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Es ist etwas faul im Staate Siemens

Deutscher Konzern schließt profitable Windkraftfabrik in Dänemark

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: 3 Min.

Die dänische Kleinstadt Engesvang im Herzen Jütlands wird bald einen ihrer größten Arbeitgeber verlieren: Siemens hat angekündigt, seine Windkraftfabrik zu schließen und alle 430 Mitarbeiter zu entlassen.

Der deutsche Mischkonzern produziert hier seit zehn Jahren Rotorblätter, nachdem er 2004 einen dänischen Wettbewerber aufkaufte und selbst groß in das Windkraftgeschäft einstieg. Ein Siemens-Sprecher gab als Grund für die Schließung an, dass die Fabrik in Engesvang nur Flügel für Windräder von bis zu 50 Metern Höhe produzieren könne. In diesem Segment stagniere jedoch die Nachfrage, weltweit gehe der Trend hin zu Windrädern von 150 Metern und höher. Außerdem wolle Siemens die Produktion in der Windkraftsparte an weniger Standorten konzentrieren, um Kosten zu sparen. Auch Preis- und Rationalisierungsdruck seitens der Wettbewerber wurden als Begründung angeführt.

Im gleichen Atemzug unterstrich Siemens jedoch, dass die übrigen dänischen Standorte erhalten bleiben und auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der globalen Wertschöpfungskette des Konzerns spielen werden. Insbesondere die Turbinen- und Getriebeproduktion soll nach Firmenangaben weiter in Dänemark konzentriert bleiben. Aber auch hier müssen sich die Mitarbeiter auf Rationalisierungsmaßnahmen einstellen, die Jobs kosten. So wurde bereits Anfang des Jahres am Standort Aalborg die Entlassung von 150 Mitarbeitern angekündigt.

Die Pläne kommen in Dänemark äußerst schlecht an. So wird darauf hingewiesen, dass das Werk Engesvang nach wie vor profitabel arbeite und Siemens allein 2016 einen Gewinn von rund 400 Millionen Euro einbrachte. Umso befremdlicher ist es, dass der Konzern in anderen Weltgegenden, zum Beispiel in Mexiko, groß investiere und neue Fabriken eröffne.

Insgesamt muss die Konzentration auf weniger, dafür aber größere Produktionsstätten nicht nur vor dem Hintergrund der harten Konkurrenz in der Branche gesehen werden. Sie hängt auch mit der bevorstehenden Fusion mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa zusammen, wodurch Siemens zur Nummer eins weltweit aufsteigt. Auch der dänische Windenergieverband prognostiziert für 2017 weltweit weitere Konsolidierung unter den Herstellern. Im vergangenen Jahr war bereits die deutsche Traditionsfirma Nordex mit der Windsparte des spanischen Energiekonzerns Acciona fusioniert.

In Dänemark spielt die Produktion von Windrädern eine wichtige Rolle im industriellen Sektor. Etwa 30 000 Menschen sind hier beschäftigt, die 2015 einen Jahresumsatz von etwa 13,5 Milliarden Euro erwirtschafteten. Das Wohl und Wehe der Branche wird aber auch deshalb sehr genau verfolgt, weil die moderne Windkraftindustrie hier vor rund 50 Jahren ihre Geburt erlebte. Vestas, immer noch weltweit größter Produzent, gilt als nationales Kleinod. Doch auch dieser Konzern mit Sitz in Aarhus kündigte Ende 2016 an, 350 Mitarbeiter in einer dänischen Windradflügelfabrik zu entlassen. Auch hier wurde Rationalisierungsdruck zur Begründung angeführt. Vestas produziert arbeitsteilig an verschiedenen Standorten weltweit und hat kein Interesse, beispielsweise volumenträchtige Windradflügel per Schiff zur Montage nach Übersee zu verfrachten.

Im Geschäftsbericht 2016 führt Vestas an, dass die Zukunftsaussichten gegenwärtig äußerst positiv seien. Aber es wird auch angemerkt, dass das Unternehmen stets wettbewerbsfähig sein muss. Damit hält sich Vestas die Türen offen für Entscheidungen jeglicher Art, während das finanzielle Polster für eine weitere Expansion durchaus vorhanden ist. Der Konzerngewinn für 2016 betrug immerhin fast eine Milliarde Euro - nach allerdings einigen mageren Jahren.

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