Von Anne Grimm, Leipzig

Hilferuf von Leipzigs Handballerinnen

Dem Rekordmeister HC Leipzig fehlen 900 000 Euro - zur Rettung braucht der Klub viele Unterstützer

HC Leipzig
Champions League und Schulden: Anne Hubinger (re.) vom HC Leipzig im Gruppenspiel gegen TC-Rail Cargo Hungaria im Oktober 2016

Die Existenz des HC Leipzig steht auf dem Spiel. Deshalb hat Kay-Sven Hähner die Zeit des Schweigens am Donnerstag nach Monaten beendet. 900 000 Euro Schulden belasten den Handball-Bundesligisten, erklärte der HCL-Manager auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz und legte erstmals die Zahlen offen. Ein Schritt, der dem Manager sichtlich schwer gefallen ist. Doch um sein Lebensprojekt - er führt seit 20 Jahren die Geschäfte - weiterführen zu können, scheint es der letzte Ausweg zu sein. »Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos«, sagte der 46-Jährige.

Bis zum Saisonende will der Verein 500 000 Euro der Schulden getilgt haben. Dafür hat Hähner die Stadt Leipzig um Hilfe gebeten und ist mit mehreren Sponsoren in Gesprächen. Zudem will er mit einer Wirtschafts- und Steuerprüfungskanzlei ein Konzept zur Entschuldung aufstellen. Zusagen über konkrete Summen habe es noch nicht gegeben, erklärte Hähner. Bereits am Freitag steht ein wichtiger Termin mit Sportbürgermeister Heiko Rosenthal im Leipziger Rathaus an, bei dem der Klub auf Zugeständnisse hofft. Schon im vergangenen Monat hatte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung betont: »Es wäre zu schade, wenn der Klub sportlich und wirtschaftlich deutlich abbaut. Was wir tun können, werden wir tun.«

Ein entscheidendes Datum für den HCL ist nun der 31. März: Bis dahin will der Verein die Lizenz für die neue Saison bei der Handball-Bundesliga einreichen. »Wenn wir die Lizenz beantragen, muss die wirtschaftliche Lage gegeben sein. Ich kann nicht sagen, was passiert, wenn wir das Geld nicht zusammenbekommen«, sagte Hähner. Bei der Liga müssen unter anderem Lohnnachweise der Spielerinnen sowie Bürgschaftssummen eingereicht werden. Aktuell befindet sich der HCL mit zwei Gehältern in Verzug. Der Verein bittet auch die Öffentlichkeit um Hilfe und hat ein Unterstützerkonto eingerichtet.

Der Manager zeigte sich auch selbstkritisch: »Ich habe einige Dinge falsch eingeschätzt.« Es sei in dieser Saison falsch gewesen, Champions League zu spielen, weil die Einnahmen die Ausgaben nicht gedeckt hätten. In den vergangenen Jahren hätten unter anderem Insolvenzen von Sponsoren dazu geführt, dass eingeplante Gelder nicht geflossen sind. »Es war auch ein Fehler von mir, sich auf Handschläge zu verlassen und Verträge zu schließen, wo noch kein Geld da war«, sagte er. Die Geschäftsberichte der vergangenen Jahre zeigen aber auch: Bereits vor fünf Jahren hatte der HCL hohe Schulden, die seitdem immer mehr angewachsen sind.

Über einen Rücktritt hat Hähner nicht nachgedacht. »Solange ich das Vertrauen von den Gesellschaftern und Geldgebern habe, werde ich weiter machen. Wenn es die Lösung des Problems wäre, würde ich zurücktreten. Ich kann aber bei der Lösung ein entscheidender Faktor sein.« Künftig will der Verein drastisch sparen, unter anderem denkt er über den Umzug in eine kleinere Halle nach. Aus der Geschäftsstelle haben sich in dieser Saison bereits drei feste Mitarbeiter verabschiedet.

Die Mannschaft ist über die finanzielle Lage informiert. »Wir sind sehr froh, dass der Großteil trotzdem da geblieben ist. Wir haben allen Spielerinnen die Möglichkeit gegeben, den Verein zum 15. Februar zu verlassen. Norman hat super Arbeit geleistet und alle zusammengehalten«, lobte Hähner Trainer Rentsch. Allein Torhüterin Katja Kramarczyk entschied sich für einen Wechsel zum Bundesliga-Kontrahenten Bayer Leverkusen. Am Mittwochabend bewies die Mannschaft ihren starken Willen und gewann in Göppingen mit 27:25.

Norman Rentsch will seinen Job trotz aller Sorgen langfristig weiter beim HCL ausüben: »Es wurde immer gefordert, dass wir die Hosen runter lassen. Das tun wir in diesem Fall und ich hoffe, dass das honoriert wird. Der Frauensport in Leipzig wäre ohne den HCL nicht vorstellbar.« dpa/nd

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