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Harry Belafonte zum 90. Geburtstag

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Mir ist bewusst, dass wir heute in einer Welt leben, die überquillt vor Grausamkeit und Zerstörung. Unsere Erde fällt auseinander, unser Geist stumpft ab, unsere moralischen Ziele und unsere schöpferischen Visionen kommen uns abhanden. Und doch glaube ich fest daran, dass unsere beste Zeit noch vor uns liegt.« Als Harry Belafonte in seiner Autobiografie »My Song« dieses gleichermaßen pessimistische wie optimistische Statement schrieb, gab es weder den Bürgerkrieg in Syrien noch einen US-Präsidenten Donald Trump. Heute sagt der Bürgerrechtler, Sänger und Schauspieler, der an diesem Mittwoch 90 wird: »Dieser letzte Abschnitt meines Lebens fasziniert mich. Ich habe das Gefühl, als blickte ich von außen auf mich selbst, auf meine eigene Geschichte. Und ich habe nicht die geringste Ahnung, was auf der nächsten Seite stehen wird.«

Harold George Belanfanti jr. erblickte am 1. März 1927 im New Yorker Stadtteil Harlem das Licht der Welt. Aufgewachsen ist der Sohn eines Matrosen aus Martinique und einer Hilfsarbeiterin aus Jamaika allerdings im Heimatland der Mutter. Zurück in New York wurde er durch seinen Freund, den Schauspieler Paul Robeson, und den deutschen Regisseur Erwin Piscator mit dem Theatervirus infiziert. Auf einmal stand Belafonte gemeinsam mit Sidney Poitier auf einer Bühne. 1954 spielte er unter der Regie des Österreichers Otto Preminger seine erste Kinohauptrolle in der Opernverfilmung »Carmen Jones«. 1957 landete er mit seiner Version des jamaikanischen Calypsovolkslieds »Banana Boat Song (Day-O)« einen Welthit. Ähnliche Erfolge bescherten ihm »Matilda« und »Island in the Sun«. Aufgrund seiner wachsenden Popularität in den USA bekam das Allroundtalent sogar eine eigene Fernsehshow (»Tonight with Belafonte«). Dafür wurde ihm - als erstem Schwarzen - 1960 ein Emmy verliehen.

Harry Belafonte drehte in seiner beispiellosen Karriere Dutzende Filme in Hollywood. Er spielte unzählige Konzerte auf der ganzen Welt und verkaufte Millionen Platten. 1985 initiierte er das Benefizbandprojekt »USA for Africa«, wofür er mit einem Grammy ausgezeichnet wurde.

Würde er rückblickend irgendetwas an seinem Leben ändern wollen? »Ja«, sagt er und lacht. »Ich hätte meine letzte Frau zuerst geheiratet.« Schon sehr früh habe er gelernt, dass seine persönliche Herausforderung darin bestand, ein Leben ohne Möglichkeiten ins Gegenteil zu drehen. Denn er wurde in Armut hineingeboren und wollte da raus. »Ich wollte immer ein erfolgreiches Leben. Aber ich toleriere keine Ungerechtigkeiten. Das ist praktisch in meiner DNA verankert«, sagt Belafonte. Das war wohl auch die Voraussetzung dafür, dass er Menschen wie Martin Luther King, Nelson Mandela und Marlon Brando begegnete.

Donald Trump, dessen Administration Belafonte als »Viertes Reich« bezeichnet, sieht er als Fortführung der Geschichte. Trotz ihrer Toleranz und Großzügigkeit habe die amerikanische Nation auch eine negative Komponente. Und an diese Werte erinnere ihn der Präsident Trump.

Belafonte bezeichnet sich rückblickend nicht als einen Künstler, der Aktivist, sondern als einen Aktivisten, der Künstler geworden ist. In seinen Augen haben Künstler unvorstellbare Macht. Bedeutender als die Macht sei aber die Tatsache, dass »Künstler die Pförtner am Tor zur Wahrheit sind. Ihre eigentliche Mission ist, die Wahrheit aufzuzeigen und Menschen emotional zu berühren.«

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