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Eine feste Burg für Martin

TV-Tipp: »Katharina Luther« in der ARD

  • Von Katharina Dockhorn
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der frühe Verlust der Familie und die Liebe zu Martin Luther, das Streben nach persönlicher Freiheit und ökonomischer Unabhängigkeit prägten das Leben von Katharina von Bora. Mit diesen Wünschen eckte sie im Deutschland der Reformationszeit an. Diese Vision der »Lutherin« entwirft Regisseurin Julia von Heinz in ihrem künstlerisch herausragenden und klugen Fernsehfilm »Katharina Luther«, mit dem das Erste ins Reformationsjahr geht.

Wohltuend unterscheidet sich der Film um die Frau an Luthers Seite von Biopics, die Episoden chronologisch aneinanderreihen. Er zeigt zwei entscheidende Lebensphasen, in der die Beziehung von Katharina von Bora und Martin Luther mit dem religiösen und gesellschaftlichen Umbruch der Epoche verwoben ist.

Der Film orientiert sich dabei an Katharinas Biografie. Die Trennung von ihrer Familie brennt sich in die Seele des sechsjährigen Mädchens ein. Ihren eigenen Kindern wird sie später ein Leben hinter Klostermauern ersparen. In der Abgeschiedenheit des Klosters lernt sie Lesen, Rechnen, Landwirtschaft und Heilkunde - was sie nach ihrer Flucht zur Außenseiterin in Wittenberg macht. In der Männerwelt fanden Frauen ihr Auskommen nur durch Heirat oder als Hure.

Gegen diese Konventionen verstößt die energische Frau, die Luther ein Heim schafft und das Geld des in weltlichen Dingen vollkommen unbeholfenen Reformators zusammenhält. Im Jahre 1525 geht Katharina die Ehe mit dem Vater der Evangelischen Kirche ein, obwohl ihr selbst die befreundete Familie von Lucas Cranach dem Älteren von der Beziehung mit dem Vogelfreien und Verfemten abrät. Auf der anderen Seite beschwört Melanchthon Luther, diesen Tabubruch zu vermeiden. Die Ehe des einstigen Mönchs und einer entlaufenen Nonne ist für viele Wittenberger eine Sünde. Das Weltbild des mittelalterlichen Menschen ist noch geprägt von katholischem Aberglauben, Schreckensvisionen und Teufelsangst. Auch Katharina und Martin werden regelmäßig von Schreckensbildern heimgesucht.

Luther, ein stets wacher, unruhiger Geist, ringt mal voller Euphorie oder mal voller Verzweiflung mit den Folgen, die sein Thesenanschlag für Europas Ordnung hat. Ihn erschüttern die Gemetzel bei der Niederschlagung der Bauernaufstände, die der Reformator verurteilt hatte. Fortan wird er von seinen Gewissensbissen zerrissen. 20 Jahre später gibt er den Ärzten jüdischen Glaubens die Schuld am Tod seiner innig geliebten Tochter Magdalena. In seinem Schmerz schreibt er bis heute bestürzende antisemitische Schriften.

Den Reformator Luther hebt Devid Striesow kurz auf den Sockel, um ihn als Politiker und Mensch wieder herunterzustoßen. Sein Leben widmet Luther seinem theologischen Werk. Jahrelang lebt er in einem halbverfallenen Kloster, Geld hat er keines. Er ist ein Workaholic, schläft kaum, ernährt sich schlecht. Kurz, er ruiniert seine Gesundheit. Katharina wird sein Rettungsanker. Die Willenskraft der selbstbewussten Frau, ihre Sinnlichkeit und stetige Wärme spielt Karoline Schuch ausdrucksstark. Der Film ist aus dem Blickwinkel Katharinas erzählt. Die Kamera bleibt stets sehr nahe an den Gefühlen der Figuren.

Katharinas Haus wird ihre feste Burg in einer Stadt im Umbruch und in einer Ära des Übergangs. Ausstattung, Drehorte und das ausgefeilte Kamerakonzept unterstreichen dies. Mit Katharina bricht sich das Licht in einer dunklen Umgebung Bahn. Das finstere Mittelalter wird bald Geschichte sein, die Befreiung des Menschen von den Fesseln des Feudalismus hat begonnen.

ARD, 22.2., 20.15 Uhr

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