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Woran starb Kim Jong Nam?

Verdächtige nach Mord an Halbbruder von Kim Jong Un gefasst

  • Von Susanne Steffen, Tokio
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach dem Mord am Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in Malaysia hat die Polizei eine Verdächtige festgenommen. Die Frau wurde nach Polizeiangaben am Mittwoch am Flughafen von Kuala Lumpur gefasst, wo Kim Jong Nam am Montag getötet worden war. Die 28-Jährige Vietnamesin wurde demnach auf Überwachsungsbildern identifiziert. Gerichtsmediziner begannen unterdessen mit der Obduktion der Leiche.

Noch immer ist die Todesursache des 45-jährige Kim Jong Nam unklar, nachdem er am Montagvormittag im Flughafen der malaysischen Hauptstadt über Schwindel geklagt hatte und noch auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Nach Berichten südkoreanischer Medien hatte der älteste Sohn des 2011 verstorbenen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il die Ersthelfer noch informiert, dass er mit einer Flüssigkeit angegriffen worden war. Über den Tathergang gibt es noch widersprüchliche Berichte, die von einem Angriff mit vergifteten Nadeln bis zu einem in giftige Flüssigkeit getränkten Tuch reichen. Am Mittwoch äußerte sich Südkoreas Präsident Hwang Kyo-ahn zu dem mutmaßlichen Mord. Sollte Nordkorea tatsächlich verantwortlich sein, zeige dies die »brutale und unmenschliche Natur« des Regimes, so Hwang.

Jong Nam galt über ein Jahrzehnt hinweg als potenzieller Nachfolger des »lieben Führers« - bis er vor gut 16 Jahren erwischt wurde, als er mit einem gefälschten Reisepass nach Japan einreisen wollte, um sich im Tokyo Disney Land zu vergnügen. Dieser Vorfall hat nach Expertenansicht dazu geführt, dass er den Kampf um die Nachfolge gegen seinen jüngeren Bruder verlor. Seither lebte Jong Nam in China und anderen südostasiatischen Ländern. Medienberichten zufolge kümmerte er sich um einen Teil des Vermögens seines Vaters und war möglicherweise auch an Waffengeschäften beteiligt.

Im Gegensatz zu seiner Familie in Pjöngjang sprach Jong Nam öfter mit der Presse und äußerte sich mehrfach kritisch über das Regime. Die Erbdynastie sei ein »Witz in den Augen der Welt«, zitierte ihn die südkoreanische Zeitung Chosun Ilbo. Ferner zweifelte er an den Führungsqualitäten seines Bruders und prophezeite, dass dessen Regime »nicht lange währen wird«.

Dass Diktator Kim Jong Un für den Tod verantwortlich ist, bezweifelt kaum ein Experte. Das Motiv jedoch ist unklar. Kim Jong-un habe versucht, seine Machtbasis zu stärken, meint der Vorsitzende des World Institute for North Korea Studies, An Chan-il. »Möglicherweise hatte er das Gefühl, er müsse sein Regime konsolidieren, indem er seinen Halbbruder ausschaltet«, sagte er der Nachrichtenagentur Yonhap.

Andere gehen davon aus, dass Jong-nam eine Alternative für Nordkoreaner gewesen sein könnte, die den jungen Diktator loswerden wollen. »Es gibt auch Leute, die glauben, dass China Jong Nam als Reserve gesehen hat, falls Jong-un die Macht verliert. Vielleicht war Jong Nams Verhältnis zu China zu eng für den Geschmack seines Bruders«, sagte Mark Tokola, Vizepräsident des Korea Economic Institute of America.

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