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Riester versus Blüm

Freitags Wochentipp: »Die Rentenlüge« in der ARD-Reihe »Akte D«

Es gibt vieles, was vom Oscar haften bleibt. Die Moderation des TV-Talkers Jimmy Kimmel zum Beispiel, der glaubhaft machte, in Hollywood werde »keiner wegen seiner Herkunft oder Hautfarbe diskriminiert, höchstens wegen seines Alters und Gewichts«. Oder das Ding mit dem vertauschten Siegerfilm. Fürs Fernsehen indes war wichtiger, dass mit »Manchester By The Sea« erstmals ein Streaming-Produkt gewann. Gut, Menschen mit Moral wäre es lieber gewesen, der Moderator hätte den verantwortlichen Amazon-Boss Jeff Bezos, der im Publikum saß, für dessen menschenverachtende Firmenpolitik so hart rangenommen wie Mel Gibson, den Kimmel veräppelte, weil er Scientology-Mitglied ist.

Aber mit Donald Trump hatte die Show schließlich einen weit größeren Menschheitsverächter zwischen den Zähnen. Einen, der seine Milliarden wie Warren Buffet durch die brutale Durchsetzung eigener Interessen zusammenspekuliert hat und nun der Presse ein baldiges Ende prophezeit, das in den USA höchstens ausgewählte Zeitungen wie die »New York Times« überleben würden. Eine Prognose, die mit einer Studie der Uni Bielefeld unter Journalisten zusammenfällt. Die besagt, dass zwei Drittel von ihnen verstärkten Hass zu spüren bekommen, der bei 42 Prozent sogar Attacken nach sich zieht. Würde man die überhaupt jemandem wünschen, der nur seine Arbeit tut, dann den Machern des miesesten »Tatort« aller Zeiten vom vorvorigen Sonntag (»Babbeldasch«). Wobei das Erstaunlichste am improvisierten Mundartlaienfall aus Ludwigshafen nicht war, dass nach 15 Minuten viele abgeschaltet, sondern gut sechs Millionen weitergeschaut haben.

Eine Zuschauerzahl, von der Dokumentationen schon deshalb bloß träumen, weil sie praktisch nur noch zur Nacht laufen. Etwa die Reihe »Akte D«. Eine Viertelstunde vor Mitternacht startet das Erste am Montag die nächste Staffel mit drei Filmen über akute Problemlagen der Republik. Den Anfang macht diesmal »Die Rentenlüge«. Atmosphärisch biedert sich Tom Oecker dabei 45 Minuten lang den Gepflogenheiten des modernen Sachfilms an, der zwanghaft mit dauerdräuender Musik und zu viel Pathos arbeiten muss. Inhaltlich jedoch ist auch diese Folge von einer inhaltlichen Stringenz, mit der dieses sperrige Thema leichtfüßig lehrreich wird.

Angefangen bei der Caritas im reichen Hamburg, wo Rentner neben Obdachlosen und Flüchtlingen mittlerweile am häufigsten mit Altkleidern alimentiert werden, macht »Akte D« erschreckend plastisch, wie sich die Altersvorsorge von der ersten großen Rentenreform 1957 in den 60 Jahren, auf die sie angelegt war, bis zur gewaltigen Finanzierungslücke von heute kontinuierlich verschlechtert hat. Dabei ist hochinteressant, wie Walter Riester in einer Art Fernduell mit Norbert Blüm darum kämpft, ob die Rente je so sicher war, wie letzterer als Arbeitsminister Anfang der Achtziger versprochen hatte, oder ob ersterer ihr doch erst als Amtsnachfolger das Grab geschaufelt hat. Sehr sehenswert. Leider viel zu spät.

ARD, Mo., 23.45 Uhr

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