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Lobeshymne für den Trainer

Nach schwieriger Vorbereitung gewinnt die Chemnitzerin Kristin Gierisch bei den Halleneuropameisterschaften den Titel im Dreisprung

  • Von Ralf Jarkowski, Belgrad
  • Lesedauer: 3 Min.

Ihr Trainer reichte im Finale schnell noch eine Cola rüber, und Europas neue Dreisprungkönigin bedankte sich mit einer historischen Goldmedaille. Jubelnd und lachend rannte Kristin Gierisch nach ihrem Coup mit der Deutschlandfahne durch die Arena von Belgrad und sang ihrem Übungsleiter Harry Marusch später eine Lobeshymne, die fast schon eine Liebeserklärung war. »Ich verdanke dem Mann einfach alles. Der hat meine Pubertät mit mir durchgemacht, die wahrscheinlich nicht immer ganz einfach war«, sagte die 26-Jährige freudestrahlend. »Er hat mich einfach nie im Stich gelassen, er hat immer an mich geglaubt.«

Hopp, Step, Jump - und Gold! Nachdem sie in der Kombank Arena in Serbiens Hauptstadt im zweiten Versuch bei 14,37 Metern gelandet war, musste Kristin Gierisch noch fast eine Stunde zittern. Dann war sie Halleneuropameisterin und verewigte sich mit einem ganz speziellen Titel in den Annalen der Leichtathletik. Denn nie zuvor hatte eine deutsche Dreispringerin bei einem internationalen Großereignis den Titel erobert: weder bei Olympia noch bei einer WM oder einer EM. Nicht im Stadion und auch noch nie in der Halle.

Nach einer verkorksten Saison mit wenig Training und vielen Wehwehchen wirkte dieser Titel für die Erfolgsgemeinschaft Gierisch/Murasch wie ein kleines Wunder. Dabei wäre die neue Europameisterin in Belgrad um ein Haar gar nicht gestartet. Verletzungen und Schmerzen plagten sie über Wochen hinweg. »Die Probleme waren so stark. Ich wollte vor vier Tagen noch sagen: Ich lass das hier«, gestand die Zweite der Hallen-WM und Olympiaelfte vom LAC Chemnitz.

Harry Marusch trainiert auch Freilufteuropameister Max Heß, der in Belgrad in der Qualifikation neuen deutschen Rekord sprang und am Sonntag dann Bronze holte. Begeistert hatte ihn aber vor allem seine Musterschülerin. Seit 14 Jahren sind die beiden ein verschworenes Team, machten gute und schlechte Zeiten durch. »Das, was sie hier abgeliefert hat, trägt selbst für mich den Charakter von etwas Sensationellem. Aber Kristin ist eben eine Wettkämpferin«, lobte Marusch. »Wer hat im vorigen Jahr schon daran gedacht, dass sie Vizeweltmeisterin wird? Aber ich habe an sie geglaubt. Und wenn ich dran glaube, dann glaubt sie auch an sich.«

Wie ein Schock war es für Kristin Gierisch und die ganze Familie, als Anfang Februar ihr gehandicapter Bruder plötzlich vermisst und verschwunden war. Eine traurige Geschichte - zum Glück mit gutem Ende. »Kay konnte heute Dank eines Hundesuchtruppes in einem Waldgebiet lebend gefunden werden. Er lag dort zwei Tage auf einem Hochsitz«, schrieb sie Anfang Februar auf ihrer Facebook-Seite. »Das hat sie schon extrem belastet«, meinte ihr Trainer. »Das war sehr, sehr, sehr schwer, sie wieder aufzubauen. Aber Kristin ist Kristin«, lobte Marusch und verriet ihre Stärken: »Sie kann sich schon ganz schön auf diesen Wettkampf fokussieren und ist schon extrem ehrgeizig. «

Und eine große Athletin, die sich an diesem Samstagabend selbst wohl am meisten überrascht hat. »Die Hallensaison war so verkorkst. Und ich glaube, das war der einzige ordentliche Wettkampf, den ich heute abgeliefert habe«, gestand Kristin Gierisch. »Wenn das zum Höhepunkt klappt, dann mache ich das gerne jedes Jahr und ärgere mich vorher zwei Monate mit dem Trainer.« dpa/nd

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