Prozess bei PSA und Opel, die schon seit 2012 industriell kooperieren und einander daher gut kennen, würde erfordern, alle Synergien auszuschöpfen und Kapazitäten für Forschung und Entwicklung sowie für den Bau von Motoren oder anderen Teilen zusammenzulegen. »Die sich daraus ergebenden Überschneidungen müssten abgebaut werden, was zwangsläufig zum Verlust von Arbeitsplätzen führt«, meint nüchtern die Zeitschrift »Challenges«. »Offen ist nur, ob in Deutschland oder in Frankreich.«

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