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Mossul, die blutende Metropole

Irakische Armee verkündet neue Offensive auf IS-Hochburg / Die Bevölkerung leidet

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Lage in Mossul sei dramatisch, berichten jene, die es an Sprengfallen, Posten des Islamischen Staats, den kritischen Blicken der schiitischen Milizen, die in jedem Flüchtling einen IS-Sympathisanten vermuten, vorbei schaffen, und dabei nicht zuletzt den Kämpfen entgangen sind.

Seitdem die irakische Armee, unterstützt durch schiitische, sunnitische, kurdische Milizen und die Luftwaffe der USA eine neue Offensive auf die IS-Hochburg begonnen hat, wird vor allem im Westen der Stadt erbittert gekämpft. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser sei komplett zusammen gebrochen, berichten Geflüchtete. Das UN-Flüchtlingshilfswerk schätzt, dass bis zu 750 000 Menschen betroffen sein könnten. Zudem fehlten Strom, Gas und Benzin, die in dieser Jahreszeit vor allem zum Heizen wichtig sind. Zwar ist es in der Region tagsüber recht warm, doch nachts sinken die Temperaturen auf durchschnittlich fünf Grad ab - in einer Region, in der Gebäude durchweg schlecht isoliert sind, ist das wenig. Zudem seien viele Menschen vor den Kämpfen in andere Stadtteile geflohen, lebten dort auf der Straße.

Die irakische Regierung verbreitete am Donnerstag indes Erfolgsmeldungen: Mittlerweile habe das Militär mit Unterstützung von Polizeitruppen den Flughafen der Stadt erobert; man komme »schnell« voran, so ein Sprecher von Regierungschef Haider al-Abadi. Wie schnell man allerdings in der Stadt selbst voran kommt, mag man im Büro des Premiers ebenso wenig beantworten wie die Frage nach zivilen und militärischen Opfern: »Unsere Soldaten sind sehr gut ausgebildet und tun alles, um ihr Leben und das Leben anderer zu schützen.«

Für die Regierung sind beides neuralgische Punkte: Nachdem der Vormarsch auf Mossul im Oktober begann, hatte Abadi mitten in der Nacht in Militäruniform im Fernsehen angekündigt, die Stadt werde schnell erobert sein. Nachdem dies nicht passierte, steht die Regierung nun in der Kritik. Weil für die Offensive ein erheblicher Teil der Polizeikräfte aus dem Großraum Bagdad und anderen Zentren abgezogen wurde, hat sich die ohnehin schon traditionell angespannte Sicherheitslage vor allem in der Hauptstadt verschärft.

Anfang der Woche traf US-Verteidigungsminister Jim Mattis dann unangekündigt mit Abadi zusammen, nachdem Präsident Donald Trump seit seiner Amtsübernahme mehrmals für Ärger in Bagdad gesorgt hatte. Zunächst erklärte er in einer Rede vor Mitarbeitern der CIA, die USA hätten das irakische Öl behalten sollen: »Aber okay, vielleicht bekommt man eine weitere Gelegenheit.« Dann kam der US-Einreisestopp, der unter anderen Iraker betraf.

Und so tat Mattis in Bagdad nun das, was US-Regierungsvertreter seit dem 20. Januar regelmäßig tun: Er sagte, er müsse Informationen sammeln. Und relativierte dann Trumps Aussagen: Man werde kein Erdöl beziehen, dass man nicht bezahlt habe.

Bis Ende des Monats soll Mattis Trump ein Konzept für eine Ausweitung des Kampfes gegen den IS vorlegen; im Raum steht neben einer Ausdehnung der Militärhilfen, auch für Milizen, eine Entsendung von US-Bodentruppen. Zwar sind in Irak noch bis zu 5000 US-Soldaten stationiert, die aber bislang offiziell nicht direkt an den Kämpfen teilnahmen. Anfang der Woche hatte der Kommandeur der US-Truppen in Irak, Generalleutnant Stephen Townsend, allerdings bekannt gegeben, dass man 450 »Militärberater«, die aus Elite-Kampfeinheiten stammen, an die Front verlegt habe; am Donnerstag verlautete dann, dass 150 davon in Kämpfe verwickelt waren.

Das Weiße Haus schickt sich indes an, unter anderem die Bundesregierung zu drängen, sich stärker am Kampf gegen den IS zu beteiligen. »Es wird mit Sicherheit kommen«, heißt es in der US-Botschaft in Baghdad. Bislang bildet die Bundeswehr die Peschmerga aus, das De-facto-Militär der Autonomen Region Kurdistan.

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