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Die Schattenseiten des Jobwunders

Arbeitsagentur sieht trotz guter Bedingungen am Berliner Arbeitsmarkt Handlungsbedarf

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

Der langfristig positive Trend bei der Erwerbslosigkeit in Berlin setzt sich fort: Im Februar gab es rund 59.000 Beschäftige mehr als das im selben Zeitraum im Vorjahr der Fall gewesen ist. Zudem sind aktuell noch 7000 Ausbildungsstellen für Jugendliche unbesetzt. Das sagte Bernd Becking, Vorsitzender der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, bei einer Anhörung vor dem Arbeits- und Sozialausschuss des Abgeordnetenhauses am Donnerstag. Insgesamt ist die Arbeitslosenquote in Berlin nach einem leichten Anstieg im Januar von 9,8 auf 9,6 Prozent im Februar gesunken.

»Der Arbeitsmarkt ist momentan überaus aufnahmefähig«, so Becking. »Insbesondere in den Branchen Tourismus und Digitalwirtschaft schaffen die Arbeitgeber in Berlin neue Beschäftigungsplätze«, erklärte der Arbeitsagenturchef. Trotz der generell positiven Entwicklungen gebe es aber weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Becking benannte in seinen Ausführungen die Stellen, an denen der Schuh am meisten drückt: So müsse die hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen spürbar reduziert, der Berufseinstieg für Jugendliche und Flüchtlinge weiter verbessert und die Berufsqualifikationsprogramme nachhaltiger ausgerichtet werden.

»Im Vergleich zu anderen Bundesländern sind die Qualifikationsangebote der Jobcenter in Berlin durchaus nachhaltig. Das Problem besteht aber darin, dass die Menschen häufig nicht dauerhaft in ihrem Job bleiben«, sagte Becking. Da 90 Prozent der Arbeitsplätze in Berlin einen Berufsabschluss erforderten, sei die abschlussorientierte Qualifizierung einer der wichtigsten Leitgedanken für die kommenden Jahre. Hoffnungen, wie die Zahl der Erwerbslosen weiter gesenkt werden kann, setzt die Arbeitsagentur auch in das sogenannte Work-First-Modell. Im Zentrum steht dabei die Überlegung, von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffene und Menschen nach ihrem Jobverlust so schnell wie möglich wieder in Lohn und Brot zu bringen. Eine Gruppe von Erwerbslosen wird dabei von einem Arbeitsvermittler betreut. Dieser hilft ihnen dabei, Bewerbungen zu schreiben und sie motivierend auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (LINKE) dankte der Arbeitsagentur für die gute Zusammenarbeit. Es habe sich schon viel getan, dennoch dürfe man jetzt nicht euphorisch werden. »Weiterhin positiv ist die Entwicklung auf dem Berliner Arbeitsmarkt. Dennoch sind 179.603 Menschen in Berlin arbeitslos. Ein Erwerbsloser ist einer zu viel«, sagte Breitenbach. Es müsse mehr existenzsichernde Arbeitsverhältnisse und einen deutlichen Rückgang prekärer Beschäftigung geben. Nach Recherchen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ist jedes vierte von zehn Arbeitsverhältnissen in Berlin als prekär einzustufen. Dazu zählen Leiharbeit, unfreiwillige Teilzeit sowie befristete Werkverträge.

Mit Blick auf die die Eingliederung von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt nahm die Arbeitssenatorin die Wirtschaft in die Pflicht. »Die Unternehmen in der Hauptstadt haben eine Verantwortung, geflüchtete Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren«, erklärte Breitenbach. Damit Vermittlung und Berufseinstieg besser gelingen, will der Senat mit berufsbezogenen Sprachkursen Unterstützung leisten. Eine entscheidende Rolle bei der Integration von Geflüchteten kommt den Jobcentern zu. Haben den Berliner Jobcentern noch vor drei Jahren circa 400 Stellen gefehlt, konnte die Situation durch personelle Umstrukturierungen inzwischen verbessert werden, wie Arbeitsagenturchef Becking darlegte. »Die beste Präventionsarbeit gegen Extremismus und Radikalisierung ist immer noch eine gute Perspektive am Arbeitsmarkt«, sagte er. Der ausgewogene Beschäftigungsstand sowie das große Interesse, das Geflüchtete Jobmessen entgegen bringen, sei zudem ein positives Signal. »Die Menschen wollen hier arbeiten und sie können es auch immer besser tun«, erklärte Becking.

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