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Das unverhoffte Heimspiel

Institutionelles Doping in Russland bescherte Königssee kurzfristig die Bob-und Skeleton-WM

In Königssee beginnen am Freitag die Weltmeisterschaften im Bob- und Skeletonsport. Der kurzfristige Zuschlag für die Ausrichtung erhöht den Druck auf die deutschen Titelkandidaten.

Von Jirka Grahl

Aus dem Tal bietet der Eiskanal von Königssee einen spektakulären Anblick. In 16 Kurven schlängelt sich die Bahn zum Fuße des Watzmanns hinab: 1587 Meter, die im Auslauf bis fast an den Königssee hinunterreichen. Bei seiner Eröffnung 1968 war der Kanal als erste künstlich vereisbare Bahn eine kleine Sensation. Sechs Mal trugen die Rodler hier schon ihre Welttitelkämpfe aus, die WM im Bob und Skeleton 2017, die am Freitag beginnt, ist ebenfalls die sechste in einer der beiden Sportarten.

Dass es dieses Jahr im Berchtesgadener Land überhaupt eine WM gibt, hat mit Doping zu tun. Mitte Dezember war der Weltverband IBSF (International Bobsleigh & Skeleton Federation) der erste, der unzweideutig auf die Ergebnisse des Reports von Dopingsonderermittler Richard McLaren reagierte. Im zweiten eil des Reports wird Russland »institutionelles Doping« nachgewiesen. Die IBSF entzog dem russischen Verband FBR nach dem Bekanntwerden des perfiden Dopingsystems die Ausrichtung der WM 2017 in Sotschi und vergab sie stattdessen nach Schönau am Königssee. Zuvor hatten lettische und kanadische Skeletonfahrer angekündigt, an einer WM in Russland keinesfalls teilzunehmen.

Knapp zwei Monate blieben dem Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD), die WM zu organisieren. Die unverhoffte Gastgeberrolle sieht man dabei nicht mit uneingeschränkter Begeisterung. So begrüßte Thomas Schwab, BSD-Vorstandsvorsitzender, zwar die konsequente IBSF-Entscheidung (nd-Interview vom 15.12.), sportlich hingegen bereitet die besondere Erwartungshaltung des Publikums bei einer Heim-WM den Bobpiloten und Skeletonfahrern Kopfzerbrechen: »Der Druck ist nicht geringer, im Gegenteil, er ist daheim noch größer«, verriet Cheftrainer René Spieß gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Sein Vorgesetzter Thomas Schwab hadert auch mit der verpassten Gelegenheit, sich in Sotschi für den medaillenlosen Auftritt bei den dortigen Winterspielen 2014 zu rehabilitieren: »Unsere Jungs hätten sehr gerne bewiesen, dass sie in Sotschi konkurrenzfähig sind.«

Das Abschneiden in diesem Winter sorgt insgesamt aber für Optimismus, so beispielsweise die Resultate in Königssee vor drei Wochen: Drei Siege und neun von insgesamt 15 Podestplätzen lautete die Bilanz des BSD am Ende des Heimweltcups. Weltmeister Francesco Friedrich gelangen mit dem Zweierbob in dieser Saison vier Siege in sechs Starts, dazu zwei zweite Plätze. Sollte Friedrich auf der Bahn in Königssee gewinnen, wäre es sein vierter Titel in Folge: Derlei gelang bisher nur einem Piloten in grauer Vorzeit. Der Italiener Eugenio Monti gewann von 1957 an sogar fünf Titel in Folge.

Friedrichs schärfster Konkurrent ist der Lokalmatador Johannes Lochner, der 2017 vor allem den Viererbob dominiert: Drei Siege in fünf Starts sind ihm in diesem Winter gelungen.

Den WM-Auftakt machen am Freitag die Bobpilotinnen. Auch hier sind Medaillen für Deutschland drin: Die Berliner Pilotin Mariama Jamanka, die für Oberhof startet, zählt nach ihrem Überraschungssieg mit Anschieberin Annika Drazek bei der EM 2017 zu den Podestkandidatinnen. Für eine WM-Premiere sorgen am Freitag die Chinesinnen. Sie sind erstmals in den Startlisten einer Bob-WM verzeichnet. Die Athletinnen aus dem Gastgeberland der Winterspiele 2022 sollen erste Erfahrungen auf dem Weg nach Peking sammeln. Ihr Trainer ist der Berchtesgadener Ex-Weltmeister Manuel Machata.

Auch der russische Bobverband ist in Königssee am Start. »Wir akzeptieren, dass diese WM nun in Deutschland stattfindet«, sagt Verbandspräsident Alexander Subkow, der 2014 in Sotschi Gold im Zweier- und Viererbob gewann. »Wir wollen eine ordentliche Leistung abliefern. Eine Medaille dabei wäre schön.«

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