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Blicke über den Tellerrand

In UNESCO-Schulen stehen Menschenrechte im Unterricht ganz oben - ein Besuch in Leipzig

  • Von Hendrik Lasch, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bald wird auf dem Freigelände der Carl-von-Linné-Schule in Leipzig eine Fichte gepflanzt. Warum? »Das ist der Baum des Jahres«, sagt Zweitklässlerin Helene. Jeder Baum, der mit diesem Titel gewürdigt wird, findet auf dem weitläufigen Areal einen Platz: die Winterlinde von 2016, der Feldahorn vom Jahr davor, die Wildbirne von 1998. Sie steht zwischen einem Teich, in dem Schüler Molche beobachten können, und Beeten mit Färberpflanzen. Deren gelbe und blaue Farbstoffe, sagt Lehrerin Birgit Herzog, »nutzen wir im Kunstunterricht«.

In der grünen Oase am Schulhaus sollen Erst- bis Viertklässler lernen, wie Pflanzen und Insekten gedeihen und geschützt werden können. In der Linné-Schule haben Themen wie Naturschutz und Nachhaltigkeit einen besonderen Stellenwert: Die Grundschule im Leipziger Norden ist eine UNESCO-Projektschule. Im Jahr 2005 wurde ihr der Titel von der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur für zunächst fünf Jahre verliehen; seither hat sie ihn zweimal verteidigt, sagt Herzog, die UNESCO-Koordinatorin der Schule ist.

Das weltweite Netzwerk der UNESCO-Schulen hat eine lange Tradition; es wurde 1953 gegründet. Von den 13 sächsischen Projektschulen haben drei den Titel schon in der DDR erhalten. Die beteiligten Schulen widmen sich in besonderer Weise der Friedens- und Demokratieerziehung, den Menschenrechten, der Erinnerungskultur und einer nachhaltigen Entwicklung. Sie trügen so dazu bei, dass »die nachwachsenden Generationen schon heute an das Morgen denken - an eine sichere, friedliche und saubere Zukunft«, sagt Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth von der CDU. Die Linné-Schule gehört dabei zu den Vorzeigeeinrichtungen. Ihre Schüler kümmern sich nicht nur um den Schulpark; sie pflegen auch einen Austausch mit einer Schule in Bolivien, führen Theaterstücke gemeinsam mit geistig behinderten Schülern einer Nachbarschule auf und machen die Leipziger bei bunten Aktionen in der Innenstadt auf Themen wie Lichtverschmutzung aufmerksam. Oder sie entwerfen Spendenmarken für Weihnachtskarten, die sie dann an Menschen schicken, »denen sie mal Dank sagen wollen«, sagt Herzog. Generell pflege man nicht nur in Projektwochen, sondern auch im tägliche Unterricht »den speziellen UNESCO-Blick«.

Die Motive dafür seien nicht finanzieller Natur, betont Roswitha Buckendahl, die bis vor kurzem Regionalkoordinatorin für Sachsen war. Zwar gibt es im Etat des Freistaats, anders als in anderen Bundesländern, einen eigenen Fördertopf für die UNESCO-Schulen. Die Zuwendungen stehen aber in keinem Verhältnis zum anspruchsvollen Aufnahmeverfahren, das bis zur Verleihung des Titels Jahre dauert. Diesen strebe man aus ideellen Gründen an, sagt Buckendahl: »Damit Schüler zu Menschen werden, die offen sind, den Friedensgedanken in sich tragen, sich in der Gesellschaft engagieren.« Für den UNESCO-Titel, fügt Birgit Herzog an, »muss man brennen.«

Viel hängt dabei von engagierten Lehrern ab wie Birgit Herzog oder ihrem Kollegen Ingolf Thiele, der an der 94. Oberschule im Leipziger Stadtteil Grünau einen UNESCO-Neigungskurs leitet. Dieser forscht zur Biografie eines im KZ ermordeten Leipziger Juden und wird am 27. Mai einen Stolperstein vor dessen einstigem Wohnhaus verlegen.

Themen wie Demokratie und Menschenrechte ließen sich aber auch im ganz normalen Unterricht verankern, selbst im von ihm unterrichteten Fach Musik, sagt der junge Lehrer. Er bringt das Prinzip der UNESCO-Schulen auf einen einfachen Nenner: »Man lernt mit Blick über den Tellerrand.«

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