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Marsch der Wissenschaftler

In Bertolt Brechts Drama »Leben des Galilei« beklagt der gealterte Titelheld seine Feigheit vor der Inquisition und spricht von den Wissenschaftlern als einem »Geschlecht erfinderischer Zwerge, die für alles gemietet werden können«. Die Atombombe, notierte Brecht 1945 unter dem Eindruck von Hiroshima und Nagasaki, sei nicht zuletzt das Produkt von Galileis Versagen, der »Erbsünde der modernen Naturwissenschaften«.

Auch der deutsche Schriftsteller Heinar Kipphardt thematisierte in seinem Schauspiel »In Sachen J. Robert Oppenheimer« (1964) die soziale Verantwortung des Wissenschaftlers. Statt dem Wohle aller zu dienen, ließen sich viele Forscher politisch vereinnahmen, stellt Oppenheimer in Kipphardts Stück selbstkritisch fest. »Wir haben die besten Jahre unseres Lebens damit verbracht, immer perfektere Zerstörungsmittel zu finden, wir haben die Arbeit der Militärs getan, und ich habe in den Eingeweiden das Gefühl, dass dies falsch war.«

Heute ist sich vermutlich die Mehrheit der Naturwissenschaftler ihrer sozialen Verantwortung bewusst. Am 22. April 2017, dem Welttag der Erde, findet in den USA erstmals ein »March for Science« statt. Erwartet werden Tausende, die in Washington und zahlreichen anderen Städten für die Freiheit der Forschung und gegen die Klimapolitik von US-Präsident Donald Trump demonstrieren. Denn kaum war dieser im Amt, verschwanden von der Website des Weißen Hauses sämtliche Informationen über den Klimawandel, den Trump bekanntlich leugnet und für eine »Erfindung der Chinesen« hält. Damit nicht genug dürfen die Mitarbeiter der US-Umweltschutzbehörde künftig nur noch nach Rücksprache mit der Regierung öffentliche Stellungnahmen abgeben. Auch Ärzteorganisationen schlagen Alarm angesichts eines Treffens von Trump mit einem prominenten Impfskeptiker.

Dass Wissenschaftler daran gehindert würden, ihre mit öffentlichen Mitteln gewonnenen Erkenntnisse publik zu machen, sei absurd, heißt es auf der Website der Organisatoren des »March for Science«. Der geplante Protest richtet sich aber auch gegen die von Trump eingeleitete Abschottung der USA. Wer den Austausch von Personen und Ideen behindere, so die Organisatoren, gefährde den Fortschritt der Wissenschaften, eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Lösung der drängenden Menschheitsprobleme. mak

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