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Dopingkontrolle per GPS-Ortung

Ex-Leichtathlet Jonas Plass will mit einem neuen Gerät Daten von Spitzensportlern schützen

Sie mussten zehn Jahre lang regelmäßig ihren Aufenthaltsort preisgeben. Wie war das für Sie?
Zuerst war ich in einem Testpool. Ich musste meinen Wohnort angeben und mich nur abmelden, wenn ich mich mal länger als 72 Stunden von dort entfernte. 2006 fing mein Zivildienst an. Ich war also in der Woche immer da, und ein Wochenendausflug dauerte nie länger als 72 Stunden. Ich habe mich also nie abgemeldet, allerdings hätte ich es für mein Trainingslager machen sollen. Als ich nach zwei Wochen zurückkam, sagte mein Vater: «Da war jemand von der NADA und wollte dich kontrollieren.» Schon hatte ich also meinen ersten «missed test». Es blieb zwar mein einziger, aber ich hatte immer Angst, mir zwei weitere einzufangen und dann gesperrt zu werden. Also habe ich mir in meiner Studentenwohnung einen Zettel an die Tür geklebt, auf dem ich groß «ADAMS» geschrieben habe – als Erinnerung, ob ich mich auch abgemeldet hatte.

Wie oft haben Sie Ihre Daten abgegeben und für welche Zeiträume?
Man muss quartalsweise seine Angaben eintragen, also bis zu drei Monate im Voraus. Da ging es um Übernachtungsorte und regelmäßige Tätigkeiten, also Schul- und Arbeitszeiten. Da ich allein trainierte, konnte ich meine Tage recht frei einteilen, habe also kaum etwas reingeschrieben.

Was hat Sie am meisten gestört?
Zunächst ist es schwer, so lange im Voraus zu wissen, was man an einem bestimmten Tag tun wird. Und später muss man sich daran erinnern, was man für diesen Tag eingetragen hat. Inzwischen gibt es zwar auch eine App von ADAMS fürs Handy, um kurzfristig Einträge zu ändern, aber die ist immer abgestürzt. Daher habe ich das am Heimrechner gemacht. Ich habe oft die Straßenbahn verpasst, weil mir auf dem Weg dahin einfiel, dass ich meine Angaben noch ändern musste. Das war einfach nervig. Dabei gibt es mit den heutigen technologischen Möglichkeiten Alternativen zu diesem veralteten System.

Die Technik schreitet aber weltweit nicht gleich schnell voran.
Das stimmt, aber das macht ADAMS nicht besser. Die Welt-Antidoping-Agentur WADA hat eine Liste, in welchen Ländern ADAMS genutzt wird. Auch das ist also nicht weltweit verbreitet, da jeder Athlet dafür einen Internetzugang braucht. Die WADA akzeptiert also ohnehin diese Lücke. Da kann ich verstehen, dass mir viele Athleten sagen, ein neues System wäre schön, aber es ist erst mal wichtiger, einen einheitlichen Standard zu schaffen. Mit unserer Technologie setzen wir aber auch bewusst auf eine SMS-Übertragung von GPS-Daten, so dass nur noch der Kontrolleur, nicht aber der Athlet einen Internetzugang benötigt.

Wie genau funktioniert das?
Der Kontrolleur loggt sich auf unserer Plattform ein, und sieht wen er kontrollieren soll. Von dem Athleten kann dann er die Position abfragen. Das GPS-Gerät des Sportlers, ein sogenanntes Wearable, wird aktiviert und sendet die Daten verschlüsselt zurück an den Kontrolleur. Der Athlet bekommt das natürlich nicht mit.

Was passiert, wenn der Athlet plötzlich Tausende Kilometer weit weg im Höhentrainingslager ist?
Unser Wearable ist nur ein Zusatz. Natürlich brauchen die Dopingkontrolleure eine Planungsgrundlage. Die Athleten müssten aber ihre Daten nicht mehr so detailliert angeben. Da wollen wir mit der NADA absprechen, ob es zum Beispiel sinnvoll ist, nur angeben zu müssen, wenn man sich weiter als 150 Kilometer vom Wohnort weg bewegt. Dann stünde im Kalender an diesem Tag eine andere Stadt, aber keine genaue Adresse mehr.

Man denkt sofort an Fußfesseln und Dauerüberwachung.
Eine Fußfessel schickt dauerhaft Aufenthaltsorte und zeichnet Bewegungsprofile auf. Unser Gerät befindet sich nur im Standby-Modus. Es sendet erst Daten, wenn sie der beauftragte Kontrolleur abfragt.

Und wenn der Athlet unterwegs ist und ständig die Position ändert?
Dann kann der Kontrolleur die Position neu abfragen. Momentan hat er mit dem ADAMS-Kalender und dem Telefon zwei Hilfsmittel, um einen Sportler zu finden. Wir schaffen noch ein weiteres. Das heißt nicht, dass er den Sportler nicht immer noch anrufen kann. So wäre es auch, wenn der Sportler das Gerät irgendwo vergisst oder nicht aufgeladen hat.

Der Athlet soll zudem Schutzzonen einrichten dürfen, in denen er nicht kontrolliert werden will.
Ja. Solche «Geofences» werden ohnehin hinterlegt sein. Das sind besonders schützenswerte Bereiche wie Friedhöfe, Krankenhäuser und Kirchen, in denen ein Kontrolleur niemanden stören sollte. Dort wird ihm keine genaue Position des Gesuchten angezeigt, sondern nur ein größerer Bereich. Der Athlet kann zusätzlich selbst noch «Geofences» anlegen, wo es für ihn persönlich besonders schützenswerte Bereiche gibt.

Sind das nicht Rückzugsorte für dopende Athleten?
Seien wir ehrlich: Momentan wird der Athlet wahrscheinlich bei jeder zweiten Kontrolle vorher angerufen, weil er sich nicht genau da aufhält, wo er es angegeben hat. Dann wird ein Treffpunkt ausgemacht und die Kontrolle durchgeführt. Das ist dann auch mit den Geofences noch möglich. Der Kontrolleur begibt sich in den angegeben Bereich, ruft den Sportler an und sagt: «Ich weiß, sie sind hier in der Nähe. Wir müssen eine Dopingkontrolle durchführen. Wo genau können wir uns treffen? Dann muss der Athlet seinen Aufenthaltsort nicht preisgeben, kann sich der Kontrolle aber auch nicht entziehen.

Ist ihr Gerät schon einsetzbar?
Wir sind seit 2013 im Austausch mit der NADA und müssen noch einige Parameter absprechen. Technisch müssen wir das System noch so stabil zum Laufen bekommen, dass es zu einer Markteinführung kommen kann. Ende des Jahres werden wir aber sicher schon sehr weit sein. Entwicklung des Geräts mit allen Komponenten ist dann aber immer äußerst teuer. Noch ist unser Prototyp größer, als wir ihn haben wollen. Wir benötigen noch einen sechsstelligen Betrag. Dafür suchen wir Sponsoren.

Die Geräte muss am Ende auch jemand bezahlen. Kommen da auf die Sportler Zusatzkosten zu?
Wer sie bezahlt, ist noch offen, aber es soll auf keinen Fall der Athlet sein. Er muss sich dem Dopingkontrollsystem unterwerfen. Dafür kann von ihm nicht noch eine Gebühr verlangt werden. Ich weiß, die Etats beim Bundesinnenministerium und der NADA sind nicht üppig. Aber ich weiß auch, dass wir die Effizienz der Kontrollen steigern können.

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