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Eine Südkoreanerin aus Altenberg

Das ostasiatische Land macht Ausländern die Einbürgerung schwer, Spitzensportler genießen eine Ausnahme

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Noch 350 Tage sind es bis zur Eröffnung der Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang. Es werden die ersten Winterspiele in Südkorea sein, einem Land, das bis auf einige Eisschnellläufer, viele Shorttracker und die Eiskunstläuferin Kim Yuna kaum international erfolgreiche Ski- und Eissportler hervorgebracht hat. Da die Gastgeber aber im Medaillenspiegel möglichst weit vorn landen wollen, suchen sie nun außerhalb ihrer Grenzen nach Athleten, die für Südkorea Edelmetall sammeln können.

Zunächst hatten die Sportverbände noch auf ausländische Trainer für die Ausbildung junger Talente gesetzt. Nun sollen diese aber auch in fremden Gefilden fischen. Steffen Sartor etwa ist seit 2013 Cheftrainer von Südkoreas Rennrodelteam. Unter dem Namen Steffen Skel war er im Jahr 2000 mit dem deutschen Team noch Weltmeister geworden. Als Trainer zog es ihn aber schnell ins Ausland. Erst arbeitete er drei Jahre lang in Kanada, heute für Südkorea. Von der Idee seines Verbandspräsidenten, ausländische Sportler zu einem Nationenwechsel zu überreden, hielt Sartor zunächst nicht viel: »Wenn die eine Medaille holen können, wechseln sie doch nicht das Land«, dachte er. Eine hat er dann doch noch gefunden: Aileen Frisch.

Die 24-jährige Altenbergerin war 2012 Juniorenweltmeisterin, konnte sich danach in der starken deutschen Mannschaft aber nicht durchsetzen und beendete 2015 ihre Karriere. Sartor überredete sie, ihren Olympiatraum doch noch wahr werden zu lassen, und kurz vor Weihnachten 2016 bestand Frisch den Einbürgerungstest in Südkorea. Beim Weltcup in Oberhof fuhr sie Anfang Februar schon in ihrem neuen Rennanzug mit dem Schriftzug »KOREA« die Bahn hinab. Ab diesem Freitag wird sie beim Weltcup auf ihrer Heimbahn in Altenberg versuchen, die ehemaligen Teamkameradinnen etwas zu ärgern.

Auch sonst verbringen Sartor und Frisch ziemlich viel Zeit in der alten Heimat. »Das Grundlagentraining im Mai und Juni machen wir in Altenberg«, sagt Sartor. Den Rest des Jahres wechselt er dann im Zwei-Wochen-Rhythmus zwischen Deutschland und Südkorea, bis er im Winter mit dem Team von einem Weltcuport zum nächsten fliegt. Seit Neuestem ist auch Frisch mit dabei.

Die Sächsin ist nicht die Einzige, die Südkoreas Staatsbürgerschaft angenommen hat. Mehr als zehn Prozent des Olympiateams 2018 werden wohl eingebürgerte Koreaner sein. Doch ein schlechtes Gewissen muss das Land nicht haben. 2006 hatte Shorttracker Ahn Hyun-soo dreimal Gold aus Turin mit nach Hause gebracht. Einen folgenden Streit mit dem eigenen Verband nutzten die Russen aus. Sie überredete ihn zum Nationenwechsel und freuten sich über drei Goldmedaillen des in Wiktor Ahn umbenannten Ausnahmesportlers.

Südkoreas Biathleten haben den Spieß nun umgedreht und seit 2016 in Andrei Prokunin einen russischen Trainer. Dem folgten schon drei Landsleute nach Ostasien, und da mit Timofei Lapschin noch ein vierter auf die Einbürgerung wartet, könnten im Mixed-Wettbewerb von Pyeongchang Jekaterina Awakumowa, Anna Frolina (ehemals Bulygina), Alexander Starodubets und Lapschin quasi unter südkoreanischer Flagge eine zweite russische Staffel stellen. Die Medaillenchance ist jedoch gering.

Im Eiskunstlauf warten derzeit zwei US-Amerikaner und ein Russe auf neue Pässe. Sie starten schon seit Langem im Eistanz und Paarlauf an der Seite von südkoreanischen Läuferinnen. Bei Welt- und Kontinentalmeisterschaften ist das erlaubt, bei Olympia dürfen aber nur »mononationale« Teams antreten. In den beiden Eishockeyteams werden bei Olympia vermutlich sogar sieben Männer und drei Frauen aus den USA und Kanada für Südkorea spielen. Die Männer besiegten kürzlich erstmals seit 34 Jahren Japan. Trotzdem wird auch das kaum zu einer Olympiamedaille reichen.

Einbürgerungen sind in Südkorea ansonsten schwierig und äußerst langwierig. Nur wer spezielle Fähigkeiten nachweist, kann auf eine Beschleunigung hoffen. Im Land ist die derzeitige Welle solcher Schnellverfahren im Sport umstritten. Kim Yoon-kyum, Sportprofessor an der Nationaluniversität von Seoul, bezweifelt, »dass diese Athleten Medaillen gewinnen werden, weil sie sich in ihrer Heimat schon nicht durchsetzen können.« Zudem wird befürchtet, dass die Sportler das Land nach den Spielen doch schnell wieder verlassen werden.

Die Verantwortlichen argumentieren, dass ihnen Medaillen nicht wichtig seien. »Wir hoffen vielmehr, dass diese Athleten mehr eigene Talente für unserem Sport motivieren«, sagt etwa Park Chul-sung, Generalsekretär des Biathlonverbands. Doch selbst Rodeltrainer Steffen Sartor zweifelt an dieser Aussage: »Ich denke, es geht vor allem darum, im Medaillenspiegel weiter oben zu landen.«

Ein koreanisches Phänomen ist das übrigens nicht. Auch die Japaner (1998) und die Italiener (2006) packten ihre Eishockeyteams vor den Heimspielen mit eingebürgerten Amerikanern und Kanadiern voll. Und für Deutschland wird ein Eiskunstlaufpaar in Pyeongchang starten, das aus einem gebürtigen Franzosen und einer Ukrainerin besteht.

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