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Auf der Suche nach Marcel Proust

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In Marcel Prousts Hauptwerk »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« berichtet der Ich-Erzähler von seinen verzweifelten Versuchen, sich an seine Kindheit und Jugend zu erinnern. Der Film im Kopf will einfach nicht die Bilder liefern, die es braucht, um die vergangene Wirklichkeit in gegenwärtige Vergangenheit zu manifestieren. Marcel Proust (1871-1922) lebte in einer Zeit, in der es bedauerlicherweise noch nicht viele Möglichkeiten gab, das eigene Gehirn auszutricksen, indem man ihm mit den Mitteln der Kinematographie Wirklichkeit vorgaukelt. Da sind wir heute in einer glücklicheren Lage. Spätestens mit Erfindung des Super-8-Films bleibt auch im Privaten nichts mehr undokumentiert. Wer kann denn schon heute mit Gewissheit sagen, dass die Ereignisse, die einem in den Kopf kommen, wenn man vom Sommerurlaub 1973 erzählt, wirklich die sind, die man höchstselbst erlebt hat, oder ob diese doch nur Produkt der Fantasie eines verwackelten Amateurfilms sind?

Von Proust gibt es nur Fotografien und keine filmischen Aufnahmen. Diese Feststellung muss man möglicherweise korrigieren. In der Zeitschrift »Revue d’études proustiennes« berichtet der kanadische Literaturwissenschaftler Jean-Pierre Sirois-Trahan von einem Fund, der für Aufsehen gesorgt hat. Bei der Entdeckung handelt es sich um einen Amateurfilm, gedreht am 14. November 1904 in Paris. Der 77 Sekunden lange Filmschnipsel zeigt eine Hochzeit in französischen Adelskreisen. Zu sehen ist der Auszug der Hochzeitsgesellschaft aus der Kirche. Zwischen den adeligen Herren und Damen huscht ein verloren wirkender junger Mann im grauen Gehrock die Stufen hinunter. Dass Proust Gast der Hochzeit war, gilt als belegt. Und die physiognomische Ähnlichkeit des jungen Mannes mit Proust ist frappierend. Stärkster Beleg dafür, dass es sich um Proust handelt, aber ist die Tatsache, dass die kurze Filmsequenz den Eindruck nahelegt, dass sich der Mann im Gehrock unwohl fühlt und bewusst von den übrigen Gästen absondert. jam Screenshot: CNC

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