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Opelaner schauen mit bangem Blick auf 2019

Peugeot-Konzern PSA kauft Autobauer Opel / Beschäftigte fürchten um Jobs und Standorte

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Trotz der zu spät erfolgten Information, Einbindung und Konsultation hätten Gesamtbetriebsrat, Bochumer Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall im Bezirk Mitte zentrale Forderungen durchsetzen können, erklärte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug am Montag in einem Pressestatement, dass die Betriebsräte gemeinsam mit dem für die Werke in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach zuständigen IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger veröffentlichten. So habe man »durchgesetzt, dass alle von der Transaktion betroffenen Opel-Gesellschaften unter eine Gesellschaft zusammengeführt werden und die bestehende umfassende Unternehmensmitbestimmung auch bei einem Verkauf vollumfänglich bestehen bleibt«, so der Betriebsrat. Damit sei eine größtmögliche Eigenständigkeit der Marke und des Unternehmens sichergestellt.

Wichtig aus Beschäftigtensicht sei zudem die im Vertrag festgeschriebene Erfüllung aller bestehenden tariflichen und betrieblichen Vereinbarungen, erklärte Schäfer-Klug. »Die Opel-Beschäftigten erwarten langfristige Sicherheit für ihre Arbeitsplätze und die Standorte«, so Köhlinger. Die abschließende Haltung und Zustimmung von IG Metall und Betriebsräten zum Verkauf der derzeitigen General-Motors-Tochter Opel an den französischen Autokonzern PSA werde allerdings »davon abhängen, welcher Zukunftsplan von Opel unter dem Dach von PSA entwickelt werden kann«, heißt es in dem Statement abschließend.

Dies deutet darauf hin, dass der Teufel im Detail stecken könnte und noch viel Klärungsbedarf besteht. Tatsächlich läuft der vertraglich mit GM vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für die drei deutschen Opel-Werke bis Ende 2018 und damit für nur noch 21 Monate. Lediglich im Bochumer Ersatzteillager mit derzeit rund 700 Beschäftigten läuft die schriftliche Jobgarantie erst Ende 2020 aus.

So könnte es nach den Befürchtungen vieler Opelaner ab 2019 ungemütlich werden. PSA-Chef Carlos Tavares möchte zwar nach eigenen Angaben Opel als deutsches Unternehmen erhalten, verlangt allerdings eine deutliche »Effizienzsteigerung«. Opel müsse sich aus eigener Kraft sanieren. Für ihn sei angesichts roter Zahlen des Autobauers »die aktuelle Situation nicht tragfähig«, erklärte Tavares am Montag in Paris.

So rechnen Beobachter damit, dass nach der Fusion die Parallelproduktion bei Opel und PSA, eine geringe Auslastung in verschiedenen Werken und der anhaltende Renditedruck beim Management Begehrlichkeiten zum massiven Arbeitsplatzabbau bis hin zur Schließung kompletter Standorte wecken könnten. In den vergangenen Jahren waren bereits die Opel-Werke Bochum und Antwerpen (Belgien) sowie das PSA-Werk in Aulnay (bei Paris) geschlossen worden.

Mit möglichen Hiobsbotschaften dürfte die Verantwortlichen allerdings zumindest bis nach der Bundestagswahl am 24. September 2017 warten, um nicht zusätzlich »Öl ins Feuer« zu gießen. In Frankreich wird bereits im Frühjahr gewählt.

Rainer Einenkel, der bis zur Bochumer Werkschließung örtlicher Betriebsratsvorsitzender und Arbeitnehmervertreter im Opel-Aufsichtsrat war und wie viele seiner ehemaligen Kollegen nach wie vor arbeitslos ist, sieht in den anstehenden Verhandlungen noch viele mögliche Stolpersteine auf den Opel-Gesamtbetriebsrat und die IG Metall zukommen: Es sei ein »schlechter Start«, dass bei der Verkündung der Verkaufsabsichten durch den US-Mutterkonzern GM vor wenigen Wochen Betriebsrat, Aufsichtsrat und Gewerkschaft »eiskalt überrascht« worden seien. Dass PSA jetzt feierlich gelobe, bestehende Verträge einzuhalten, sei »das Mindeste, was man erwarten kann«, so Einenkel gegenüber »nd«.

Das Land Hessen habe nach der letzten Opelkrise im Jahr 2009 die Möglichkeit verpasst, bei Opel einzusteigen und sich so ein Mitspracherecht zu sichern, bemängelt Janine Wissler von der hessischen Linksfraktion. »Dass PSA sich nach dem Zusammenschluss jährliche Synergieeffekte von 1,7 Milliarden Euro erhofft, lässt leider wenig Gutes ahnen«, so die Abgeordnete.

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