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Eisbären mit großen Plänen

Die Berliner starten mit einem 3:1-Heimsieg gegen Straubing in die Pre-Playoffs

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Hatten die Eisbären-Fans den Glauben an ihre Lieblinge verloren, nach der unbefriedigenden Hauptrunde mit Platz acht doch noch in die Spur zu kommen? Jedenfalls begann die drei Spiele umfassende Pre-Playoff-Serie, aus der man sich mit zwei Siegen für das Viertelfinale in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) qualifiziert, mit einem Minusrekord: Nur 9617 Zuschauer waren am Mittwochabend in die Arena am Ostbahnhof gekommen.

Die dennoch stimmungsvoll unterstützten Eisbären legten gegen den Hauptrundenneunten ordentlich los und schienen an die beiden zuletzt siegreichen Hauptrunden-Heimspiele (5:4 gegen Ingolstadt, 4:1 gegen Iserlohn) anzuknüpfen. Dabei tat sich vor allem ein Mann hervor, der von Trainer Uwe Krupp zuletzt aus dem Aufgebot gestrichen worden war: der 28-jährige Kanadier Jamie MacQueen. Er sorgte nach 12 Minuten in Überzahl für das 1:0. In der Folgezeit überstanden die Gastgeber eine kritische 3:5-Unterzahlsituation und retteten den Vorsprung in die Drittelpause.

Danach riss der Spielfaden. Straubing diktierte das zweite Drittel so eindeutig, dass man um die Eisbären fürchten musste, hätte nicht ihr überragender Torwart Petri Vahanen Schlimmeres verhindert. Nur beim Gegentor (32.) war er machtlos.

Im Schlussdrittel überschlugen sich dann die Ereignisse. Als neun Minuten vor Ende erneut MacQueen zum 2:1 einschoss, mussten die Schiedsrichter den Videobeweis heranziehen, um ein Torraumabseits auszuschließen. Nun riskierten die Straubinger alles, nahmen für einen sechsten Spieler ihren Torwart vom Eis. 45 Sekunden vor Schluss zirkelte Eisbären-Verteidiger Constantin Braun mit einem Weitschuss den Puck ins leere Straubinger Tor. Doch der Treffer zählte nicht, weil Braun zuvor ein Foul begangen hatte. Als er dafür auch noch auf die Strafbank musste, begann eine Eisbären-Zittereinlage. Straubing drängte in Überzahl auf den Ausgleich. Schließlich war es der Berliner Angreifer Marcel Nobels, der erst vor einer Woche nach langer Verletzungspause wieder zurückgekehrt war, der zwei Sekunden vor der Schlusssirene mit einem maßgenauen Weitschuss ins leere gegnerische Tor zum 3:1 die Eisbären erlöste.

Trainer Uwe Krupp blieb dennoch zurückhaltend. »Es war ein ordentliches Spiel«, so sein knapper Kommentar. Kein überzeugendes, wie er ergänzte. »Wir haben den ersten Schritt getan, nicht mehr und nicht weniger.« In der Tat steht noch ein hartes Stück Arbeit vor den Eisbären im Rückspiel am Freitag in Straubing und gegebenenfalls im dritten und entscheidenden Match am Sonntag wieder in Berlin. Denn alle Negativserien, von denen Jans Baxmann glaubt, sie würden diesmal gebrochen, sprechen gegen die Eisbären. Noch nie haben sie sich in den Pre-Playoffs durchgesetzt. Drei Mal spielte der DEL-Rekordmeister in dieser Vorqualifikationsrunde - und verlor drei Mal mit 1:2: 2015 gegen Nürnberg, 2014 gegen Ingolstadt und 2007 gegen Frankfurt.

Und auch das Spiel am Freitag in Straubing steht unter den unguten Vorzeichen der eklatanten Berliner Auswärtsschwäche: Zuletzt gingen zwölf (!) Partien in Folge verloren. Zudem gelang in dieser Saison in Straubing noch kein Sieg. »Aber wir haben es selbst in der Hand, nach einer nicht so guten Saison noch durchzustarten«, gab sich Baxmann trotzig.

Sollte den Eisbären tatsächlich der Einzug ins Viertelfinale gelingen, so wäre beim Start der »Best of seven«-Serie am 7. März vermutlich der Hauptrundenzweite Adler Mannheim der Gegner. Denn es deutet sich an, dass der Aufsteiger Fischtown Pinguins Bremerhaven nach dem überraschenden 4:1-Auswärtssieg im ersten Pre-Playoff-Spiel in Ingolstadt weiterkommt und somit auf den Titelverteidiger Red Bull München träfe.

Doch wie auch immer die Saison für die kriselnden Berliner endet - seit zehn Tagen weht dort ein neuer Wind. Der frühere NHL-Star Luc Robitaille wurde zum neuen Aufsichtsratschef des Klubs ernannt. Nach drei enttäuschenden Spieljahren hatte der amerikanische Milliardär Philip Anschutz die Reißleine gezogen. Er beorderte den 51-jährigen Kanadier Robitaille vom NHL-Klub Los Angeles Kings - die Kings gehören wie die Eisbären zur US-amerikanischen Anschutz Entertainment Group - nach Berlin und übertrug dem Kings-Manager in Doppelfunktion sowohl die sportliche als auch wirtschaftliche Verantwortung. Dies kommt einer Entmachtung des Geschäftsführers Peter John Lee und des Sportdirektors Stefan Ustorf gleich. Beide stünden aber nicht vor einer Ablösung, wie der neue Aufsichtsratschef bei seinem Antrittsbesuch in Berlin versicherte.

Fakt aber ist, dass der einstige Weltklassestürmer Robitaille nun in allen Fragen vom Geschäftsführer Lee telefonisch kontaktiert wird. Seine Pläne mit den Eisbären verkündete er in Berlin selbst: »Wir haben hohe Ansprüche. Wir wollen Meister werden - jedes Jahr.« Vom achten DEL-Meistertitel sind die Eisbären derzeit allerdings noch meilenweit entfernt. Der Einzug ins Viertelfinale wäre zumindest ein erster Schritt aus der sportlichen Krise.

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