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Lachsalven im Psychokrieg

Im Kriminaltheater inszenierte Wolfgang Rumpf »Revanche - Ein Mord für zwei« von Anthony Shaffer

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Hinlänglich bekannt sind die Täterprofile der Verantwortlichen für kriminelle Aktivitäten in der Friedrichshainer Palisadenstraße. Das Besondere ihrer organisierten Kreativität ist allerdings, dass sich unter ihrer Leitung im Kriminaltheater Ermordete Kaffee kochen, Ermittler und Mörder sich hinter der Bühne zum Bier verabreden können. Alles kein Drama. Und typisch für Wolfgang Rumpf und Wolfgang Seppelt ist: Sie planen von langer Hand.

»Ein Mord wird angekündigt« und sich nach Agatha Christies Eingebung im September ereignen. Im Frühling 2018 sollen dann »Die Vögel« Zuschauer erschauern lassen: Ursprung ist die Kurzgeschichte »The Birds« der Engländerin Daphne du Maurier, nach der Alfred Hitchcock seinen Horrorfilm drehte. Gegenwartsdramatik bestimmt den dritten Streich: Mit »Passagier 23« ist die Bühnenfassung eines neuen Fitzek-Romans geplant.

Aktuell herrscht mit dem neuen, dem 17. Kriminalstück im Repertoire, »Revanche - Ein Mord für zwei« von Anthony Shaffer, eisiges Wortgefecht. Nichts ist alt an der Story von 1969. Wolfgang Rumpf inszenierte auf fast kahler Bühne, für die sich Ausstatter Manfred Bitterlich auf ein Motiv des niederländischen Malers Mondrian besann, um edle Sachlichkeit ins Haus des Kriminalschriftstellers Andrew Wyke zu bringen. In der Handlung entschwindet dessen Ehefrau Maggie Wyke (Kurzauftritt: Désirée Siyum) zu ihrem Liebhaber, dem Schauspieler Milo Tindle. In seiner Eitelkeit verletzt, sinnt Wyke auf Rache. Er lädt seinen Gegenspieler Tindle zum Gespräch ein, der auch erscheint - in der Annahme, es gehe um die Scheidung. Die Rivalen machen keinen Hehl aus ihrer gegenseitigen Abneigung. Die Bösartigkeit der von Shaffer erdachten verbalen Schlacht entfacht einen Psychokrieg. Schon zweimal wurde das Kriminalstück erfolgreich verfilmt.

Sich intellektuell überlegen fühlend, lässt Wyke Kränkungen wie aus einem Druckluftnagler auf den Widersacher los, um dessen Ego zu demolieren. Dann lenkt er ein und bietet einen Deal an, ein Spiel. »Quid pro quo«, sagt er - zum gegenseitigen Vorteil. Tindle lässt sich darauf ein. Aber der Krieg, in dem beide abwechselnd zu Hochform auffahren, geht weiter. Mehrfach kommt es in dem dicht inszenierten, von Konzentration auf jedes Wort geprägten Stück zur Revanche.

Regisseur Rumpf hetzt die Schauspieler Silvio Hildebrandt (Wyke) und Sebastian Freigang (Tindle) aufeinander und reizt für das Stück wichtige homoerotische Sequenzen gekonnt aus. Die beiden Akteure schenken sich nichts, folgen mit begeisternder Kampfeslust, spielen ausgezeichnet.

Dass so viel gut gemachte Gemeinheit in der Kehle kitzelt, liegt in der menschlichen Natur. Erstaunlich viel wurde bei der Premiere gelacht. Darin, sich fortan im Spiel davon beirren zu lassen, der Verlockung nach Komik nachzugeben, liegt die einzige Gefahr für den Erfolg des spannenden Stücks. Die Retourkutscherei bringt letztlich eine Leiche.

Nächste Vorstellungen am 4. und 5. März, Palisadenstr. 48, Friedrichshain, Tel.: (030) 47 99 74 88

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