Zahl der Toten im zentralen Mittelmeer steigt

Internationale Organisation für Migration zählte im laufenden Jahr bereits 326 Todesopfer / Gabriel und Asselborn zweifeln an Auffanglagern in Nordafrika

Genf. Immer mehr Flüchtlinge sterben laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf der gefährlichen Überfahrt von Libyen nach Italien. Von Anfang Januar bis Mittwoch dieser Woche seien 326 Menschen auf der sogenannten zentralen Mittelmeerroute ertrunken oder an Bord der Schleuserboote ums Leben gekommen, teilte die IOM am Freitag in Genf. Rund 10.700 Menschen hätten Italien lebend erreicht.

Im selben Zeitraum des Vorjahres seien 97 Flüchtlinge und Migranten auf der zentralen Mittelmeerroute gestorben, hieß es. Rund 8.100 Menschen, die in Libyen an Bord gegangen seien, hätten seinerzeit die Küsten Italiens erreicht.

Die IOM erläuterte, dass Schlepperorganisationen verstärkt die riskante zentrale Mittelmeerroute wählten. Sie pferchten die Menschen erbarmungslos in morsche und seeuntaugliche Boote, ohne sich um das Schicksal der Passagiere zu scheren. Die meisten Menschen flüchteten vor Armut und Gewalt in Afrika.

Zu den Plänen von Kanzleramt und Innenministerium über Auffanglager für Flüchtlinge in Nordafrika zeigt sich Außenminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel derweil skeptisch. »Ich habe meine Zweifel, ob das alles reiflich überlegt und wirklich durchdacht ist«, sagte Gabriel dem Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« vor der Reise von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Ägypten und Tunesien Ende kommender Woche. Während auch Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn das Vorhaben kritisch sieht, kam vom österreichischen Innenminister Wolfgang Sobotka Unterstützung.

Gabriel sagte, abgesehen von »schwierigen rechtlichen und politischen Fragen« solle man die Lage der betroffenen Länder im Blick haben. Tunesien ringe um seine demokratische Entwicklung. »Wir sind gut beraten, dem Land nicht gegen seinen erklärten Willen Maßnahmen aufzuzwingen, die nur zu einer Destabilisierung führen können.«

Asselborn sagte dem Magazin: »Es entspricht nicht europäischen Werten, Menschen, die wir im Mittelmeer retten, in nordafrikanische Lager zu verfrachten.« Es gebe keinen sicheren Ort außerhalb Europas. Sobotka sagte dagegen dem »Spiegel«: »Wir brauchen einen funktionierenden Außengrenzschutz Europas und Möglichkeiten einer legalen Einreise. Wer auf anderem Wege zu uns kommt, muss die Heimreise antreten.« Er sei in enger Abstimmung mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Agenturen/nd

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